„Shakespeare im Park“ geht in 25. Saison

Verkürztes Vergnügen in Bremen

Im „Sommernachtstraum“ spielen die Handwerker ein Drama von der Liebe. Auf der Mini-Bühne im Bürgerpark hielten die Schauspieler Abstand – untereinander und zum Publikum. 
Foto: Kowalewski
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Im „Sommernachtstraum“ spielen die Handwerker ein Drama von der Liebe. Auf der Mini-Bühne im Bürgerpark hielten die Schauspieler Abstand – untereinander und zum Publikum. Foto: Kowalewski
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Bremen – Bodenelemente liegen auf der Melcherswiese, neun mal sechs Meter. Eine Bühne ohne Dach und Bühnenbild. Kein Schutz vor Wind und Wetter. Als Umkleide dient ein kleines Zelt hinter einem Busch. Rote Fähnchen markieren für die Zuschauer den Mindestabstand von zwei Metern.

„Shakespeare im Park“ geht ins 25. Jahr, wegen Corona abgespeckt. Am Mittwoch um 18.30 Uhr zeigte die Bremer Shakespeare Company mit „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare die erste Aufführung der Saison im Bürgerpark.

Wie alle Aufführungen bei „Shakespeare im Park 2020“ ist auch „Ein Sommernachtstraum“ gekürzt. Es würden die besonders starken Szenen gespielt, sagt Peter Lüchinger. Der Kobold Puck (Michael Meyer) fasst einige Handlungsabschnitte in seinem Text zusammen – so wie es bei den anderen gekürzten Inszenierungen geschieht. Die Aufführungen haben eine Länge von etwa 45 Minuten. Lüchinger sieht die neue Erfahrung positiv: „Für uns ist das eine tolle Herausforderung. Ich spiele schon 25 Jahre hier, aber das kenne ich noch nicht.“

Theater im Bremer Bürgerpark: Abstandsregeln vor und auf der Bühne

Schauspieler Tim Lee, der seine zehnte Saison im Park erlebt, ist vor allem gespannt. Auf der Wiese müsse man etwas mehr Kraft in die Rollen legen, körperlich und auch stimmlich, verglichen mit Inszenierungen im Theater, sagt er. „Räume halten die Energie zusammen.“ Man habe bei der Inszenierung auf Abstand geachtet. „Wenn Schauspieler sich nahekommen, ist der eine zum Beispiel weiter unten und der andere weiter oben, so dass der Abstand hinkommt.“

Die etwa 80 Zuschauer haben es sich bequem gemacht. Zwischen den Kleingruppen wird der Mindestabstand eingehalten. Darauf werfen auch die Schauspieler auf dem Weg zur Bühne nochmal einen Blick.

Dana (25) und Marco (30), beide frisch nach Bremen gezogen, sind gespannt auf die Aufführung. „Es gab so lange kein Kulturprogramm mehr“, sagt Dana. Max (22) und Solveig (21), ebenfalls zugezogen, mögen das Festival-Feeling des Open-Air-Theaters.

Theater im Bremer Bürgerpark: „Manchmal quaken die Enten mit“

Die Aufführung geht munter los. Eine Gruppe von Handwerkern bereitet sich darauf vor, ein Liebesdrama bei Hofe anlässlich eines geplanten Hochzeitsfestes zu spielen und tut dies schließlich auch putzig-pathetisch. Weite Teile der Handlung spielen im Wald. Das passt gut in die Park-Atmosphäre. Vogelzwitschern mischt sich mit den unverstärkten Stimmen. Einige Passanten schauen zu. Einmal ist etwas Kindergeschrei zu hören.

Die Umgebung lässt für die zukünftigen Inszenierungen einiges erwarten. „Manchmal quaken die Enten mit“, sagt Lüchinger; sie nähmen sogar den Ton der Stimmen an. Auch Pfauen machten sich mitunter bemerkbar.

Im Wald von „Ein Sommernachtstraum“ warnt Kobold Puck am Schluss, dass man sich in Acht nehmen müsse: „Drum fürchtet euch in Wald und Stadt, Kobold führt euch auf und ab.“ Zumindest Angst um die eigene Gesundheit macht sich unter den Zuschauern von „Shakespeare im Park“ aber nicht breit.

Theater im Bremer Bürgerpark: Weitere Vorstellungen

Am Sonntag, 5. Juli, ist „Ein Sommernachtstraum“ wieder auf der Melcherswiese zu sehen (18.30 und 20.30 Uhr). Am Mittwoch folgt „Maria Stuart“, am Donnerstag „Hamlet“ – ebenfalls um 18.30 und 20.30 Uhr. Zum 25-jährigen Bestehen von „Shakespeare im Park“ gibt es am 11. Juli drei Vorstellungen einer Jubiläumsshow (16.30, 18.30 und 20.30 Uhr). 100 Zuschauer dürfen kommen, sollten eigene Klappstühle mitbringen. Karten gibt es nur im Vorverkauf bei Nordwest-Ticket und auf www.sommer-summarum.de. Eintritt: 13 Euro.

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