ESBL-Keim bereits 2009 festgestellt / Neue Frühchen-Station am LdW?

Neue Frühchen-Station Links der Weser?

Thomas Röwekamp (l.) und Rainer Bensch. ·

Bremen - Von Elisabeth GnuschkeWar die Wiedereröffnung der Frühchen-Station am Klinikum Mitte nach zwei Monaten der Kompletterneuerung gut vorbereitet oder möglicherweise zu früh? Das fragte gestern CDU-Fraktion. Zugleich hält sie das „Vertrauen in die Neonatologie für nachhaltig erschüttert“.

Eine sofortige Schließung der Station sei folgerichtig. Inzwischen stellte sich heraus, dass der ESBL-Keim mit dem identischen Stamm bereits 2009 aufgetreten ist.

Zur Zeit haben Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) und Gesundheitsressort in Absprache einen Aufnahmestopp für die Frühchen-Station verhängt. Hochrisikoschwangere werden jetzt am Klinikum Links der Weser (LdW) versorgt. Möglicherweise wird die Neonatologie in Mitte nie wieder ihre Pforten öffnen.

Zwei Monate war die Station geschlossen, nachdem im Herbst 2011 bekannt wurde, dass drei Frühchen an einem multiresistenten ESBL-Darmkeim gestorben und mindestens 25 weitere erkrankt waren. Für 300 000 Euro wurde die Station komplett überholt und im Januar wiedereröffnet. In der vergangenen Woche waren dann bei einer Routineuntersuchung ESBL-Keime an drei Säuglingen festgestellt worden. Seit Montag ist klar: Die Keime sind vom identischen Stamm wie 2011 (wir berichteten). Die drei Babys sind laut Geno zwar „besiedelt“, aber nicht erkrankt. Offenbar, das bestätigte gestern Geno-Sprecherin Karen Matiszick, wurde der Keim mit dem Stamm bereits 2009 an einem Frühchen festgestellt. Das hätten jetzt die Bochumer Experten herausgefunden, nachdem der Leiter des Hygiene-Instituts Mitte, Dr. Axel Kappler, alte Proben eingeschickt hatte. Dabei habe es sich um ein Baby gehandelt, an dessen Geschwisterkind 2011 (auch ein Frühchen) ebenfalls ESB-Klebsiellen gefunden worden seien, sagte Karla Götz, Sprecherin des Gesundheitsressorts, allerdings mit einem anderen Stamm. Der schon 2009 aufgetretene spezielle Keim sei selten und nur in Bremen sowie einmal in Russland nachgewiesen worden.

Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) hält eine Schließung der Mitte-Frühchen-Station für möglich und will einen Ausbau am LdW prüfen. Ebenso wie die Geno will sie aber die Ergebnisse der Raumuntersuchungen und des Personalscreenings abwarten. Derweil soll untersucht werden, welche baulichen und personellen Veränderungen am LdW für eine Neonatologie nötig seien und welche Kosten das verursache.

Für CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp und Rainer Bensch (gesundheitspolitischer Sprecher) steht fest: „Das Vertrauen in die Station ist nachhaltig erschüttert und nicht wieder herzustellen, die wirtschaftliche Situation des Klinikums in Gefahr.“ Mit einer sofortigen Schließung der Neonatologie sei es nicht getan, betonte Röwekamp. Er forderte eine „rückhaltlose Aufklärung“. Zudem müssten sämtliche Keimfunde auf allen Stationen und in allen kommunalen Kliniken untersucht werden. Auch will die CDU wissen, ob Geno und Klinik nach der Schließung sämtliche Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts eingehalten haben. Die Zeugenvernehmung vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss soll nach dem Willen der CDU-Fraktion ausgesetzt werden, damit die neuen Unterlagen gesichtet, Zeugen nach Vorlage aller aktuellen Untersuchungen zum neuen Fall befragt werden könnten.

Bensch will alles zum Personalscreening wissen: „Das war lückenhaft und fehlerhaft. Über Monate hinweg wurde das Personal nicht richtig untersucht.“ Geno-Chef Dr. Diethelm Hansen und der Klinik-Leitung warf er „maximale Blockade statt maximaler Aufklärung“ vor. Trotz des Rechts auf Aussageverweigerung sei es manchmal der Sache dienlicher, alles auf den Tisch zu packen.

Die CDU erneuerte ihre Forderung nach der Beurlaubung Hansens. Zumindest, so Röwekamp, trage er die Verantwortung für die frühe Wiedereröffnung. Und auch bei Jürgens-Pieper sieht er Verantwortung, schließlich habe sie Hansen im Amt belassen. Auf den Prüfstand gehörten sämtliche Führungsposition und die Millionen-Investitionen fürs Klinikum Mitte. Bensch: „Es hat immer noch niemand Verantwortung übernommen.“ Ob das LdW künftig als Perinatalzentrum aufgebaut oder eine andere Klinik mit der Aufgabe betraut werde, das sei zu prüfen.

Die Linken halten die Schließung der Station in Mitte ebenfalls für alternativlos. „Das Vertrauen in eine gute, empfehlenswerte Frühchen-Station hat diese Klinik nachhaltig verspielt“, hieß es. Die Grünen befürworten eine Unterbringung der Frühchen-Station am LdW, „wenn es dort machbar ist“. Von einer Pause im Untersuchungsausschuss halten sie nichts. Die SPD hüllte sich in Schweigen.

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