„Verschwunden“: Das Balleersche Haus am Marktplatz

Bürger und Backsteingotik

+
Das Balleersche Haus am Markt auf einem Bild aus der Zeit um 1850.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. In Sichtweite von Rathaus und Roland stand es, das Balleersche Haus am Markt. Beste Adresse, zentraler ging‘s nicht. Es galt als eines der schönsten gotischen Häuser in Bremen. Und – zusammen mit dem Speckhanschen Haus an der Langenstraße – als herausragendes Bauwerk der Backsteingotik in Bremen. Heute ist das Haus Balleer Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Die repräsentative Lage deutet es an – hier wohnte nicht irgendwer, sondern jemand, der es sich leisten konnte (und wohl auch musste). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet, war das Bürgerhaus Sitz der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Balleer, die mehrere Ratsherren und Bürgermeister Bremens gestellt hat. Der Familienname ist auch in den Schreibweisen „Baller“ und „Baleer“ bekannt.

Das an der Frontseite 9,50 Meter breite Giebelhaus hatte drei Hauptstockwerke. Zum Ende des 17. Jahrhunderts bekam das Haus Balleer zwei Utluchten (auch: Ausluchten, sprich: Fassadenvorsprünge mit Fenstern). Eine Utlucht ging zum Marktplatz hinaus, die andere zeigte zum Grasmarkt in Richtung Rathaus.

Der letzte Eigentümer aus der Ratsherrenfamilie Balleer ist 1702 gestorben – nicht in Bremen übrigens, sondern auf Reisen: in Amsterdam. Der Stammsitz überdauerte die Familie dann um mehr als 150 Jahre. Im 18. und 19. Jahrhundert wechselten die Hausbesitzer. Kaufleute richteten hier Kontore und auch Geschäfte ein. Im Keller des Balleerschen Hauses gab es eine Gastwirtschaft. Und dann kam das Ende.

Es war ein Ende, das in der Rückschau – mit Blick auf die Bedeutung des Bauwerks – geradezu rabiat wirkt. Das Haus Balleer wurde abgerissen. Anno 1860 war das.

Das Balleersche Haus und einige Nachbargebäude nämlich mussten Platz machen für die „Neue Börse“, die Bremens Kaufmannschaft sich an den Marktplatz stellen wollte. Handelskammer und Börsenverein hatten den Neubau 1855 beschlossen; die „Alte Börse“ auf dem Liebfrauenkirchhof galt als nicht mehr repräsentativ genug. 17 Giebelhäuser und die Reste der Wilhadikapelle mussten der 1864 eingeweihten „Neuen Börse“ weichen, die im Zweiten Weltkrieg abbrannte. Mitte der 60er Jahre wurde an ihrer Stelle das Haus der Bürgerschaft gebaut.

Vor den Türen des Parlamentsgebäudes wurde bei archäologischen Grabungen auf dem Marktplatz im Jahr 2002 der Keller des Balleerschen Hauses – mit zwei Tonnengewölben – freigelegt. Das ebenso schöne und baugeschichtlich bedeutsame Speckhansche Haus an der Langenstraße übrigens, zuletzt profan als Packhaus für einen Tabakhandel genutzt, war schon im Jahr 1828 abgerissen worden – es musste damals ebenfalls einem Neubau weichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Meistgelesene Artikel

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

250 Kilo schwere Weltkriegsbombe in Hastedt entschärft

250 Kilo schwere Weltkriegsbombe in Hastedt entschärft

„Mein Kunst-Stück“ mit Anette Venzlaff: Ein Herz für Verlierer

„Mein Kunst-Stück“ mit Anette Venzlaff: Ein Herz für Verlierer

Länderzentrum für Niederdeutsch in Bremen gegründet

Länderzentrum für Niederdeutsch in Bremen gegründet

Kommentare