„Verschwunden“: Das prächtige „Kornhaus“ an der Langenstraße

Nur das Wappen ist erhalten

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Das „Kornhaus“ – hier auf einer historischen Ansichtskarte – war ein Zweckbau, aber Bremens Getreidespeicher war zugleich auch ein herausragendes Beispiel für den Stil der Weserrenaissance in Bremen. Das Bauwerk wurde 1591 errichtet und 1944 zerstört. An der Weserseite reichte es bis zum Ufer des Flusses.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein prächtiger Speicher war es, den die Bremer da an der Langenstraße – damals eine der Hauptstraßen der Stadt – errichtet hatten. So prächtig, als solle er den Wohlstand der Kaufmannsstadt repräsentieren. Dabei war es doch eigentlich einfach ein Zweckbau, das Gebäude an der Langenstraße 78. Vom „Kornhaus“ ist hier die Rede – heute Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

1590/91 gebaut, gehörte das Bauwerk am (einstigen) Ende der Langenstraße (Höhe Fangturm) zu den herausragenden Beispielen der Weserrenaissance in Bremen. Ein Stil, der bis heute prägend wirkt – nicht zuletzt für Bremens Selbstverständnis als Stadt mit Geschichte.

Ein Beispiel für den

Stil der Weserrenaissance

Weltbekannt zum Beispiel ist die Weserrenaissance-Fassade des Rathauses. Der Baumeister Lüder von Bentheim (um 1555 bis 1613) hat sie in jahrelanger Arbeit geschaffen. Im ausklingenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert entstanden einige weitere Weserrenaissance-Bauten in Bremen.

Nicht alle von ihnen sind erhalten. Wie das „Kornhaus“, das beim Bombenangriff am 6. Oktober 1944 zerstört wurde. Später hat man es nicht wieder aufgebaut. Wohl aber als Beispiel für die vergangene Pracht der Stadt in Büchern gezeigt – wie in dem Band „Bremen einst und jetzt“, der in den 50er Jahren sehr verbreitet war.

Als erster Bentheim-Bau in Bremen gilt die Stadtwaage von 1587/88 (ebenfalls an der Langenstraße), heute unter anderem Sitz der Günter-Grass-Stiftung.

Als die Bremer an der ehemaligen Stadtmauer (und zugleich direkt am Ufer der Weser) Bremens Getreidespeicher, eben das „Kornhaus“ mit seinen Renaissancegiebeln bauten, kamen die Sandsteinarbeiten dafür aus der Werkstatt Lüder von Bentheims, hat der Historiker Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011) in seinem „Großen Bremen-Lexikon“ (Edition Temmen) geschrieben. Die Schiffe konnten am „Kornhaus“ anlegen, das Getreide wurde praktisch direkt in den Speicher entladen. Einfacher ging‘s nicht.

Zur Unterscheidung vom „Alten Kornhaus“ hatten die Bremer das mehr als 50 Meter lange und knapp 15 Meter breite Schmuckstück an der Langenstraße zunächst „Neues Kornhaus“ genannt. Später aber setzte sich die kürzere Bezeichnung „Kornhaus“ durch. Kaufleute sparen ja auch gern – und wenn es Worte sind.

Mehr Worte hingegen fanden sich – neben dem Bremer Wappen – an der Fassade. „Rolandt hat diese Kornscheuren / An Stat der alten Stattmauren / Lassen an diesen Ordt bawenn...“ – so hieß es lokalpatriotisch und feierlich. Der Spruch wurde noch Jahrhunderte später auf Ansichtskarten abgedruckt, die das „Kornhaus“ zeigten. Es war ja nicht allein Zweckbau, sondern eben auch eine Sehenswürdigkeit.

Dennoch ist es nach Kriegsende nicht neu aufgebaut worden. Der Hafenbetrieb hatte sich ja auch (von der Altstadt weg) verlagert. Schon im ausklingenden 19. Jahrhundert war hier kein Korn mehr gelagert worden. Das „Kornhaus“ diente Kaufleuten einfach als Packhaus. Aber eben als ein sehr stilvolles.

Erhalten ist das Bremer Wappen aus der „Kornhaus“-Fassade mit der Inschrift „Anno 1591“. Zu finden ist es heute am Eingang des 1964 bis 1967 nach Plänen von Alfred Meister gebauten Bremer Staatsarchivs (Fedelhören).

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