1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Verhütung: Diese Alternativen gibt es abseits gängiger Verhütungsmethoden

Erstellt:

Von: Maria Sandig

Kommentare

Es gibt eine Vielzahl an Verhütungsmitteln. Doch einige sind vielen bei der Verhütung noch unbekannt. Ein Überblick über weniger gängige Verhütungsmethoden.

Bremen – Während die meisten Verhütungsmittel und Verhütungsmethoden für Frauen konzipiert sind, können Männer bislang nur mit Kondom verhüten. Entgegen der Annahme vieler Menschen ist der „Coitus interruptus“ absolut unsicher. Schon vor dem Samenerguss können Samenzellen in die Scheide gelangen können. Hierbei handelt es sich also um keine Form der Verhütung.

Ansprüche, Lebensumstände und Prioritäten der Sexualpartner sind sehr unterschiedlich. Es gibt hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmethoden, Langzeitmethoden, Barrieremethoden und natürliche Methoden, Methoden mit mehr oder weniger Eingriffen in den weiblichen Körper und mit mehr oder weniger gesundheitlichen Risiken.

Chemische Verhütungsmittel

Chemische Verhütungsmittel können Zäpfchen, Tabletten, Gels oder Cremes sein. Alle enthalten Spermizide, die Samenzellen abtöten oder deren Fortbewegungsmöglichkeit hemmen. Chemische Verhütungsmittel werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt. Bei Zäpfchen und Tabletten dauert es mindestens zehn Minuten, bis sie durch die Körperwärme geschmolzen und voll wirksam sind. Die Wirkstoffe reichen nur für einen Samenerguss aus.

Sicherheit: Die alleinige Anwendung chemischer Verhütungsmittel ist sehr unsicher und deshalb nicht zu empfehlen. Sie sollten mit einem Diaphragma kombiniert werden. Von einer gleichzeitigen Anwendung von chemischen Verhütungsmitteln und Kondomen rät Pro Familia ab.

Kosten: Je nach Art des Mittels, Packungsgröße und Anwendungszeitraum variieren die Preise zwischen drei bis 15 Euro.

Es gibt viele Möglichkeiten, beim Sex zu verhüten.
Es gibt viele Möglichkeiten, beim Sex zu verhüten. © Christophe Gateau/ dpa

Diaphragma als Verhütungsmittel

Das Diaphragma ist ein Verhütungsmittel für die Frau, das keine Hormone an den Körper abgibt. Es muss vor jedem Geschlechtsverkehr eingesetzt und mit einem Verhütungsgel benutzt werden. Dort wirkt es wie eine Barriere. Der Penis des Mannes hat so keinen direkten Kontakt mit dem Muttermund und die Samen können keine Eizelle befruchten. Nach dem Sex muss das Diaphragma mindestens acht Stunden in der Scheide bleiben. Möglich ist auch eine Anwendung nur in der fruchtbaren Zeit, die mithilfe der Fruchtbarkeitswahrnehmung ermittelt wird.

Erhältlich sind auf dem deutschen Markt zwei Produkte. Wichtig: Der korrekte Sitz muss überprüft werden. Es ist nicht vorgeschrieben, dass dies Ärztinnen und Ärzte übernehmen. Auch Fachkräfte von pro familia Beratungsstellen oder Frauengesundheitszentren helfen dabei.

Sicherheit: Bei richtiger Anwendung ist das Diaphragma eine zuverlässige Verhütungsmethode. Die sehr unterschiedlichen Angaben für die Verhütungssicherheit (Pearl-Index) kommen zustande, da das Diaphragma sehr unterschiedlich angewandt und große Qualitätsunterschiede bei Anpassung und Beratung bestehen.

Kosten: Ein Diaphragma kostet zwischen 31 und 70 Euro. Hinzu kommen mögliche Kosten für Versand, Anpassung, Kontrolluntersuchung und das Verhütungsgel.

Verhütungsmethode: Frauenkondom

Das Frauenkondom ist die einzige Verhütungsmethode, mit der sich eine Frau selbst vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen kann. Das Frauenkondom muss bei jedem Verkehr angewandt und kann nur einmal verwendet werden. Wird es ausschließlich zur Verhütung genutzt, ist es möglich, das Frauenkondom nur in der fruchtbaren Zeit anzuwenden, wenn diese mithilfe der Fruchtbarkeitswahrnehmung ermittelt werden. Aktuell gibt es nur ein Produkt auf dem deutschen Markt.

Sicherheit: Eine eindeutige Aussage über die Verhütungssicherheit der Methode ist nicht möglich. Für das Frauenkondom liegen einige wenige, kleine Studien weltweit vor. Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften wird allgemein zwischen fünf und 25 Prozent angegeben, wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit dieser Methode verhüten. Die Sicherheit scheint deutlich höher zu sein bei Paaren, die viel Erfahrung mit anderen Barrieremethoden haben und die Methode konsequent anwenden.

Kosten: Eine Packung mit drei Frauenkondomen kostet zwölf Euro.

