„Verschwunden“: Der Teichmannbrunnen sorgte für Dramatik auf dem Domshof

Der nackte Merkur

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Am Bug: Merkur, nackt, mit Ölzweig und Geldsack (1910).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. War das eine Aufregung, als Neptun auf den Domshof kam! Nein, nicht der Neptunbrunnen des Bildhauers Waldemar Otto ist hier gemeint – der steht ja noch an seinem Platz. An anderer Stelle auf dem Domshof aber stand einst der Teichmannbrunnen, zu dem auch ein Neptun gehörte. Aber vor allem und vorneweg: Merkur, nackt und sehr naturgetreu dargestellt.

Das erregte Aufsehen. Und es tauchte die Frage auf, ob so etwas denn wohl sein müsse. Ja, es musste. Der Kaufmann Gustav Adolph Teichmann, 1892 gestorben, wollte seiner Stadt über seinen Tod hinaus etwas Gutes tun. Und so hatte er Bremen Geld vermacht, Geld für einen Monumentalbrunnen, der auf dem Domshof eine Pumpe ersetzen sollte.

Und das tat er dann auch. Am 22. November 1899 wurde er eingeweiht, der Teichmann-Brunnen. Zuvor hatte es einen Wettbewerb gegeben. Unter 104 Entwürfen setzte sich jener des Münchener Bildhauers Rudolf Maison (1854 bis 1904) durch. Maison hatte für Bayerns König Ludwig II. gearbeitet. Er war populär und nach dem Ludwig-Auftrag ziemlich gut beschäftigt, wenngleich Kollegen seine Arbeit auch mit Skepsis verfolgten. Von Maison stammen auch die beiden Kupferblech-Herolde an der Ostseite des Rathauses (1901).

Maisons Brunnen für den Domshof fiel mit seinen bronzenen Figuren auftragsgemäß recht groß aus. Auch das sorgte für Kritik. „Einigen erschien er für den Domshof zu groß, und so wurde erwogen, ihn zu versetzen, etwa in den Wallgraben oder vor das Übersee-Museum“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011).

Doch zu Kaisers Zeiten durfte so ein Auftritt eben durchaus etwas größer ausfallen. Und an Dramatik sollte es auch nicht fehlen. Maison zeigte ein Boot in bewegter See. Nixen und Seetiere, Neptun und – eben – der nackte Merkur, Gott der Kaufleute, wirkten beinahe so, als kämpften sie gegeneinander und zugleich gegen die schwere See. Am Rand des Boots war der Name Teichmanns zu lesen. Der Brunnen, wahrlich nicht zu übersehen, sollte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts etliche Bremen-Postkarten schmücken. Nackte Grüße aus der Hansestadt, sozusagen.

Dabei hatte der Dom sich 1904 noch gewünscht, der Brunnen möge wieder abgebaut werden. Schon zuvor war die Idee aufgekommen, doch rund um den Brunnen Bäume zu pflanzen. Im April 1940 wurde der Brunnen tatsächlich abgebaut – für die „Metallspende des deutschen Volkes“ im Zweiten Weltkrieg.

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