Vermeintlicher Heilsbringer

Einsatz künstlicher DNA bringt keine höhere Aufklärungsquote

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Der Koordinator für künstliche DNA in der Beratunghsstelle der Bremer Polizei, Jörg Reimann, führt die Funktionsweise an einem Smartphone vor. Mit dem DNA-Projekt zur Diebstahlsprävention wurde in einigen Bremer Stadtteilen eine Anwohnerinitiative ins Leben gerufen.

Bremen - Von Irena Güttel. Künstliche DNA kann Einbrecher abschrecken. Darauf verlassen sollte man sich jedoch nicht. Wirksamer sind sichere Türen und Fenster, sagen die Versicherer.

Die Erwartungen an die künstliche DNA waren groß: Die vermeintliche Hightech-Wunderwaffe sollte Einbrecher und Diebe überführen. Doch inzwischen macht sich Ernüchterung breit. In Bremen, das 2009 als erstes Bundesland die künstliche DNA einführte, half sie der Polizei nicht nennenswert dabei, Verbrecher zu fangen. „Die Aufklärungsquote selbst ist vergleichsweise gering“, sagt Polizei-Experte Jörg Reimann. Aber sie könne in Kombination mit anderen Präventionsmaßnahmen Verbrecher abschrecken. Das sieht die Deutsche Bahn genauso, die Kabel und Schienen seit 2011 vorsorglich markiert.

Registrierung von Gegenständen notwendig

Bei künstlicher DNA handelt es sich um eine unsichtbare Flüssigkeit, die unter UV-Licht aufleuchtet. Ähnlich wie biologische DNA enthält sie einen einmaligen Code. Mit ihr markierte Gegenstände können dem Besitzer zugeordnet und somit schnell als Diebesgut identifiziert werden. Vorausgesetzt: Der Besitzer hat sie beim Hersteller der künstlichen DNA registrieren lassen. Daran hapere es aber in vielen Fällen, sagt Tom Bernhardt vom sächsischen Landeskriminalamt. „Die Leute scheuen den finanziellen Aufwand.“

Die sächsische Polizei empfiehlt die künstliche DNA zwar als eins von vielen Mitteln, um Einbrecher abzuwehren – und ist seit einiger Zeit auch mit UV-Taschenlampen und Mikroskopkameras ausgestattet, mit denen sie die künstliche DNA auf Diebesgut sichtbar machen kann. Dennoch warnt Bernhardt vor zu viel Euphorie. „Da wurde ein bisschen viel Hype drum gemacht. Es ist eine feine Sache, aber kein Heilsbringer.“

Die Bremer Polizei wertet die künstliche DNA trotzdem als Erfolg. In 7 500 Haushalten haben die Menschen inzwischen ihre Wertsachen mit der unsichtbaren Flüssigkeit bepinselt. Straßen, in denen alle Anwohner künstliche DNA einsetzten, seien deutlich weniger von Einbrüchen betroffen als vergleichbare Straßen, die darauf verzichteten, bilanziert Reimann.

Positive Tendenz bei der Deutschen Bahn

Bei der Deutschen Bahn sind Metalldiebstähle ebenfalls deutlich zurückgegangen, seitdem das Unternehmen künstliche DNA einsetzt. Allein darauf lässt sich der Rückgang jedoch nach Angaben einer Sprecherin nicht zurückführen, da der Konzern gleichzeitig mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen gegen Metalldiebe vorgeht.

Auch in Bremen macht es das Paket und nicht die künstliche DNA allein. Eine Besonderheit dort sind die Anwohnerinitiativen, zu denen sich Nachbarn zusammenschließen können. Diese erwerben die Markierungskits zusammen, lassen sich von der Polizei über Einbruchsschutz informieren und bekommen dafür offizielle Schilder, die Diebe vor der künstlichen DNA warnen.

„Gerade in Großstädten sind Nachbarschaften reservierter“, sagt Reimann. Die künstliche DNA sei vor allem ein Mittel zum Zweck, um Anwohner zusammenzubringen. Denn die Erfahrung zeige, dass eine wachsame Nachbarschaft vor Einbrechern schütze.

Wenn jemand sein Eigentum mit künstlicher DNA markiere, sei das begrüßenswert, meint Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Wir empfehlen aber, erstmal in sichere Türen und Fenster zu investieren.“

dpa

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