SERIE: MEIN KUNST-STÜCK Roland Foehlisch und sein „Belebendes Blau“

Vielfarbig einfarbig

Kehrt die allgemeine Regel um, dass Rot anregt und Blau beruhigt: Roland Foehlisch. Foto: LANGKOWSKI

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Belebendes Blau“ heißt Roland Foehlischs Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Auf 1,80 Meter mal 2,10 Meter leuchtet das Aquamarin-Blau in Eitempera. Genau genommen sind es viele verschiedene Sorten von Aquamarin.

„Es gibt tausend verschiedene Möglichkeiten, eine Farbe zu malen“, sagt Roland Foelisch über sein Werk „Belebendes Blau“. Die Art und Weise, wie man eine Farbe darstellt, verändere ihre Wirkung. Der Bremer Maler fragte sich, ob man die allgemeine Regel, dass Blau beruhige und Rot anrege, vielleicht auch umkehren könne. „Belebendes Blau“ ist ein Beispiel dafür, dass es geht.

Mehr als fünf verschiedene Aquamarinblau-Töne nutzte Foehlisch. Das Blau besitzt einen hohen Rotanteil und die Eitempera verleiht der Oberfläche einen leichten Glanz. Das Leinöl-Wasser-Gemisch mit Ei und Farbpigmenten ist eine schon im Mittelalter bekannt gewesene Technik. Durch einen dynamischen Pinselstrich gab der Künstler dem riesigen Farbfeld eine unruhige Struktur. Sogar das Format änderte er noch im Nachhinein. Durch diese kombinierten Faktoren entstand ein ganz individuelles, nur scheinbar monochromes Werk.

Die Farben sind Foehlischs Markenzeichen – egal ob einfarbig, mehrfarbig, leuchtend oder gedeckt. Besonders die Vielfalt der Grüns und Blaus haben es ihm angetan. Wichtig ist dem Bremer, dass die Farben beim Betrachter ganz eigen wirken.

Auf die Kunst ist der 1962 in Köln geborene Künstler durch Zufall gekommen. Er hatte einen Malkurs geschenkt bekommen, als Ausgleich zur Betriebsführung seines Optikergeschäfts. Das fand der Bremer interessant. Als er dann eine Ausstellungen des Malers Mark Rothko besuchte, war er von der geballten Kraft der Farbe so beeindruckt, dass er sein Optikergeschäft verkaufte, um Maler zu werden. „Es fühlte sich richtig an. Und keinen Moment habe ich die Entscheidung bereut.“

Heute sieht sein Alltag so aus, dass er in der Regel morgens etwas Sport macht und dann zur Arbeit geht, um zu malen. „Für den Umgang mit Farben ist Tageslicht am besten, insbesondere für die späteren Schichten in ihren feinen Nuancen.“ Wenn andere Tätigkeiten die Produktion unterbrechen, gleicht Foehlisch diese Zeit über die Woche aus. Der Verkauf gehöre halt dazu, sagt er.

Die Herausforderung in der Kunst sieht Foehlisch für sich darin, der Farbe eine solche Qualität und einen solchen Ausdruck zu geben, dass der Betrachter dies wahrnehmen kann. Die Suche nach dem Weg dorthin sei ein ständiger Begleiter seiner Malerei. Auch mit der eigenen Kunst nach außen zu treten, sei eine Herausforderung. „Weil die Werke etwas sehr Persönliches sind, bedarf es einigen Mutes, um sie auszustellen und somit auch der Kritik preiszugeben“, sagt Foehlisch.

Ob wir Kunst brauchen? – „Unbedingt. Ich sehe jedes Bild als ein Angebot für die Weiterentwicklung der Wahrnehmung. Gelingt das, entwickelt sich auch der Mensch weiter.“

Zu den Künstlern, die für Foehlisch besonders bedeutend sind, zählen die Deutschen Raimer Jochems und Rupprecht Geyger (1908 bis 2009). Geyger war eigentlich Architekt. Er begann mit der Malerei und konzentrierte sich konsequent auf einzelne Farben und Formen. Auch der 1932 geborene Jochems verschrieb sich der Farbe und Farbverläufen.

Wenn Foehlisch jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines an Udo Kittelmann, der wie Foehlisch einst Augenoptiker war und nun Direktor der Berliner Nationalgalerie ist. „Als Dank, dass sein Werdegang mich in meiner Arbeit bestärkt und zeigt, dass man Dinge erfolgreich machen kann, wenn man das tut, was einem wichtig ist.“

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