Aufgaben der Internationalen Mathematik-Olympiade haben Mittelstufen-Niveau

Viele Wege führen zu Ruhm

Bremen - Mit Mathematik verhält es sich wie mit der ewigen Stadt: Viele Wege führen nach Rom – auch Ruhm lässt sich in Mathematik auf verschiedenen Wegen erlangen. Das erläuterten Organisatoren und Teilnehmer der 50. Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) vor Pressevertretern.

So sind die Mitglieder des deutschen Teams – Lisa Sauermann, Bertram Arnold, Christoph Kröner, Malte Lackmann, Martin Merker, Jens Reinhold –, die zum Teil bereits auf einer früheren IMO Gold- oder Silbermedaillen holten, nicht durchweg in Mathematik die Besten. Den Begriff Mathe-Genie hören sie deshalb in Bezug auf ihre Person auch nicht gern. Freimütig gaben einige zu, dass sie weder den Test für Hochbegabte bestanden hätten noch beim bundesweiten Mathematik-Wettbewerb „Känguru“ besonders gut abschnitten. Beim Hochbegabten-Test wird nicht nur logisches Denken, sondern auch Allgemeinbildung abgefragt. „Känguru“ hat seine ganz eigene Art von Aufgaben. Aber auf der anderen Seite gibt es auch leistungsstarke Mathematik-Professoren, die mit den Aufgaben der IMO ihre Probleme hätten. Die Mathematik der Schuloberstufen oder im Studium sei eine ganz andere als die der IMO, wurde einhellig erklärt.

Die Suche nach geeigneten Aufgaben für die Teams aus 100 Nationen, die ab Freitag, 10. Juli, auf dem Campus der Jacobs University Bremen wohnen und sich dem Wettkampf stellen, besteht nicht aus vielen Wegen, sondern aus einem – allerdings recht holprigen. Prof. Dierk Schleicher ist an der Bremer Privatuni zuständig für die IMO und er erläuterte das Verfahren, mit dem die sechs Prüfungsaufgaben ausgewählt werden.

Die haben von den Anforderungen an mathematische Kenntnisse das Mittelstufen-Niveau, dürfen aber noch nie irgendwo auf der Welt in dieser Form gestellt worden sein. Mittelstufen-Niveau bedeutet keinesfalls, dass es sich um leichte Aufgaben handelt. Es besagt lediglich, dass die Aufgaben mit dem mathematischen Handwerks-zeug der mittleren Schulstufe, also bis zehnte Klasse, zu lösen sind. Die Aufgaben verlangen mehr Kreativität denn Rechenkünste und Formelwissen, erklärten Prof. Joachim Treusch, Präsident der Jacobs University, Dr. Harald Wagner vom Verein „Bildung & Begabung“ und der Mathematiker Schleicher unisono.

Jedes der teilnehmenden Länder reicht bis zu sechs Aufgaben-Vorschläge ein, die von einer Experten-Jury des Gastgeberlandes – in diesem Fall Deutschland – gesichtet werden. Hieraus wird eine Vorschlagsliste von rund 30 Aufgaben erarbeitet, die wiederum von der Kommission geprüft werden, um aus diesem Fundus die zwei Pakete mit jeweils sechs Prüfungsaufgaben zu wählen. Die werden dann in alle fünf IMO-Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch) übersetzt und ausgehängt. Die Dolmetscher der Delegationen übersetzen die Aufgaben in ihre jeweilige Landessprache. Danach begutachten alle Delegationsleitungen alle Übersetzungen, um Fehler, die sich eingeschlichen haben könnten, oder versteckte Hinweise an die Prüflinge ausfindig zu machen. Wenn dies Procedere abgeschlossen ist, werden die Vorschläge als Prüfungsaufgaben anerkannt. Die Schwierigkeit liegt hierbei in der Maxime, dass die Aufgaben noch nie zuvor irgendwo auf der Welt gestellt worden sein dürfen.

In Zeiten des Internets können alle Teams leicht auf alle IMO-Aufgaben der vergangenen Jahre zurückgreifen, um mit ihnen zu trainieren. Die Schwierigkeit stellen die Aufgaben dar, die nicht im Internet zu finden sind, erklärte Schleicher. Als Beispiel nannte er eine Mathematik-Sammlung aus dem vergangenen Jahrhundert einer zu der Zeit blühenden Uni in Osteuropa. Eine solche Sammlung schlummere wahrscheinlich als gebundenes Buch in einer Uni-Bibliothek mit Tradition und sei nur den Wissenschaftlern vor Ort zugänglich und bekannt. Deshalb, so Schleicher, sei die Prüfung auf ihre Neuartigkeit die eigentliche Herausforderung für die Kommission.

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