Serie „Verschwunden“

Brauereipferde von Beck & Co. gehörten zum Bremer Stadtbild

Nostalgischer Wagen vor historischer Kulisse – die Brauereipferde Anfang 2005 vor dem Haus Schütting auf dem Bremer Marktplatz bei einem ihrer letzten Einsätze. - Foto: Kuzaj
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Nostalgischer Wagen vor historischer Kulisse – die Brauereipferde Anfang 2005 vor dem Haus Schütting auf dem Bremer Marktplatz bei einem ihrer letzten Einsätze.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Das charakteristische Klappern der Hufe auf dem Pflaster gehörte, wenn man das als Pendant zum „Straßenbild“ so sagen darf, zum Bremer „Straßenhörbild“. Die Bierkutscher und ihre Pferde zogen die Blicke auf sich, wenn sie – zum Beispiel in der Innenstadt – auf Liefertour waren. Kinder wollten die Pferde streicheln, Bremen-Besucher griffen zur Kamera. Längst aber sind die Brauereipferde von Beck & Co. aus dem Straßenbild verschwunden – und heute Thema unserer gleichnamigen Serie.

Es war Nostalgie und Imagepflege in einem, aber das zählte im Jahr 2005 nicht mehr. Der Craft-Beer-Trend, das liebevolle Brauen im kleineren Rahmen – all das war noch weit weg. Was zählte, war die internationale Perspektive. Und die orientierte sich vor allem an Zahlen. Ergebnis: Pferde eingespart.

Die Sonne strahlte über der Bremer Innenstadt, als die beliebten Brauereipferde am 31. März 2005 auf ihre letzte Liefertour gingen. Fersehteams und Fotografen standen am Marktplatz. Und weit mehr als 100 Pferdeliebhaber waren gekommen, um den Oldenburger Rappen „Jubilar“ und „Wotan“ einen würdigen Abschiedsempfang zu bereiten – mit mehr als nur einer sprichwörtlichen Träne im Knopfloch. „Jubilar“ und „Wotan“ wurden zur finalen Fahrt angespannt, weil sie turnusmäßig an der Reihe gewesen sind.

Die Brauerei hatte ihre insgesamt sechs Wallache im Alter zwischen fünf und 16 Jahren verkauft – vier („Jubilar“, „Wotan“, „Glenn“ und „Buddy“) kamen nach Niedersachsen, zwei („Bernd“ und „Eddy“) nach Schleswig-Holstein. Die Pferdehaltung hatte jährlich Kosten im sechsstelligen Bereich verursacht, hieß es damals.

Tradition wird eingespart

Geld, das nun gespart werden sollte. „Wir mussten uns leider auf Grund der Kostensituation so entscheiden“, sagte eine Unternehmenssprecherin 2005. Ende einer Tradition.

Nicht alle Pferdefreunde hatten dafür Verständnis. Kurt Blank aus Rhade bei Zeven aber schon: „Man muss heute wirtschaftlich denken.“ Dass die Brauerei fortan keine Bierfässer mehr mit Pferdegespannen ausliefern würde, stimmte ihn allerdings auch traurig: „Es tut mir leid.“ Als Verneigung vor der Tradition hatte Blank sich schick gemacht – er trug Frack und Zylinder, dazu weiße Handschuhe und Stock mit Pferdekopf: „Früher ein Zeichen der Pferdehändler.“

Auf dem Bock saßen Stallmeister Jens Bode und Kutscher Stefan Hinck. Sie hatten bei der letzten Auslieferungstour die Zügel in der Hand. „Wehmut ist dabei“, sagte Stallmeister Bode, als er die Plane mit der nostalgisch gestalteten Aufschrift „Haake-Beck“ öffnete, um Bierfässer abzuladen. Aber: „Es ist nun mal eine unternehmerische Entscheidung. Die müssen wir hinnehmen. Wichtig ist, dass wir unsere Arbeitsplätze behalten.“

Und so ganz verabschiedeten sich die „Alt-Oldenburger“ mit einem Gardemaß von 1,80 Metern Höhe damals auch nicht von Bremen. „Mit dem neuen Besitzer ist vereinbart, dass die Rappen bei besonderen Anlässen wie beim Freimarktsumzug den Prunkwagen von Beck’s ziehen“, hieß es. Aber das beliebte Fotomotiv mit dem nostalgischen Wagen vor historischer Kulisse, das gab es nun nicht mehr. Die Verkaufsentscheidung sei in Bremen gefallen und nicht in der Konzernzentrale, sagte die Brauereisprecherin damals. Ein insgesamt rückläufiger Biermarkt, das Einwegpfand und die Mautgebühr erforderten Einsparungen, so die Argumentation 2005. Die Bremer Brauerei gehörte seit September 2001 zum Brauereikonzern Inbev (Belgien).

Die traditionelle Form des Biertransports ist zwar verschwunden, sie wurde aber nicht vergessen. 2015 etwa ließ die neu belebte Union-Brauerei zwei Pferde einen Kremserwagen durch die Stadt ziehen, um Bier auszuliefern.

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