CORONA Krise trifft Konzertveranstalter und private Theater hart

Viel Stress, keine Einnahmen

Bleibt aufgrund der Corona-Krise erst einmal leer: das Metropol-Theater. Ebenso wie andere private Theater und örtliche Konzertveranstalter trifft die Krise die Branche hart. An Arbeit mangelt es wegen der Absagen und Verlegungen bisher nicht, doch die Einnahmen bleiben aus. Foto: CHRISTIAN BALLE

Bremen - Von Martin Kowalewski. Viel Arbeit und damit bislang keine Chance auf Kurzarbeit. Koopmann-Concerts hat bereits mehr als 30 Veranstaltungen bis zum 8. Mai verschoben. Geschäftsführer Oliver Mücke (54) sagt: „Wir haben zu kämpfen. Jede Woche legen wir die Marschrichtung neu fest.“ Das Corona-Virus ist ein Alptraum auch für Bremer Konzertveranstalter und private Theaterhäuser. Der Betrieb ruht, Karten werden nicht mehr verkauft, so mehrere Veranstalter. Und die Einnahmen bleiben aus.

Mücke sagt: „Die Umterminierungen sind ein großes Problem. Der Künstler muss Zeit haben und der Veranstaltungsort frei sein. Doch dazu kommt noch mehr. Stehen die Gewerke zur Verfügung?“ Bei Großveranstaltungen würden teilweise 150 oder gut 200 externe Kräfte gebraucht.

Oliver Mücke ist froh, für 90 Prozent der Veranstaltungen Ersatztermine finden zu können. Dennoch gäbe es einige Kunden mit einem „unangenehmen Anspruchsdenken“. Diese wollten sofort ihr Geld zurück. „Das ist aber in Anbetracht der Situation momentan gar nicht möglich, da auch die Ticketsysteme das rein technisch in der aktuellen Krise nicht leisten könnten“, erläutert der Konzertveranstalter mit Sitz in der Überseestadt. „Ich appelliere an die Leute: Haltet Euch einen Moment zurück. Wir stecken in einer Krise, in der Menschen ihre Existenz verlieren.“

Stress auch bei Stefan Paul, Geschäftsführer von Revue, Gesellschaft für Konzerte und Veranstaltungen in Bremen, und seinem Team: 20 Konzerte musste der Veranstalter verlegen, zehn weitere werden noch folgen. „Jetzt, im laufenden Frühjahr, wären natürlich unsere allerwichtigsten und veranstaltungsstärksten Monate gewesen“, sagt Paul. „Wir konnten auch etwas Kapital für schlechte Zeiten beiseitelegen. Das kommt uns jetzt beim Meistern der Krise sicher auch zugute.“ Pauls Hoffnung: der Sommer. „Wenn die Leute wegen der Corona-Krise möglicherweise gar nicht mehr in Urlaub fahren können oder dürfen, birgt das sicher auch Chancen für uns“, sagt er.

Jan Trautmann, Geschäftsführer von Bremen Events & Concerts, verlegt vier Shows. Nicht leicht bei Ex-Genesis-Mitglied Ray Wilson: „Der hat viele Termine, vielleicht müssen wir ins nächste Jahr.“ Im Juli will Trautmann die Band „America“ im Metropol-Theater zeigen. „Die kommt selten nach Europa. Da wäre es schwer, einen Ersatztermin zu finden“, sagt Trautmann. Noch sieht er die Lage entspannt. „Ich kann einen Monat überbrücken“, sagt er. „Wenn es über den Sommer geht, trifft es mich besonders hart.“

Beim Metropol-Theater am Richtweg in Bremen, das auch selbst Veranstalter ist, richtet man sich darauf ein, dass es bis Mitte Juni keinen Spielbetrieb gibt. Geschäftsführer Jörn Meyer vermutet, dass das Ausgehverbot irgendwann sukzessive gelockert wird, als erstes aber für kleine Häuser. „Die Frage ist auch, wann trauen sich Leute wieder in Räume für eine geschlossene Veranstaltung?“ Man nehme Kurzarbeit in Anspruch. Gefährlich werde es, wenn keine Hilfe komme und die Situation über Monate so bleibe.

Christopher Kotoucek, Geschäftsführer des „Fritz“-Theaters, das die Hälfte der Einnahmen durch umfangreiche Gastronomie erzielt, spricht von 150 000 Euro Verlust. „Wir gehen in Kurzarbeit. Die großen Kosten wie die Miete laufen aber weiter.“ Er fordert, die Politik solle erst den privaten Spielhäusern helfen, die keine Subventionen bekommen.

Knut Schakinnis, der das Theaterschiff Bremen und das Packhaus-Theater betreibt sowie auch Standorte in Bielefeld, Kassel, Worpswede und Lübeck, sagt: „Wir kämpfen ums Überleben, wie alle Theater.“ Die beiden Bremer Spielstätten würden normalerweise pro Tag etwa 8 000 Euro Umsatz machen, der ganze Verbund 10 000 bis 15 000 Euro. Nun läge man bei null. „Wir wollen, dass hier alle möglichst schmerzfrei durchkommen und behalten die Härtefälle im Auge.“ Er versuche, auf die 60 Prozent Kurzarbeitergeld noch etwas draufzulegen. Die Vorstellungen nachzuholen, bedeute weitere Probleme: „Viele Schauspieler, die heute frei sind, stehen vielleicht in vier bis sechs Wochen nicht mehr zur Verfügung.“

Im GOP-Theater trainieren die Künstler, um fitzubleiben. Das Haus sei bereit, die aktuelle Show „Humorzone“ wiederaufzunehmen, sagt Philipp Peiniger, Direktor des GOP in der Bremer Überseestadt. Die Mitarbeiter seien größtenteils in Kurzarbeit. Die freischaffenden, oft internationalen Künstler hätten Rücklagen. „Wir sind guter Dinge, durch die Zeit zu kommen – mit den Hilfen und den Dingen, die in Zukunft noch kommen“, sagt Philipp Peiniger.

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