1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Verkehr: Bremen treibt Umstieg auf Bahn, Bus und Rad weiter voran

Erstellt:

Von: Thomas Kuzaj

Kommentare

Welches Verkehrsmittel soll es sein? In der Martinistraße in der Bremer Innenstadt stehen Autofahrer häufig im Stau.
Welches Verkehrsmittel soll es sein? In der Martinistraße in der Bremer Innenstadt stehen Autofahrer häufig im Stau. © Kuzaj

Bremen – Wohin steuert Bremens Verkehrspolitik? Ganz klar: „Unser gemeinsames Ziel ist es, Verkehr insgesamt umweltschonender durch Bus und Bahn, mit dem Fahrrad und zu Fuß abzuwickeln, um einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten.“ So sagt es Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), die auf diesem Weg auch das Umland ein- und anbinden will. Kritik begleitet Schaefers Weg.

Der Senat hat in dieser Woche den – Achtung, es folgt ein sprachlich wenig verkehrstauglicher Titel – „Bericht zu Maßnahmen und Handlungskonzept der Teilfortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans“ beschlossen. Kurzum: der im Jahr 2014 beschlossene Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025, das übergeordnete Verkehrskonzept der Stadt Bremen, wird „in vier Teilstrategien aktualisiert und fortgeschrieben“ – so ein Sprecher der Senatorin.

Autofreie Innenstadt bis 2030“, das ist einer dieser vier Punkte. War da nicht zwischenzeitlich mal hier und da von „autoarm“ die Rede gewesen? Genau diesen Weg – eben: Richtung „autoarm“ – bevorzugt die oppositionelle CDU, wie deren verkehrspolitischer Fraktionssprecher Hartmut Bodeit sagt. Ja, man müsse mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad besser in die City kommen und sich dort als Fußgänger besser bewegen können. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auch ins Umland – Beispiel: Linie 8 nach Weyhe – sei „sehr vernünftig“. Aber das Auto ganz ausschließen? Ein „klares Nein“, so Bodeit dazu.

City-Initiative kämpft um Auto-Stellplätze in Parkhäusern

Für den CDU-Abgeordneten ist es zudem ein Unterschied, ob jemand mit viel Zeit einen Einkaufsbummel machen möchte – oder ob jemand aus beruflichen Gründen in der Innenstadt zu tun hat, wenig Zeit hat, vielleicht auch das Auto beruflich braucht. Bodeit verweist auf das Beispiel Oldenburg. Gut erreichbare Parkhäuser, dazu eine autoarme Innenstadt mit Fußgängerzone. Apropos Parkhäuser – die Einzelhandelsvereinigung City-Initiative forderte jüngst mit Blick auf die VEP-Fortschreibung, die Bremer Innenstadt müsse für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen erreichbar bleiben. Beim Abbau von Parkplätzen müsse Augenmaß bewahrt werden – der Erhalt von 2.200 Auto-Stellplätzen in öffentlichen Parkhäusern innerhalb des Altstadtrings ist für Geschäftsführerin Carolin Reuther ein „ganz klares Ziel“.

Schaefers Ressort setzt unterdessen auf eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Die VEP-Fortschreibung enthalte „mehrere Ausbaustufen“ für das Angebot der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) „mit Straßenbahn und Bus, neue Antriebstechnologien, Barrierefreiheit, attraktive Tarifkonzepte für den ÖPNV und alternative ÖPNV-Finanzierungskonzepte“, so der Sprecher. Es gelte, eine „bessere Vernetzung von Stadt und Region im ÖPNV voranzubringen“, so Schaefer. „Gerade auf weiten Distanzen kann durch den Umstieg auf Bus- und Bahn viel CO2 eingespart werden.“

Senatorin Schaefer will „Radpremiumrouten zwischen allen Nachbargemeinden und Bremen“

Und dann gibt es ja noch den Radverkehr. Senatorin Schaefer kündigt an: „Wir werden, wie bereits im Verkehrsentwicklungsplan 2014 beschlossen, auch die Radverkehrsanlagen weiter ausbauen, die Ampelschaltungen verbessern, Radpremiumrouten stadtweit umsetzen und Brücken über die Weser schlagen und – und das ist neu – auch Radpremiumrouten zwischen allen Nachbargemeinden und Bremen zur Umsetzung vorbereiten.“

Blick in die Langemarckstraße in der Neustadt – ein Einfallsweg aus dem Umland in die Bremer City.
Blick in die Langemarckstraße in der Neustadt – ein Einfallsweg aus dem Umland in die Bremer City. © Kuzaj

All dies und einiges mehr wird natürlich auch in den Stadtteilen und Quartieren diskutiert – zum Beispiel in der Neustadt, wo das neue Quartier auf dem früheren Hachez-Areal weitgehend autofrei geplant wird. Mit Blick auf den gesamten Stadtteil steht zudem ein „Fahrplan Verkehrswende Neustadt 2033“ zur Diskussion. „Von flächendeckender Parkraumbewirtschaftung über den Ausbau von Fuß- und Radwegen betreffen am Ende alle Maßnahmen die Menschen vor Ort. Jeder Stadtteil kann und muss seinen Beitrag zur Einhaltung der Klimaziele leisten – auch und ganz besonders im Verkehrsbereich“, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses „Verkehrswende“, zu dem unter anderem die Naturschützer vom BUND, der Fahrrad-Club ADFC und die Nahverkehrs-Initiative „Einfach einsteigen“ gehören.

An der Hochschule Bremen werden unterdessen derzeit in der Fakultät für Architektur, Bau und Umwelt Anforderungen „an eine menschen-, klima- und umweltfreundliche Umgestaltung der Langemarckstraße zwischen den Neustadtswallanlagen und der Brill-Kreuzung“ zusammengetragen. Der Bereich zwischen den Hochschulstandorten Campus Neustadtswall und City-Campus am Brill „soll künftig nicht nur die Funktion als Verkehrsraum erfüllen, sondern auch als Lebensraum“, sagt Professor Carsten-Wilm Müller. Aspekte seien eine „Priorisierung von Fuß- und Radverkehr und ÖPNV“ gegenüber dem Autoverkehr – und auch eine Wiederherstellung des einstigen Allee-Charakters der Straße.

Auch interessant

Kommentare