Rathaus: Restaurierung aus Dachpfannen-Erlös

Vier Goldpokale für die Bremer „Windsbraut“

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Auf dem Dach des Neuen Rathauses montiert Restaurator Roland Peuthert einen Firstpokal. 

Bremen - Von Jörg Esser. Viermal Gold für Bremen: Die „Windsbraut“ auf dem Dach des Neuen Rathauses hat ihre vier fehlenden Firstpokale zurückbekommen. Am Donnerstag montierte Restaurator Roland Peuthert die rund 40  Zentimeter hohen Pokale drei und vier auf der Balustrade des Windsbrautturms. Das Ensemble ist komplett und erstrahlt irgendwie in frischem Glanz. „Das wunderbare Rathaus ist wieder ein Stück verschönert worden“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

Und dafür haben letztlich auch die Bremer und Buten-Bremer gesorgt. Sie haben sich im Sommer 2017 stückweise mit den alten Kupferplatten des Rathausdachs eingedeckt. Das Dach des alten Rathauses war 2016 neu eingedeckt worden, weil an zahlreichen Stellen Regenwasser einsickerte und die wertvolle Bausubstanz bedrohte. Es war die erste Komplettsanierung seit 1925. Kostenpunkt: 1,1 Millionen Euro.

Die Nachfrage nach den Kupfersouvenirs jedenfalls war so riesig, dass sich eine mehrere hundert Meter lange Schlange vor dem Rathaus bildete. Zwei Tranchen mit je 1 000 Stücken in Postkartengröße für acht Euro sowie im Format 15 Zentimeter mal 15  Zentimeter für zehn Euro gingen unters Volk. Der Verkauf brachte einen Erlös von 22.500 Euro. Daraus hat die Rathaus-Verwaltung jetzt in die Denkmalpflege des Hauses reinvestiert. Schließlich geht es auch um die Erhaltung eines Weltkulturerbes. Das Rathaus steht gemeinsam mit dem Roland seit 2004 auf der Unesco-Welterbeliste.

Der Windbrautturm auf dem Dach des Neuen Rathauses hat ihre goldenen Pokale zurückerhalten.

Doch zurück zur „Windsbraut“: Die vergoldete Frauenstatue ist 1909 von dem in Bremen geborenen Bildhauer Georg Römer als Glücksgöttin Fortuna entworfen worden. Sie steht auf dem Walmdach an der östlichen Hauptfassade des Neuen Bremer Rathauses auf einem mittigen Dachreiter. Die „Windsbraut“ stemmt sich gegen den Wind. Besser gesagt: Die nach Angaben von Historikern 60 Kilo schwere Glücksgöttin mit Bronzekörper und goldenem Kleid schwenkt ihr Tuch gegen den Wind. So weit, so schön. Einige Jahrzehnte zierten ebenjene eingangs erwähnten vier vergoldeten Firstpokale den Windsbrautturm, bis sie irgendwann in den 60er Jahren abmontiert wurden.

Zwei Pokale wurden wiederentdeckt, als ein Rathausmitarbeiter in Rente ging und zuvor sein Büro aufräumte. Das Rätselraten über Funktion und Herkunft der Objekte begann. „Erst nach einer intensiven Spurensuche in alten Fotos und Bildern wurde der ursprüngliche Verwendungszweck erkannt“, sagte Kornelia Buhr, Verwaltungsleiterin der Senatskanzlei. Auf einer Fotografie des Bremer Rathauses der „Preußischen Messbildanstalt“ aus dem Jahr 1917 sei die „Windsbraut“ mit ihren vier Pokalen dann entdeckt worden. „Und diesen baulichen Originalzustand wollten wir wieder herstellen“, sagte Buhr.

Vertreter eines aussterbenden Handwerksberufs ausfindig gemacht

So wurde der Metallbaumeister und Restaurator Roland Peuthert für die Restaurierung der Originale und die Neuanfertigung der fehlenden zwei Pokale engagiert. Er sagte: „Das war eine aufwendige Arbeit.“ Schließlich musste der Restaurator zunächst einen Metalldrücker ausfindig machen – „die stehen auf der Roten Liste der aussterbenden Handwerksberufe“. In Hamburg wurde er fündig. Für die Firstpokale sei dann zunächst eine Negativform aus mehrfach verleimten Holz gefertigt worden, bevor die Pokals in Einzelteilen auf der Drehbank entstanden. Der Aufwand hat sich gelohnt, wie ein Blick zum Rathausdach zeigt. Bürgermeister Sieling sagt: „Jetzt ist für alle sichtbar, wie aus den Souvenirkäufen etwas Sinnvolles entstanden ist und das Rathaus erhalten wird.“

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