Verkehrsverstöße im Minutentakt

Polizei verzeichnet eine Vielzahl von Gurtmuffeln und Handysündern

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Im Minutentakt zogen Polizeibeamte Verkehrssünder raus. Mal war es der Gurt, der nicht angelegt war, mal waren die Augen auf dem Handydisplay statt auf der Straße.

Bremen - Von Steffen Koller. Und plötzlich ist die Kelle draußen: 30 Polizeibeamte haben am Donnerstag im Rahmen der bundesweiten Aktion „Tag der Ablenkung“ zahlreiche Auto- und Fahrradfahrer in Bremen aus dem Verkehr gezogen. Schwerpunktmäßig hatten die Ordnungshüter dabei Fahrzeugführer im Visier, die am Steuer telefonierten oder Nachrichten tippten. Ganz nebenbei gingen den Beamten auch viele Gurtmuffel ins Netz.

Ein Funkspruch und schon sind die Beamten alarmiert. „Grauer BMW, Verdener Kennzeichen, Handy am Ohr.“ Es sind kurze Schlagwörter, die die Beobachtungsposten ihren Kollegen mitteilen. Kelle raus, kurze Anweisung und ab zur Kontrolle. Schwerpunktmäßig hatten die Bremer Beamten am Donnerstagvormittag auf dem Osterdeich in Höhe des Weserstadions ihre Kontrollstelle aufgebaut.

Mit zweifelhaften Erfolg, wie die ersten Stunden zeigen sollten. Im Minutentakt zogen Polizisten vorrangig Autofahrer aus dem Verkehr. Ausreden, wie „Es war wichtig, ich musste rangehen“ oder „Ich war doch nur kurz abgelenkt“ halfen da nicht. Neben einer ausführlichen Belehrung folgten 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg – zumindest für die, die ihre Probezeit längst hinter sich haben.

Denn, so zeigte die Kontrolle, gingen den Beamten immer wieder besonders junge Menschen ins Netz. Menschen, die ihren Führerschein gerade erst erworben haben und somit auf Probe unterwegs sind. Für sie wird es dann richtig teuer, erklärte Einsatzleiter Volkmar Sattler. Bei Fahranfängern gilt: Bekommt der Fahrer durch seinen Verstoß einen Punkt, verlängert sich die Probezeit automatisch um zwei weitere Jahre.

„Die fallen aus allen Wolken“

Damit nicht genug: Zum Bußgeld addiert sich die Aufforderung zur Teilnahme an einem Aufbauseminar. Kosten: etwa 300 Euro. „Die fallen aus allen Wolken, wenn wir denen das sagen“, berichtete Sattler aus vorherigen Kontrollen. Dabei, so der Einsatzleiter, seien doch gerade die jungen Leute so technik-affin. „Eine Freisprechanlage hat fast jedes Auto, warum benutzt sie kaum einer?“, hieß es von Sattler fast schon resigniert.

Dabei gehe es den Polizisten am Aktionstag vor allem um Prävention, meinte Einsatzleiter Sattler. „Wer abgelenkt ist, fährt quasi blind“, so seine einleuchtende Erklärung, die er mit einem simplen Beispiel verdeutlichte: Wer 140 km/h schnell ist und „nur“ drei Sekunden aufs Handy schaut, fährt knapp 120 Meter im Blindflug. „Das kann tödlich enden.“ Viele der angehaltenen Autofahrer zeigten sich einsichtig, fanden, die Kontrolle sei „okay“ und „gerechtfertigt“. Andere beteuerten, in Zukunft die Augen auf der Straße und nicht auf dem Display zu haben.

Ähnlich die Lage bei Gurtverstößen. Fuhren den Beamten keine Handysünder vor die Kontrollstelle, so gab es auch noch genug Gurtmuffel, die ebenfalls zur Kasse gebeten wurden. Um 35 Euro wurde das Portemonnaie des Sünders erleichtert. Dabei sei es egal, auf welchem Platz man sitze, erläuterte Sattler.

Bei der bundesweiten Aktion waren etwa 12.000 Beamte an rund 3.000 Kontrollstellen im Einsatz. Neben dem Osterdeich hielten Polizisten in Bremen auch in der Neustadt und in Huchting Ausschau nach Verkehrsrowdys. Hinzu kamen zahlreiche mobile Kontrolleinheiten, so Sattler.

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