„Verschwunden“: Aquarium und Terrarium des Übersee-Museums

Attraktion „Dicker Heinrich“

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Wasserschildkröte im Aquarium, vor 1976.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Immer wenn ich einsam bin / geh‘ ich ins Aquarium / und besuch‘ die Goldfischkönigin...“ So heißt es in einem Song der Band „Isolation Berlin“. Ein Aquarium, ja, das gab es auch einmal in Bremen, und da gingen viele Leute hin (auch, wenn sie nicht einsam waren): Das Aquarium (und Terrarium) des Übersee-Museums – heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Viele (nicht allein ältere) Bremer und Butenbremer erinnern sich noch daran. Das Aquarium des Übersee-Museums – es war ein beliebtes Ausflugsziel, das offenkundig bei vielen in Erinnerung geblieben ist. Anfang der 50er Jahre erschien sogar ein Führer zum Thema Aquarium und Terrarium des Museums, geschrieben von Dr. Alice Hoose.

Hugo Schauinsland (1857 bis 1937), Zoologe und Gründungsdirektor des Museums für Natur-, Völker- und Handelskunde, wollte in dem 1896 eröffneten Haus Bildung und Wissenschaft miteinander verbinden. Unter dem Motto „Die ganze Welt unter einem Dach“ schuf er einen Museumstyp, der zum Vorbild wurde – mit seiner naturnahen Darstellung von Mensch und Tier in ihrer jeweils heimischen Umgebung. Zu dieser Museumsform gehörte für Schauinsland offenbar auch ein Aquarium.

In den Jahren 1907 bis 1911 wurde das Museumsgebäude um den zweiten Lichthof erweitert. Und 1911 wurde im Keller des Hauses das Aquarium eröffnet, das mit einem Terrarium verbunden war. Beide Anlagen wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Ein paar Jahre nach dem Krieg, 1952, bekam das Haus den Namen „Übersee-Museum“. Aquarium und Terrarium wurden weiter betrieben. Etwa um diese Zeit erschien auch der Führer von Alice Hoose.

Fische und Schlangen waren damals echte Attraktionen. Der „Dicke Heinrich“, ein Zackenbarsch, war über Bremens Grenzen hinaus bekannt. In den 50ern wurde das Museum mit dem Aquarium das, was man „Publikumsmagnet“ nennt. Allein 1957 besuchten 263940 Gäste das Haus – eine Zahl, die nach Museumsangaben bis heute als Rekord gilt. 1962 kam es zu einem Unglück. Eine Kobra hatte einen Tierpfleger gebissen. Der Mann starb an den Folgen der Vergiftung.

In den 70er sorgten undicht gewordene Glasdächer, schlechte Beleuchtung und technische Veralterung zunehmend für Probleme. Es kam zum radikalen Schnitt. Von 1976 bis 1978 wurde das Übersee-Museum für eine umfassende Sanierung geschlossen, zudem wurden die Sammlungen neu geordnet. 1979 folgte die Wiedereröffnung mit neuer Konzeption. Aquarium und Terrarium gehörten nicht mehr dazu. Keine Möglichkeit, eine Goldfischkönigin zu besuchen...

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