Bremer Herzen

„Zu viele Herzinfarkte“: Stiftung finanziert erste Forschungsprofessur in Bremen

Harm Wienbergen ist zum Stiftungsprofessor für kardiovaskuläre Versorgungs- und Präventionsforschung am Herzzentrum Bremen (im Klinikum Links der Weser) berufen worden. - Foto: Stiftung Bremer Herzen

Bremen - Von Jörg Esser. Herzerkrankungen und Herzinfarkte zählen immer noch zu den häufigsten Todesursachen. Das Land Bremen weist im Bundesvergleich eine überdurchschnittlich hohe Herzinfarktrate auf – mit 73 Todesopfern auf 100.000 Einwohner. Zugleich ist die Hansestadt eine Diaspora in der Herzforschung. Das soll sich ändern. Die Stiftung Bremer Herzen finanziert eine Professur zur Erforschung und Prävention von Herzerkrankungen.

„Wir wollen den Kampf gegen die hohe Herzinfarktrate aufnehmen und Bremen zur Herzkümmerer-Stadt machen“, sagt Professor Rainer Hambrecht, Chefarzt der Kardiologischen Klinik am Klinikum Links der Weser und Vorsitzender der Stiftung Bremer Herzen. Und so wird erstmals eine medizinische Professur am Standort Bremen ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankung am Herzzentrum zu intensivieren. Kooperationspartner ist die Universität Lübeck, die Stiftungsprofessur übernimmt Prof. Dr. Harm Wienbergen, der vom Herzzentrum Heidelberg-Ludwigshafen an die Weser gekommen ist. Wienbergen ist auch Leiter des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF), das 2013 von der Stiftung Bremer Herzen gegründet wurde. „Universitätsmedizin erleichtert die Anwerbung von qualifizierten Mitarbeitern“, sagt Hambrecht.

Die Stiftung will die Öffentlichkeit aufklären, für den Kampf gegen den Herzinfarkt sensibilisieren. Dafür sind bereits einige Präventionsprojekte ins Leben gerufen worden, unter anderem die Aktion „Drück mich“, das betriebliche Gesundheitsmanagement „Healthy Hearts“ und die alljährlichen „Herztage“.

Mit der Stiftungsprofessur soll die kardiologische Forschung im Land Bremen vorangetrieben werden. Wienbergen zählt die Erforschung der optimalen Behandlung von Herzerkrankungen und Herzinfarkten sowie die Vorbeugung und Verminderung von Risikofaktoren zu den Schwerpunkten seiner Arbeit. „Hierfür gibt es bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit im öffentlichen und wissenschaftlichen Bereich.“

Jetzt sollen Studien ermitteln, wie Herzerkrankungen im klinischen Alltag behandelt werden. Ein Beispiel sei das Bremer Herzinfarktregister, eine Studie der Stiftung, in der alle Herzinfarkt-Patienten eingeschlossen werden. Bisherige Studien zeigten unter anderem, dass mehr als die Hälfte der Patienten mit Herzschwäche (54 Prozent) einen Eisenmangel aufweisen. Die Zahl der Komplikationen bei einem Klinikaufenthalt nach einem Herzinfarkt steigt mit dem Lebensalter an. Derzeit ist eine Studie in Arbeit, in der es um die effektive Verringerung von Risikofaktoren geht. Ergebnisse sollen laut Wienbergen im April auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt werden.

Übrigens: Nur sechs von zehn Patienten mit einem „großen Herzinfarkt“ schaffen es laut Hambrecht rechtzeitig ins Krankenhaus. In die Reha nach dem Infarkt gehen 60 bis 70 Prozent aller Männer und maximal 50 Prozent aller Frauen. Und: Die Reha wirkt häufig nicht lange nach. „Der Lebensrhythmus ist tief eingeprägt“, sagt Wienbergen.

Noch etwas fällt in Bremen auf: Es gibt „Brennpunktstadtteile“. Das sind Gebiete, in denen „zu viele Herzinfarkte ablaufen“. Darum auch geht die Stiftung mit den „Herztagen“ in diesem Jahr in die „Lebenswelten“, dorthin, „wo die Prävention ankommen soll“.

www.bremer-herzen.de

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