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„Lange Nacht der Museen“ lockt Tausende von Menschen nach Bremen

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Von: Martin Kowalewski

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Die Kraft kommt per Transmissionsriemen: Frank Baethke, Vorsitzender des Fördervereins Tischlereimuseum Bremen, steht während der „Langen Nacht der Museen“ an einer Bandsäge.
Die Kraft kommt per Transmissionsriemen: Frank Baethke, Vorsitzender des Fördervereins Tischlereimuseum Bremen, steht während der „Langen Nacht der Museen“ an einer Bandsäge. © Kowalewski

Zwei Jahre fiel sie aus, die „Lange Nacht der Museen“, genau, wegen Corona. Doch am Sonnabend, 18. Juni 2022, war es wieder soweit. Und die Museumsnacht lockte Tausende von Besuchern in die Ausstellungshäuser in Bremen.

Bremen – Musik machen mal anders im Wissenschaftscenter Universum: Sechs Bananen sind Teil eines Musikinstrumentes namens Bananenklavier mit sechs verschiedenen Tönen. Die „Lange Nacht der Museen“ hielt am Sonnabend eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Besucher bereit. Tausende von Menschen machten sich auf den Weg, um in der lauen Sommernacht durch die 29 Ausstellungshäuser zu stöbern.

„Lange Nacht der Museen“: Musik mit Bananen

Musik mit Bananen – da gehört allerdings noch einiges an Technik dazu, wie Melanie Wittig vom Universum erklärt. Der Musizierende muss eine Hand auf eine Alufolie legen. Berührt er eine der Bananen, erklingt ein Ton, denn der Stromkreis schließt sich. Ein Computeprogramm tut das Übrige. Bereits auf fünf Bananen lässt sich ein Lied spielen. Am Tisch daneben: ein ähnlicher Aufbau mit Blumen im Wasser, ein Blumenschlagzeug. Auch die Blumen leiten Strom, und das Schließen des Stromkreises erzeugt hier Schlagzeugtöne.

Natur trifft Technik: Im Wissenschaftscenter Universum sitzt Mitarbeiterin Melanie Wittig am Blumenschlagzeug.
Natur trifft Technik: Im Wissenschaftscenter Universum sitzt Mitarbeiterin Melanie Wittig am Blumenschlagzeug. © Kowalewski

Außerdem werden im Universum Instrumente aus einfachen Alltagsgegenständen gebastelt. Ein Junge hat eine mehrfach verwendbare Knalltüte gebastelt. Eine schnelle Bewegung erzeugt einen Knall. Mitarbeiterin Anna Mildner zeigt Löffel, die an Geschenkband hängen. In zwei weitere Schlaufen werden die Finger gesteckt. Einmal die Finger in die Ohren und kräftig mit dem Löffel an die Tischkante gestoßen – und schon ist ein beeindruckender Klang zu hören, der an eine Kuhglocke erinnert.

Museumsnacht in Bremen: Restaurator im Focke-Museum stellt seine Arbeit vor

Restaurator Olaf Ruprecht im Focke-Museum bei der Arbeit: Geschmolzenes Wachs soll Farbe auf einer Dampfpumpe von der Lloyd-Werft stabilisieren.
Restaurator Olaf Ruprecht im Focke-Museum bei der Arbeit: Geschmolzenes Wachs soll Farbe auf einer Dampfpumpe von der Lloyd-Werft stabilisieren. © Kowalewski

Im Focke-Museum stellt Restaurator Olaf Ruprecht seine Arbeit vor. Er widmet sich einem historischen Stück Technik, einer alten Dampfpumpe der Lloyd-Werft in Bremerhaven von 1899. Sie ist lackiert, aber an vielen Stellen blättert die Farbe ab. „Ich will das Objekt in seiner Materialität so gut wie möglich erhalten“, sagt Restaurator Ruprecht. Die abgeblätterten Stellen bleiben. Ruprecht spricht auch von den Falten am Objekt. Mit einer Heißluftpistole schmilzt er Wachs und bewegt es mit einem Luftstrahl von den Lücken aus an die Ränder der Farbe. Das Wachs soll in die Lücke zwischen Farbschicht und Metall eindringen und die Farbe mit seiner Klebewirkung halten. Ruprecht ist seit 2002 Restaurator und seit 2010 im Focke-Museum.

„Mit allen Sinnen durch die Steinzeit“ nennt sich ein anderes Angebot der Wissenswerkstatt Archäologie des Focke-Museums. Archäologin Raymonde Decker schlägt einen Feuerstein und einen Markasit, einen Schwefelkies, aneinander. Es riecht nach Schwefel. Mit solchen Steinen wurde schon zur Zeit der Jäger und Sammler Feuer erzeugt. Dabei half auch der Zunderpilz, der ebenfalls zu sehen ist. Er wächst, so heißt es, an absterbenden Birken. Damit und mit trockenem Gras wurde das Feuer eingefangen. Aufbewahrt in einem Birkengefäß, soll der Pilz die Glut sogar über Nacht halten können. Decker und Helmi Siebert-Reible erklären, warum die Entdeckung des Feuers so wichtig war: Fleisch konnte gegart werden. Dadurch sei das Hirnvolumen angestiegen, so heißt es zumindest. Decker vermutet als Grund dafür die stärkere Zufuhr von Eiweiß und Proteinen.

Tischlereimuseum im Bremer Viertel

160 Besucher verzeichnet das kleine, aber feine Tischlereimuseum im Viertel bis Mitternacht. Eine Treppe abwärts führt in das ursprünglich 1889 eröffnete Fabriken-Etablissement, in dem Maschinen zur Holzbearbeitung mit Dampfkraft und später mit Holzgas angetrieben wurden. Später, etwa ab 1900, wurde Holzgas verwendet, ein Holzvergaser mit Gasturbine ersetzte den Dampfkessel. Der Betrieb verwendete unter anderem eigene Holzreste zur Energiegewinnung. Heute sorgt ein Elektromotor für Kraft. Schon gleich zu Beginn der Museumsnacht führt der Vorsitzende des Fördervereins Tischlereimuseum, Frank Baethke, eine größere Gruppe durchs Museum. Eine Dolmetscherin übersetzt für ukrainische Flüchtlinge. Baethke nimmt eine Bodenplatte hoch. Zu sehen ist, wie Transmissionsriemen unter anderem auch eine Bandsäge mit Kraft versorgten. Durchaus aktuell: der Bunkerraum von 1943. Darin: rotes Licht, viele Regale. 1943 wurde die obere Etage des Gebäudes durch Brandbomben zerstört.

Wer mobil ist, bekommt an diesem Abend in den knapp 30 Ausstellungshäusern viel geboten. Gegen Mitternacht sitzt entspanntes Publikum vor der Kunsthalle, wo Musik zu hören ist. Auch im Gerhard-Marcks-Haus und im Wilhelm-Wagenfeld-Haus herrscht trotz der späten Stunde reger Betrieb.

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