„Blick/Wechsel“: Bremer Ausstellung zeigt die Entwicklung deutsch-deutscher Städtepartnerschaften

Die vielen kleinen Geschichten

Blicke im Rathaus: Innenminister Thomas de Maizière (CDU, Mitte) in der Ausstellung. Links im Bild: Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD). Rechts: Alt-Bürgermeister Klaus Wedemeier (SPD), der die Partnerschaft mit Rostock schloss.

Bremen - Von Thomas Kuzaj · 20 Jahre Einheit – da fällt der Blick zwangsläufig auch auf die deutsch-deutsche Annäherung zu Zeiten des Ost-West-Konflikts. Ein Aspekt davon sind die Städtepartnerschaften. Bremen widmet ihnen und ihrer Entwicklung jetzt eine Ausstellung, die Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern eröffnete – als Schirmherr.

Die Schau mit dem etwas umständlichen Titel „Blick/Wechsel“ ist Bremens Beitrag zu den Einheits-Feierlichkeiten, die ja rund um den 3. Oktober in der Hansestadt sind, weil sie gerade den Bundesratsvorsitz hat. „Blick/Wechsel“ richtet den Blick auf 15 innerdeutsche Städtepartnerschaften und verfolgt ihre Geschichte von 1986 bis heute.

Die Entwicklungen sind höchst unterschiedlich. Bremens Partnerschaft zur Hansestadt Rostock etwa wurde nie offiziell beendet, gilt aber praktisch als „eingeschlafen“. Rostock orientiert sich heute eher nach Kiel und Lübeck – vergleichbar große Städte; hinzu kommt die Ostseenähe und -nachbarschaft. Andere Partnerschaften sind lebendig geblieben – zum Beispiel jene, bei denen beide Partnerstädte in der Nähe der einstigen innerdeutschen Grenze liegen.

Zurück zur Ausstellung, die bis zum 10. Oktober in der Unteren Rathaushalle zu sehen ist und anschließend auf Wanderschaft durch Deutschland gehen soll. Sie möchte Grenzen sozusagen auflösen, jedenfalls legt die Inszenierung der Schau das nahe. Die Besucher laufen über ein gut 70 Quadratmeter großes Satellitenbild Deutschlands. Auf dem Bild stehen Informationstafeln, die die ausgewählten Partnerschaften in Text und Bild erklären. Der im Titel angedeutete Wechsel im Blickwinkel wird spielerisch vor Augen geführt – je nach Blickwinkel des Betrachters verändern sich nämlich die Stadtansichten auf den Tafeln. Linsenrasterverfahren heißt die Wackelbildmethode, die Partnerschaften sichtbar macht: Plauen und Hof, Jena und Erlangen, Dessau und Ludwigshafen. 58 dieser Verbindungen entstanden bis zum Fall der Mauer.

Unter schweren Bedingungen, schließlich war die Staatssicherheit der DDR stets präsent. Der SED sollten die Partnerschaften zur Konsolidierung dienen, sagt Lutz Liffers, Kurator der Ausstellung. Später seien sie zum „Modell für kommunale Kontakte“ geworden; nach dem Mauerfall folgte der Wissens- und Technologietransfer (von West nach Ost). Ja, und auch „Glücksritter“ seien unterwegs gewesen, hieß es im Rathaus. Doch, so Innenminister de Maizière: „Der Erfolg der deutschen Einheit wäre nicht gelungen ohne die vielen kleinen Geschichten.“ Und die spielten eben oft auf kommunaler Ebene – unter Partnern. Was Funktionäre vereinbart hatten, füllten nun freie Bürger mit Leben.

Deutsch-deutsche Städtepartnerschaften waren in der DDR zunächst nicht erwünscht gewesen. Zu groß die Gefahr, dass es doch, bei aller Vorsicht und Einflussnahme, zu unkontrollierbaren Kontakten zwischen Ost und West kommen könnte. Zu Bürgerkontakten! Noch im Jahr 1983 sprach Erich Honecker von einer „Gefahr für die nationale Abgrenzungspolitik“. Ab 1985 – zu Gorbatschows Zeiten – setzte ein Wandel ein. Im Mai 1986 kam das Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Viele Formulierungen in den Rahmenvereinbarungen deutsch-deutscher Partnerschaften lehnten sich in den folgenden Jahren an dieses Abkommen an.

Mehr als 20 Jahre ist das jetzt her. Jungen Menschen, die heute um die 20 sind, müssen diese Geschichten wie Erzählungen aus einer fremden Welt vorkommen. Dabei sind es Geschichten aus Deutschland. Die Ausstellung holt sie noch einmal in die Gegenwart zurück.

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