Corona führt zu einem Run auf Haustiere

Bremen: „Viele wollen jetzt einen Hund“

 Wanda-Anna Rum  mit ihren Hunden „Coffee“ (l.) und „Lily“ im Grünen.
+
Glückliches Trio: Wanda-Anna Rum aus Lesum ist mit ihren Hunden „Coffee“ (l.) und „Lily“ im Friedehorst-Park unterwegs. „Coffee“ wurde ihr vom Bremer Tierheim vermittelt.

Das Bremer Tierheim hat einen Run auf Haustiere registriert. In Corona-Zeiten suchen Menschen einen treuen Begleiter. Gefahr droht durch dubiose Vermittler im Internet.

Bremen – Wanda-Anna Rum aus Lesum im Bremer Norden hat zwei muntere Hunde beim Spaziergang durch den Friedehorst-Park in St. Magnus an den Leinen: „Coffee“ und „Lily“. Im Dezember hat sie Mischling „Coffee“ aus dem Bremer Tierheim an der Hemmstraße in Findorff geholt. Hündin „Lily“ war einsam, nachdem „Niki“, der zweite Hund der Rums, an Krebs gestorben war. „Sie war alleine und hat nachts gejault“, sagt Rum.

Es gibt seit Corona einen Run auf Haustiere, ganz besonders auf Hunde, sagt Gaby Schwab, Pressesprecherin des Bremer Tierschutzvereins. „Viele wollen jetzt einen Hund. Sie fahren nicht ins Ausland und werden es wohl auch die nächsten Jahre nicht tun.“

„Bundesweit wurden fast eine Million Haustiere mehr angeschafft“, sagt Schwab. In Deutschland und auch in Bremen läge das Plus bei Hunden bei 20 Prozent. „In Bremen sind jetzt laut Finanzamt rund 20  000 Hunde angemeldet. Sicher sind auch einige nicht angemeldet.“ Die Folge: Im Bremer Tierheim ist es ziemlich leer. „Wir haben aktuell 21 Hunde in der Vermittlung. 2019 waren es zu dieser Zeit 50 bis 60“, sagt Schwab. Ebenso verhält es sich bei Katzen. 57 Stubentiger seien derzeit im Heim. „Vor zwei oder drei Jahren waren es zu dieser Zeit 300, teilweise 500“, sagt Schwab. Und: „In der Vermittlung haben wir 15 Katzen. Die anderen sind noch zu klein oder noch nicht zur Vermittlung frei.“ Eine verstärkte Nachfrage verzeichnet das Bremer Tierheim auch bei Exoten. „Im Heim sind viele Schildkröten“, sagt Schwab.

Vorkontrollen und Nachkontrollen

„Wir haben wenig Sorgen, dass die Tiere wieder zurückkommen“, sagt Schwab. Bei der Vermittlung von Hunden macht das Bremer Tierheim Vorkontrollen, bei der Vermittlung von Katzen teilweise Nachkontrollen. „Die meisten Menschen, die Tiere adoptieren, bleiben in Kontakt zu uns“, fährt sie fort. „Viele schicken Bilder.“

Auch „Coffee“ wirkt glücklich. Rum hat ihn auf der Homepage des Tierheims gefunden. Über Umwegen aus Rumänien nach Bremen gekommen, war er schon zweimal nach erfolgter Vermittlung ins Tierheim zurückgekommen. Der Hund hat Angst vor Kindern. „Im Vorstellungstext auf der Homepage stand, dass eine selbstsichere Hündin ihm guttun würde“, sagt Rum.

Schon beim ersten Zusammentreffen waren „Lily“, Wanda-Anna Rum mit ihrem Mann, die Tochter mit Mann und ein Pfleger des Tierheims dabei. Die Hunde spielten. „,Coffee’ war bei der ersten Begegnung sehr schüchtern“, sagt Rum. „,Lily’ hat gleich Interesse gezeigt.“ Dann folgten Spaziergänge mit beiden Hunden über Wochen. „,Lily’ musste einige Wochen aussetzen wegen einer Muskelzerrung“, sagt Rum. Seit 17. Dezember wohnt „Coffee“ nun bei „Lily“ und den Rums.

Nächtliche Spaziergänge

Die beiden Hunde fallen ins Auge. „Coffee“ ist neugierig und führt Rum und „Lily“ beim Spaziergang vom Weg zu einem Teich. Nicht so sehr mag „Coffee“ dagegen Straßen und Baulärm. „Besonders gerne geht ,Coffee‘ nachts raus“, sagt Rum. Manchmal um 23 Uhr, manchmal um Mitternacht.

Trotz der gut laufenden Vermittlungstätigkeit im Bremer Tierheims spricht Schwab auch von einer gewissen Skepsis. Sie sagt, sie mache sich keine Sorgen, was Tiere anbelangt, die vom Tierheim oder auch seriösen Tierschutzorganisationen und seriösen Züchtern vermittelt wurden.

„Es gibt gute Züchter, die gucken, wo sie die Tiere hingeben und sie im Notfall auch wieder zurücknehmen, wenn etwa der Besitzer erkrankt.“ Sie spricht aber auch von unüberlegten Käufen im Internet und Züchtern, denen das Tierwohl nicht so am Herzen liegt. „Wir haben schon Angst vor einer großen Abgabewelle“, sagt sie. Schwab appelliert an Menschen, die sich ein Tier wünschen, eines aus dem Tierschutz zu nehmen.

Angst vor großer Abgabewelle

Anneke Immoor (30) und ihr Mann, die in Ritterhude leben, haben am 17. Februar „Morris“ aus dem Bremer Tierheim adoptiert, zehn Tage vor dessen viertem Geburtstag. Immoor lobt das Tierheim. „Wir haben uns gut beraten und aufgehoben gefühlt“, sagt sie. „Wr sind ,Morris zu einem Platz gegangen und haben geguckt, ob es passt.“

Danach durfte das Paar ohne Pfleger mit dem Hund eine Runde im Stadtwald gehen. „Morris“ ist ihr erster Hund, ein mittelgroßer Mischling, genaueres kann Immoor nicht sagen. Sie und ihr Mann haben ihn auf der Homepage des Tierheims entdeckt, Liebe auf den ersten Blick. „Er ist ein kleiner Charmeur“, sagt die 30-Jährige. „Es ist schön, jemanden zu haben, der einen auf Trab hält.“

Weitere Infos unter

www.bremer-tierschutzverein.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israels Armee tötet hochrangigen Militärkommandeur in Gaza

Israels Armee tötet hochrangigen Militärkommandeur in Gaza

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Meistgelesene Artikel

Messerattacke in Bremen: Mann sticht Frau in der Innenstadt nieder

Messerattacke in Bremen: Mann sticht Frau in der Innenstadt nieder

Messerattacke in Bremen: Mann sticht Frau in der Innenstadt nieder
Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?
Nach üblen Drohungen: Werder-Stadionsprecher Zeigler will Reißleine ziehen

Nach üblen Drohungen: Werder-Stadionsprecher Zeigler will Reißleine ziehen

Nach üblen Drohungen: Werder-Stadionsprecher Zeigler will Reißleine ziehen
Wieder Zoff unter Jugendlichen an der Bremer Schlachte

Wieder Zoff unter Jugendlichen an der Bremer Schlachte

Wieder Zoff unter Jugendlichen an der Bremer Schlachte

Kommentare