Crowdfunding für mehr Nachhaltigkeit

Schluss mit zu kurzen Ärmeln - umweltfreundlich und regional

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Mit Kapuze oder lieber ohne? Die Bremerin Viktoria Theoharova zeigt in ihrem kleinen Geschäft in der Neustadt ihre selbstentworfenen Pullover der Marke „Huddy“, die sich Kunden in einer Art Baukastensystem zusammenstellen können

Bremen - Von Maren Jensen. „Huddy“ nennt sich die erste Pullovermarke, die in Bremen nach einem Baukastensystem arbeitet. Der Kunde sucht sich sein Lieblingsdesign aus und entscheidet, ob er Kragen, Kapuze oder Taschen möchte. Dann wählt er den Stoff aus. Jeder einzelne Pulli wird in eigener Handarbeit in Bremen gefertigt, und zwar von Jung-Unternehmerin Viktoria Theoharova.

Um die Webseitenprogrammierung für das Baukastensystem und die Stoffauswahl vorzufinanzieren, hat die 33-Jährige ein Crowdfunding gestartet. Weniger als 3000 Euro fehlen noch. Ihre Geschäftsidee entwickelte Theoharova vor einem Jahr. „Ich wollte gerne meinem Bruder ein Weihnachtsgeschenk machen, einen Pullover“, erinnert sie sich. Doch schnell merkte sie: Kaum einer der Pullis passte dem großen Mann, vor allem die Ärmel waren immer viel zu kurz im Geschäft. „Also ging ich auf die Straße und schaute, was die Männer so getragen haben – und merkte, dass viele dieses Problem hatten“, erzählt sie.

Für einen „Huddy“ kann der Kunde individuell seine Maße eingeben, seine gewünschte Länge eintragen und – was Theoharova besonders wichtig war – die Armlänge bestimmen. Für die Stoffauswahl ist die Bremerin, die früher in Weyhe gelebt hat, streng und umweltschonend. „Ich möchte das sehr konsequent machen und wirklich nur mit zertifizierten Biostoffen arbeiten“, sagt sie. Ihre Stoffe sind ökozertifiziert. Der Produzent sitzt in Süddeutschland. „Er ist der einzige Produzent, der etwas weiter weg ist, aber das musste ich für die Qualität in Kauf nehmen“, sagt Theoharova. Die Stoffe seien aus Biobaumwolle gewebt und nachhaltig ohne jegliche Pestizide hergestellt.

Kurze Lieferwege bevorzugt

Die Lieferwege sind kurz. Fotografin und Programmierer des Webshops leben in der Neustadt. Und auch die Labels, also das „Huddy“-Logo, das später in die Pullis genäht wird, lässt die 33-Jährige um die Ecke lasern. „Wir sind alles Selbermacher, kleine Unternehmen, die es eben besser machen wollen. Das finde ich schön“, sagt sie.

Für ihr eigens produziertes Video, in dem das System und der Hintergrund von „Huddy“ erklärt werden, hat Theoharova einige Models engagiert: Birgit und Bernd Batke mit Hund „Juni“, Anke Niemann und Eike Kastens mit dem kleinen Jungen Kalle und Bruder Jannis Hofmann und Leatitia Sawa. „Ich wollte drei verschiedene Altersstufen abbilden, um zu zeigen, dass meine Marke alterslos ist.“ So ist das älteste Model 75 Jahre alt.

Präsentieren die „Huddy“-Kollektion: Eike Kastens mit Kalle (v.l.), Anke Niemann, Jannis Hofmann, Leatitia Sawa, Bernd und Birgit Batke.

Wer einen Pulli kauft, muss sich keine Sorgen mehr ums Einlaufen machen, sagt Theoharova. „Ich wasche jeden Stoff, sobald der bei mir ankommt. Dann kann mein Kunde ihn direkt anziehen.“ Vor einem halben Jahr nahm die Idee von „Huddy“ richtig Gestalt an. Die Bremerin entwarf erste Skizzen und Designs und bewarb sich beim Bremer Start-up-Wettbewerb „Campus-Ideen“ , bei dem sie bis ins Finale kam. Sie gewann den Publikumspreis. Ab Dezember 2017 plante sie schließlich die Kampagne und suchte sich eine eigene kleine Schneiderei.

Bei Erfolg gibt es personelle Hilfe

Noch sitzt die 33-Jährige, die bis 2014 mehrere Jahre Kostümdesignerin am Weyher Theater war, allein in ihrem Stübchen in der Neustadt (Neustadtscontrescarpe 44a), das sie im Januar eröffnet hat. „Wenn das so gut läuft, wie ich es erhoffe, dann werde ich mir Hilfe holen“, sagt sie. Die „Huddy“-Chefin hat einen Master im Fach Wirtschaft und studierte unter anderem Markenmanagement in Bremen. Schon in jungen Jahren arbeitete sie an der Nähmaschine und entwarf erste Kleidungsstücke. 2013 hat sie sich mit Maßanfertigungen für Eventkleider (deathbychocolatedesign) selbstständig gemacht. 

Nun will die 33-Jährige für „Huddy“ das System des Crowdfundings nutzen, um einen Großteil ihrer Webseite finanzieren zu können. „Durch das Baukastensystem ist so eine Seite doppelt so teuer zu programmieren“, erzählt sie. Zur Wintersaison will die Unternehmerin zudem neue Stoffdesigns produzieren lassen. Dafür muss sie in Vorkasse treten. „Es dauert schließlich, bis ich den ganzen Stoff verarbeiten konnte“, sagt sie. 

Hinzu kommen Kosten, die bei dem Aufbau eines Start-ups wichtig sind, wie Nebenkosten für Marketing, Fotos oder die Labels. „Lieber mache ich so eine Kampagne und kann weiterhin um die Ecke lasern lassen, als dass ich bei einem Großproduzenten bestellen muss“, sagt Theoharova. Bisher hat „Huddy“ 3000 Euro erreicht und somit die Hälfte des Ziels von 6000 Euro.

Die „Huddy“-Damenversion kostet 110 Euro, für den Herren gibt es zwei Versionen: Mit Kapuze zahlt der Kunde 120, ohne 100 Euro. Die Kinderversion kostet 55 Euro. „Ich möchte, dass ,Huddy' nicht nur für Bremen und umzu möglich ist, sondern deutschlandweit. Es geht auch anders, es geht auch mit gutem Gewissen“, sagt sie.

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Nachhaltigkeit

Vom 30. Mai bis 5. Juni wurde die Europäische Nachhaltigkeitswoche (ESDW) begangen. Diese europaweite Initiative hat zum Ziel, Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen, die zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, sichtbarer zu machen. Daher stellen wir einige Aktivitäten von Kommunen und Bürgern im Landkreis Diepholz vor, die Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen – oder eben nicht. Nachhaltig leben ist eine Herausforderung. Hier geht es zur Übersicht

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