„Verschwunden“: Das ursprüngliche „Essighaus“ an der Langenstraße / Fassade erhalten

Aus der Zeit der Weserrenaissance

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Weserrenaissance – eine Inschrift verweist auf das Jahr 1618.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Weltberühmt ist sie, die Weserrenaissance-Fassade des Bremer Rathauses. Der Baumeister Lüder von Bentheim (um 1555 bis 1613) hat sie in jahrelanger Arbeit geschaffen. Im ausklingenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert entstanden noch einige weitere Weserrenaissance-Bauten in Bremen. Nicht alle von ihnen sind erhalten – wie etwa das Original-„Essighaus“, das heute Thema unserer Serie „Verschwunden“ ist.

Als erster Bentheim-Bau in Bremen gilt die Stadtwaage von 1587/88 an der Langenstraße, heute unter anderem Sitz der Günter-Grass-Stiftung. Wenige Schritte von der Stadtwaage entfernt wurde anno 1618 das „Essighaus“ errichtet, ein prachtvolles Giebelhaus im Stil der Weserrenaissance. Wer hier der Baumeister war, ist nicht bekannt.

Gebaut wurde das schmale, aber höchst repräsentative Gebäude, das an einer der einstmals wichtigsten und vornehmsten Bremer Straßen liegt, für die Kaufmannsfamilie Esich, die hier mit fünf Stockwerken und einer Fassade mit Skulpturen aus Obernkirchener Sandstein mächtig renommieren konnte.

„Lange Zeit war das Haus Eigentum von Kaufleuten, die hier auch ihr Kontor unterhielten“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Und weiter: „1828 richtete Conrad Büchner hier eine Bierbrauerei ein, die auch die Produktion von Weinessig aufnahm.“ Damit hatte das Gebäude den Namen „Essighaus“ weg, zumal Büchners Nachfolger eine reine Essigfabrik darin eingerichtet hatte.

Das Bauwerk wurde in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr so recht gepflegt und verfiel mehr und mehr. Schließlich machte das South Kensington Museum (London, heute Victoria and Albert Museum) ein Angebot für die prächtige Fassade.

Der Bremer Architekt Albert Dunkel (1856 bis 1905) aber wollte das „Essighaus“ unbedingt in und für Bremen erhalten. Ab 1897 wurde es nach seinen Plänen umgebaut. Das Weinhandelshaus Reidemeister & Ulrichs kaufte das Gebäude, in dem nun ein prachtvoll ausgestattetes Lokal (Name: „Alt-Bremer Haus“) eingerichtet wurde, das weit über Bremens Grenzen hinaus bekannt war. Hier gründeten zwölf Kaufleute 1901 den Ostasiatischen Verein Bremen.

Bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde das „Essighaus“ dann weitgehend zerstört; nur das Erdgeschoss blieb stehen. Vom alten „Essighaus“ blieben beim Neuaufbau in den 50er Jahren nur die Fassade und die Utluchten erhalten. Die Obergeschosse gestaltete man komplett neu. Der Giebel wurde mit Teilen des im Krieg zerstörten und schließlich abgerissenen Caesarschen Hauses, das am Domshof gelegen hatte, verziert.

Zunächst kam wieder ein Restaurant ins „Essighaus“. 1972 zog eine Bank (Martens & Weyhausen) ein. Seit 1985 ist das Bauwerk mit den Resten des Original-„Essighauses“ Sitz der Deutschen Factoring Bank. Die Fassade erzählt noch immer vom Glanz vergangener Bürgerzeiten – und bremischer Kaufmannstradition.

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