Nur der Tod verspricht Freiheit

Der Tod (Oliver Arno) ist Kaiserin Elisabeths (Annemieke van Dam) wahrer Liebhaber.

Bremen - Von Jörg Esser · Ein Mythos kehrt zurück. Kaiserin „Sissi“ residiert drei Wochen lang im Bremer Musicaltheater am Richtweg. Am Donnerstagabend feierte „Elisabeth – das Musical“ eine vielumjubelte Premiere. Das großartige Ensemble präsentierte dem Publikum eine faszinierend dramatische Inszenierung.

Im September 1992 feierte „Elisabeth“ in Wien Weltpremiere. Seither haben über acht Millionen Zuschauer „Sissis“ Schicksal verfolgt. Seit Oktober 2009 wiederum ist Harry Kupfers Neuinszenierung des Welterfolgs von Michael Kunze und Sylvester Levay auf Tournee. Jetzt ist sie in Bremen gelandet. Und das ist auch gut so.

Kupfer hat die Musicalversion vom triefenden Schmalz und Kitsch der legendären „Sissi“-Filme (mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm) befreit. Dramatik statt Romantik. Das Leben der schönen Kaiserin wird zum permanenten Kampf um Selbstverwirklichung. Elisabeths Freiheitsdrang trifft auf das strenge Protokoll der österreichischen Monarchie. Am Hofe zählen nur Disziplin, Gehorsam und Pflichtbewusstsein. Gefühle sind verboten. „Sissi“ sitzt im goldenen Käfig und wird zur Kaiserin dressiert. Nur der Tod verspricht Freiheit.

Jenen Tod bringt Kupfer als verführerischen Jüngling auf die Bühne. Er wird früh zu „Sissis“ Liebhaber. Oliver Arno verkörpert den Tod diabolisch. Teuflisch erotisch. Mit gewaltiger Bühnenpräsenz und eindringlicher Stimme. Elisabeths Attentäter Luigi Lucheni (herrlich frech und frisch: Bruno Grassini) wird zu einer Art Erzähler, zum Begleiter durch die Schicksalsjahre der Kaiserin.

Zurück bei Hofe: Die Wünsche der Kaiserin sind irrelevant. Elisabeth darf Kinder gebären, aber nicht erziehen. Sie leidet unter der eiskalten und hartherzigen Schwiegermutter, der Erzherzogin Sophie (wunderbar herrisch dargestellt von Christa Wettstein). Kaiser Franz Joseph (Markus Pol) ist ein Spielball seiner Mutter. Als der sich dennoch für seine „Sissi“ entscheidet, spinnt die Erzherzogin mit ihrer korrupten Gefolgschaft ein gemeine Intrige. Der Kaiser wird zum Ehebruch (im Bordell) verführt. Elisabeth ergreift die Flucht, reist mit ihrem Sohn, Kronprinz Rudolf, im Schlepptau ruhelos von Ort zu Ort.

Rudolf (Thomas Hohler) verzweifelt, begeht Selbstmord. Elisabeths Todessehnsucht gewinnt die Oberhand. Doch erst Luchenis Attentat erlöst sie.

Neben Arno und Grassini besticht auch Annemieke van Dam in der schwierigen Rolle der „Sissi“. Szenenapplaus erhält sie, als sie die Ballade „Ich gehör’ nur mir“ mit klarer Stimme intoniert, wobei sie fast (aber nur fast) überdreht.

Stark sind auch die Szenen, in denen große Teile des Ensembles auf der Bühne stehen – bei der „fröhliche Apokalypse“ im Wiener Kaffeehaus, beim Aufruhr auf dem Marktplatz und „an Deck der sinkenden Welt“. Bedrohliche Bilder, kraftvoll dargeboten. Prunkvolle Kostüme, phantasievolle Bühnenbilder und vor allem das Tempo der Aufführung machen das Musical zu einem kurzweiligen Erlebnis. Zweieinhalb Stunden hochkarätige Unterhaltung.

„Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi“ ist noch bis Sonntag, 14. Februar, im Musicaltheater am Richtweg zu sehen. Bis auf montags gibt es täglich eine Vorstellung, an den Wochenenden zwei. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

WWW.

musicaltheater-bremen.de

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