„Verschwunden“: Der „Opel-Turm“ am Bremer Hauptbahnhof / Probleme mit der Wechselautomatik

Wettbewerb für weltstädtische Werbung

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Der „Opel-Turm“ (links unten) zählte im Bremen der Nachkriegsjahre genauso zu den Sehenswürdigkeiten wie der Hauptbahnhof, der Liebfrauenkirchhof und die Wallmühle – das belegt diese für ein Porto von sieben Pfennig im Jahr 1958 verschickte Ansichtskarte.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Weltstädtisches Flair sollte er verbreiten auf dem Bahnhofsvorplatz, der sich ja immer mal wieder stark verändert und verändert hat. Weltstädtisches Flair – durch Werbung. Und für Werbung war er dann tatsächlich berühmt, der „Opel-Turm“. Heute ist er Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Reklame – das war sein einziger Zweck. Neue Sachlichkeit – das war der Stil, in dem er erbaut wurde. Einen Architektenwettbewerb hatte der Senat anno 1923 ausgeschrieben, um in Bahnhofsnähe ein Zeichen im Geist der Zeit zu setzen. Großstadtleben, Werbung, Medien – all das und einiges mehr veränderte sich in jenen Tagen in rasantem Tempo, und da wollte Bremen auch mithalten. Wenigstens ein bisschen. Um ein Teil der schnellen, blinkenden, aufregenden Moderne zu sein. Den Wettbewerb für den Werbeturm an der Ecke von Breitenweg und Bahnhofstraße gewann der Architekt Heinz Stoffregen (1879 bis 1929).

Im ästhetisch ambitionierten Deutschen Werkbund gehörte Stoffregen zum Vorstand des Ortsverbands Bremen-Oldenburg. Bekannte Arbeiten Stoffregens sind das Haus Coburg in Delmenhorst und das Rathaus von Delmenhorst samt Wasserturm und Feuerwache sowie die denkmalgeschützte und rotgeklinkerte Wohnanlage Hamburger Straße (Höhe Stader Straße) in Bremen.

Sein Werbeturm für den Bahnhofsvorplatz hatte einen quadratischen Grundriss – unten breiter, oben schmaler. Der klar gegliederte Turm wurde 1925 gebaut. Seine Spitze war 23 Meter hoch.

Das Weltstädtische am Turm war vor allem die Technik. Er zeigte mit mechanisch-elektrischer Hilfe Großplakate, die ständig wechselten. Das war aufsehenerregend neu und buchstäblich auf der Höhe der Zeit. Leider funktionierte es nicht zuverlässig, so dass die Wechselplakate zeitweilig doch wieder zu stehenden Bildern wurden.

Wie auch immer – zur Tagung des Deutschen Werkbunds in Bremen war der Turm im Sommer 1925 eingeweiht worden. Im Inneren des Turms – mit einer Wendeltreppe, die als spektakulär galt – wurden zunächst Kunstwerke ausgestellt, später landwirtschaftliche Maschinen beworben.

Dann, 1930, mietete Opel den Turm. Im Inneren standen nun Kraftfahrzeuge. Aus dieser Zeit stammt der Name „Opel-Turm“ – ein Name, der sich über Jahrzehnte gehalten hat.

Den Zweiten Weltkrieg hat der „Opel-Turm“ weitgehend unbeschadet überstanden. Der Kölnisch-Wasser-Hersteller „4711“ nutzte ihn nun als Werbeträger. Und 1952 öffnete im Erdgeschoss eine Gaststätte, ein Fischrestaurant. Der Turm wurde aufgestockt und verlor viel von der nüchternen Eleganz, die Stoffregen ihm einst verliehen hatte. 1955 kam ein Tanzlokal im ersten Stockwerk hinzu.

Und außen? Zwar nannten die Bremer den Turm weiterhin stur „Opel-Turm“, doch seit Mitte der 50er Jahre warb hier der Bremer Autofabrikant Borgward. Er ließ eine dicke Weltkugel mit fünf Metern Durchmesser und „Borgward“-Schriftzug installieren. Das war lokalpatriotisch und weltumspannend zugleich. Von Stoffregens architektonischen Ideen aber war nun praktisch nichts mehr übrig geblieben.

Ende der 50er Jahre zog das Fischrestaurant aus. Nach dem Borgward-Ende Anfang der 60er Jahre warb die Brauerei Dressler mit der Weltkugel. 1967 wurde der Turm abgerissen. Bremen war wieder einmal dabei, seinen Bahnhofsvorplatz umzugestalten.

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