„Verschwunden“: Das Lloydgebäude an der Papenstraße sollte als repräsentative Reedereizentrale Eindruck machen

Mit Turm und prunkvollen Verzierungen

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Eine Sehenswürdigkeit, von der es auch Postkarten gab – das Lloydgebäude an der Papenstraße.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wie heute wohl die Reaktionen wären, wenn so ein Gebäude aus der Stadt verschwände und durch einen zeitgenössischen Neubau ersetzt werden würde... Nun, einst zählt er für viele zu den Schmuckstücken der Bremer Innenstadt, der repräsentative Verwaltungsbau der Reederei Norddeutscher Lloyd (NDL) – heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Der Norddeutsche Lloyd hat viele Spuren in der Stadt hinterlassen, schließlich war er ein buchstäblich weltumspannendes Unternehmen mit Sitz in Bremen. 1857 unter anderem von Hermann Henrich („H.H.“) Meier (1809 bis 1898) gegründet, durch das Auswanderergeschäft und den überlegten Einsatz neuer Technologien groß geworden, begann der NDL 50 Jahre nach seiner Gründung damit, sich ein neues Stammhaus zu bauen. Nicht einfach irgendein Stammhaus, sondern ein prächtiges Bauwerk mit Turm. Anno 1910 war es fertig – das Lloydgebäude an der Papenstraße. Es wurde teurer als ursprünglich geplant, aber so etwas nahm man zu Kaisers Zeiten am Ende ebenso hin wie heutzutage oft.

Das imposante Bauwerk, für das Häuser im Areal Papenstraße – Pelzerstraße – Kleine und Große Hundestraße abgerissen worden waren, galt als Sehenswürdigkeit für sich. Es sollte beeindrucken, und das tat es auch. Wie davor und danach so manches Lloydschiff, so mancher schnelle und schnittige Ozeanriese.

Entworfen hatte das Lloydgebäude ein Architekt, bei dem die NDL-Direktoren ganz genau gewusst haben dürften, was von ihm zu erwarten war: Prunk, Prunk, Prunk. Johann Georg Poppe (1837 bis 1915) war lange Zeit so etwas wie der Star-Architekt des Bremer Bürgertums. Wer mit und durch Architektur repräsentieren wollte, der ging im ausklingenden 19. Jahrhundert zu Poppe.

Nach Poppes Plänen war beispielsweise 1902 der prachtvolle Bau der Baumwollbörse an der Wachtstraße errichtet worden. 1903 hat er das opulente Ratsgestühl in der Oberen Rathaushalle geschaffen. Auch die „Umgedrehte Kommode“ (1873) stammt von ihm. Etliche Villen und Landhäuser – etwa in Oberneuland und Horn – wurden nach Poppes Plänen für wohlhabende Bürger gebaut.

Als der Architekt den NDL-Stammsitz entwarf, stand er bereits in der Kritik – nicht nur wegen der Kosten. Manche Kritiker warfen ihm genau das vor, was seine Bauten ausmacht – die Opulenz, die üppigen Verzierungen. Teile des Bürgertums hatten sich inzwischen sattgesehen an all der historistischen Pracht und wandten sich beispielsweise lieber dem Jugendstil zu.

Eine Verbindung zur Schifffahrt (und zum Lloyd) übrigens hatte Poppe bereits, als er den Auftrag für das Lloydgebäude bekam. Nach den zeitgenössischen Vorstellungen von Luxus hatte er in den Jahren und Jahrzehnten zuvor bereits die Innenausstattungen für eine ganze Reihe von NDL-Schnelldampfern besorgt.

Aber das war und ist Geschichte. Wie auch die NDL-Zentrale an der Papenstraße. Bei einem Luftangriff am 6. Oktober 1944 war das Gebäude stark beschädigt worden – so auch die Eisenkonstruktion des Turms. 1953 wurden Turm und Giebel abgetragen. Die Bauverwaltung zog in die noch bestehenden Teile des Gebäudes. Im Keller öffnete ein Bierlokal. Ende der 60er Jahre wurde das frühere Lloydgebäude an den Warenhauskonzern Horten verkauft. Der ließ es 1969 abreißen und baute an dieser Stelle ein Kaufhaus.

Die Reederei hatte ihre Zentrale da längst im früheren Lloyd-Gepäckabteilungsgebäude am Hauptbahnhof. Und litt inzwischen unter den Entwicklungen der neuen Zeit – der Luftverkehr grub dem Passagier-Liniendienst das Wasser ab, im Frachtverkehr hatte der Siegeszug des Containers begonnen. Der Norddeutsche Lloyd, einst die größte deutsche Reederei, fusionierte 1970 mit der Hamburger Konkurrenz Hapag.

Der Abriss des Prunkbaus aus glanzvollen Zeiten wirkte da wie eine Metapher. An die glorreichen Zeiten des Norddeutschen Lloyd erinnern hier heute die Namen der Lloydpassage und des Lloydhofs. Der Prunk der Kaiserzeit aber, der ist unwiederbringlich verloren.

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