Bremens Theaterschiff wird zehn Jahre alt / Zwei Frauen übernehmen die Leitung

Das Vertrauen erspielt

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Die neuen Leiterinnen des Theaterschiffs sitzen an Deck desselben: Racine Saupe (l.) und Nadine Steil. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj„Das hält der nicht ein Jahr durch.“ Viele Unkenrufe hörte der Regisseur und Schauspieler Knut Schakinnis, als er mit und auf dem Theaterschiff an der Tiefer loslegte. Er hat durchgehalten, und wie! Jetzt bereitet Schakinnis die Zehn-Jahr-Feier vor.

Zehn Jahre Theaterschiff – am 2. Dezember wird es so weit sein. Zehn Jahre Theaterschiff – Zeit für Bilanz und Veränderungen.

· Die Bilanz: In der abgelaufenen Spielzeit besuchten 44 600 Zuschauer 490 Vorstellungen. Platzausnutzung: 91,5 Prozent – ein überdurchschnittlich hoher Wert. Seit Eröffnung des Theaterschiffs im Jahr 2002 waren auf den beiden Bühnen insgesamt 4 042 Vorstellungen und 40 Eigenproduktionen zu sehen. Schakinnis und sein Team zählten 405 158 Besucher. Nun entsprechen hohe Zahlen nicht zwangsläufig hoher Qualität. Die Entwicklung aber spricht hier für sich. Schakinnis ist es gelungen, das Theaterschiff als Unterhaltungstheater dauerhaft zu etablieren. Mehr als die Hälfte der Zuschauer kommt nicht aus Bremen.

Knut Schakinnis: „Wir haben unser Publikum gefunden. Die Leute kaufen blind. Das ist ein Zeichen von Vertrauen.“ Es wurde erspielt.

· Die Veränderungen: Theaterschiff-Kapitän Schakinnis gibt zum 1. September nicht das Steuer, wohl aber viel Arbeit ab. „Nach zehn Jahren durchschnittlich zwölf bis 14 Stunden Arbeit am Tag ist es an der Zeit, zu sagen: Bestimmte Bereiche können von jungem, frischem Blut übernommen werden.“ Anders gesagt: Schakinnis bleibt Geschäftsführer und künstlerischer Leiter im Produktionsmanagement, kümmert sich um Stückauswahl und Besetzung.

Die Theaterleitung übernehmen zwei Frauen, die schon seit ein paar Jahren zur Theaterschiff-Crew gehören – Nadine Steil (Projektmanagement, Marketing) und Racine Saupe (Disposition, Casting). Beide machen auch die Spielplangestaltung für alle Schakinnis-Theater, also auch für das Lübecker Theaterschiff, die Komödie Kassel und die Alte Molkerei Worpswede. Und für das Packhaustheater im Schnoor, das Schakinnis (wie berichtet) kauft.

Schakinnis selbst möchte wieder mehr spielen – wie in der Beziehungskomödie „Sei lieb zu meiner Frau“, die am 6. September an Bord des Schiffs Premiere hat (Regie: Betty Hensel, Generalprobe: 5. September). Er möchte zudem mehr Zeit haben, neue Stücke und Trends zu entdecken – „auch mal in London“. Auch im Unterhaltungsbereich gilt es, vorneweg zu segeln.

Hinzu kommt – eben – die Packhaus-Übernahme, mit der Schakinnis seinen Theaterverbund nicht zuletzt organisatorisch auf eine neue Ebene heben kann. Das Packhaus, in dem es neben Proben- auch Büroräume gibt, soll „die Basis“ werden, sagte er jüngst.

An Bord des Theaterschiffs werden unterdessen neue Ideen ausprobiert. So wird mit Beginn der neuen Spielzeit ein „After-Work-Theater“ offiziell eingeführt – mit Vorstellungen, die am Freitag bereits um 17 Uhr beginnen. Die Idee: „Viele Menschen aus dem Umland arbeiten in Bremen und haben freitags früher Feierabend. Sie müssen dann nicht bis 20 Uhr warten und brauchen nicht vor dem Theater noch nach Hause zu fahren“, so Schakinnis.

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