„Verschwunden“: Ostertorzwinger diente Verteidigung

Pulver und Gefangene

Der Ostertorzwinger (r.) wenige Jahre vor seinem Abriss. Der Pulverturm zählte einst zu den Verteidigungsanlagen Bremens. - Bild: Archiv

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Sie dienten Bremens Verteidigung, sie waren Vorratslager für Munition, Pulver und Waffen – und es wurden Gefangene in ihnen untergebracht. Drei Zwinger und Pulvertürme hatte Bremen einst. Neben der „Braut“ an der Herrlichkeit und dem Stephanitorzwinger im Westen gab es den Ostertorzwinger. Er stand ungefähr dort, wo jetzt die Kunsthalle zu finden ist. Und er ist heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Der Ostertorzwinger war in den Jahren 1512 bis 1514 nach Plänen des Architekten Jacob Bockes van Vollenhoff errichtet worden, der auch die anderen beiden Bremer Zwinger baute. Der Holländer war extra zu diesem Zweck „aus dem Lande des modernsten Befestigungsbaues damaliger Zeit berufen worden“, heißt es in dem anno 1900 veröffentlichten Standardwerk „Bremen und seine Bauten“, das heute in der Staats- und Universitätsbibliothek zu finden ist.

Die Befestigungskette Bremens habe damals eine neue Zeit angekündigt, geprägt vom „Einfluss der Feuerwaffen auf den Belagerungskrieg“. Im 17. Jahrhundert kamen noch die Wallanlagen als weiteres Element der Befestigung Bremens hinzu.

Massive Quadermauern, Gefängnis und Folterkammer, auf der runden „Wehrplatte“ Schießscharten für Kanonen – der Ostertorzwinger mit seiner gewölbten Kupferhaube machte schon Eindruck. Und das sollte er ja auch. So trug der Zwinger dazu bei, die Stadt zu schützen – dem Wetter gegenüber war aber auch er schutzlos.

Am 9. Juni 1624 nämlich entzündete sich der eingelagerte Sprengstoff nach einem Blitzschlag. 80 Tonnen Pulver und 30 Tonnen Salpeter explodierten, heißt es. Die Explosion muss weithin zu sehen und zu hören gewesen sein. Auch in der Nachbarschaft wurden Bauwerke beschädigt. Bei der Explosion kamen zwölf Menschen ums Leben – die meisten von ihnen waren als Gefangene im Zwinger gewesen.

Der weitgehend zerstörte Ostertorzwinger wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut und bekam dieses Mal eine Schieferkuppel. Ab 1720 diente das Gebäude nicht mehr als Pulver- und Munitionslager. Es blieb aber ein Gefängnis. „Im Erdgeschoss wohnte der Polizeidiener“, wie es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011) heißt. Er beaufsichtigte die Gefangenen.

Gute 100 Jahre später, 1826, gab Bremen den Ostertorzwinger auf. Vieles hatte sich verändert – auch die Wallanlagen dienten nun nicht mehr der Verteidigung, sondern als Parkanlage dem Vergnügen. Bremen hatte ein neues Gefängnis gebaut. Befestigung und Zwinger waren im aufkommenden Zeitalter des Bürgertums nicht mehr zeitgemäß. Der Ostertorzwinger wurde abgerissen.

Die „Braut“ war schon 1739 nach einem Blitzschlag zerstört – und anschließend nicht wieder aufgebaut – worden. Noch früher, 1647, war der Stephanitorzwinger auf diese Weise aus dem bremischen Stadtbild verschwunden.

Seine Mauern, aus Klosterformatsteinen gebaut und zur Weser hin mit Sandstein verkleidet, waren 4,75 Meter dick. Das fanden die Bremer Archäologen um Dr. Dieter Bischop im August 2012 heraus, als sie bei Bauarbeiten in der Überseestadt auf Spuren des Pulversturms stießen. Er stand ungefähr dort, wo mittlerweile der Versorgungskeller des GOP-Varietétheaters liegt.

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