„Verschwunden“: Warum dem Roland zeitweilig das Schutzgitter fehlte

Lilien und Speerspitzen

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Stolz steht er da, doch sein Gitter fehlt – der Roland auf einer alten Postkarte.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein Stapel alter Bremen-Postkarten, Farben und Mode der 60er und frühen 70er Jahre. Aber... da fehlt doch was? Richtig, dem Roland fehlt das so schützende wie schmückende Gitter, das ihn heute wieder umgibt. Offenbar aber war es einmal verschwunden – und damit ist es heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Anno 1404 hatten die Bremer den steinernen Roland errichtet, ein Symbol für die Rechte und die Freiheit der Stadt. Seit 1973 steht die Statue unter Denkmalschutz. Seit 2004 zählen Roland und Rathaus gemeinsam zum Unesco-Weltkulturerbe.

„Rolandfiguren an Marktplätzen und Rathäusern sind ein Spezifikum norddeutscher Städte, auch wenn sie im Mittelalter in ganz Europa Verbreitung fanden“, heißt es in der Denkmaldatenbank des Landeskonservators. Und: „Der Bremer Roland ist die erste freistehende Großplastik des Mittelalters überhaupt.“ 5,55 Meter hoch, die Säule vom Sockel bis zum Baldachin 10,21 Meter.

„Die Figur wurde mehrfach restauriert, 1939 aus Sicherheitsgründen auseinandergenommen und neu aufgebaut; im Kriege verschwand sie hinter einem Splitterschutz“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011).

Und das Gitter? Ein schmiedeeisernes, mit Lilien und Speerspitzen verziertes Gitter umgab den Bremer Roland einst. Es stammte aus der Zeit um 1800. Doch als der Roland im September 1939 aus Luftschutzgründen zunächst eine mit Sand gefüllte Holzverschalung bekam, die wenig später durch den gemauerten Splitterschutz ersetzt wurde, da verschwand dieses Gitter.

Nach dem Krieg, als Bremens Freiheitssymbol wieder frei auf dem Marktplatz stand, wurde das Gitter dann nicht ersetzt. Es galt als verschollen. Der Ritter Roland hatte nun sozusagen die (zugegebenermaßen sehr spitzen) Knie frei.

1983/84 folgte dann eine gründliche Roland-Restaurierung. Die Bremer waren so vorsichtig mit ihrem Roland geworden, dass sie ihm den Kopf abnahmen, um ihn zu erhalten. Das Original kam ins Focke-Museum nach Schwachhausen. Der Roland auf dem Marktplatz bekam eine Kopie.

Und er bekam sein schönes Schutzgitter zurück, gefertigt nach dem Vorbild des Zauns aus der Zeit um 1800. Seither umgibt das rekonstruierte Gitter den Roland, und auf Bremen-Postkarten jüngeren Datums wirkt er nicht mehr so nackt. Auf den Digitalfotos und Selfies der Gegenwart natürlich auch nicht.

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