Hormonimplantat (Hormonstäbchen)

Das Hormonimplantat ist ein weiches, biegsames Kunststoff-Stäbchen, das am Oberarm unter die Haut geschoben wird. Es ist vier Zentimeter lang und zwei Millimeter dick. Aus dem Stäbchen wird permanent das Gestagen Etonogestrel freigesetzt. Dieser Wirkstoff ist auch in einigen Verhütungspillen enthalten.

Das Gestagen aus dem Stäbchen gelangt ins Blut. Als Hauptwirkung verhindert es den monatlichen Eisprung, außerdem verdickt es den Schleim im Gebärmutterhals. Die Wirkung hält für drei Jahre an.

Sicherheit: Das Verhütungsstäbchen gehört zu den sichersten Verhütungsmethoden. Voraussetzung für die Zuverlässigkeit ist die ausreichende Erfahrung der Ärzt*innen, die das Stäbchen einsetzen.

Kosten: Das Hormonstäbchen kostet inklusive Einlage 300 bis 350 Euro. Für die Entfernung werden bis zu 50 Euro berechnet.

Das sind die beliebtesten Verhütungsmethoden – Kondom und Pille vorn

1. Kondom46 Prozent
2. Pille47 Prozent
3. Spirale10 von 100 Befragten
4. Kalender- oder Temperaturmethode oder Sterilisation2 bis 3 Prozent
5. Vaginalring2 Prozent

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Es gibt unzählige Verhütungsmittel. Doch einige sind beliebter als andere. Wir stellen die beliebtesten Formen der sexuellen Verhütung vor.

Kupferkette als Verhütungsmittel

Die Kupferkette ist eine Verhütungsmethode, die nicht in den Hormonhaushalt eingreift. Das Verhütungsmittel wird von Ärzt*innen in die Gebärmutter der Frau eingelegt. Sie besteht aus vier oder sechs kleinen Kupferzylindern, die wie bei einer Perlenkette auf einen Nylonfaden aufgezogen sind. Der Nylonfaden wird mit einem Knoten etwa ein Zentimeter tief in der Muskulatur der Gebärmutterwand verankert. Fünf Jahre kann die Kupferkette dort bleiben.

Es gibt zwei verschiedene Größen. Durch das Kupfer, das ständig in kleinsten Mengen von der Kupferkette abgegeben wird, werden die Samenzellen auf dem Weg in die Eileiter in ihrer Beweglichkeit gehemmt. So kommt es in der Regel nicht zur Befruchtung. Das Kupfer trägt außerdem wesentlich dazu bei, dass der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut gestört wird. Damit wird die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindert, falls es doch zur Befruchtung gekommen sein sollte.

Sicherheit: Die Sicherheit der Kupferkette ist vergleichbar mit der der klassischen Kupferspirale. Bei Auswahl der richtigen Größe und sachgemäßer Anpassung ist die Kupferspirale eine zuverlässige Verhütungsmethode. Im Abstand von sechs Monaten soll die korrekte Lage von Ärzt*innen überprüft werden.

Kosten: Die Einlage der Kupferkette erfordert ein besonderes Training. Nicht alle FrauenärztInnen legen die Kupferkette. Adressen von ÄrztInnen in Ihrer Nähe finden Sie hier: www.verhueten-gynefix.de. Für die Kupferkette ist inklusive Einlage mit Kosten von circa 300 bis 350 Euro zu rechnen.

Die Pille danach ist mittlerweile rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Die Pille danach ist mittlerweile rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Als reguläres Verhütungsmittel ist sie aber nicht gedacht - sondern nur für den Notfall. © Benjamin Nolte/ dpa

Pille danach als Verhütungsmethode

In den Eierstöcken reift keine Eizelle heran, und es findet kein Eisprung statt. Der Schleim im Gebärmutterhals wird dick und zäh, sodass keine Samenzellen in die Gebärmutter gelangen können. Die Gebärmutterschleimhaut baut sich deutlich weniger auf, sodass sich dort selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Befruchtung keine Eizelle einnisten könnte. Probleme bei der Verhütung können immer vorkommen.

Sicherheit: Mit der Pille danach kann eine Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr verhindert werden. Je eher die Pille danach genommen wird, umso sicherer wirkt sie. Je nach Produkt besteht eine Zeitspanne von 72 Stunden oder 120 Stunden*. Das Verhütungsmittel wirkt, indem es den Eisprung verzögert oder verhindert. Die Wirksamkeit der Pille danach hängt davon ab, wie schnell sie eingenommen wurde und an welchem Zyklustag die Frau sich befindet. Die Wirksamkeit kann daher zwischen 59 und 98 Prozent variieren.

Kosten: Die Pille danach kostet zwischen 16 und 35 Euro, sie ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Laut Profamilia hat sie wenige Nebenwirkungen und ist gut verträglich. Es handle sich nicht um eine „Hormonbombe“.

Verhütungspflaster

Das Verhütungspflaster ist eine hormonelle Methode der Schwangerschaftsverhütung. Es gibt derzeit in Deutschland zwei verschiedene Präparate. Beide enthalten Hormone, die über die Haut in den Körper aufgenommen werden und so den monatlichen Eisprung verhindern. Das Verhütungspflaster wird auf die Haut für jeweils sieben Tage aufgeklebt und danach durch ein neues Pflaster ersetzt. Nach drei Wochen wird eine Pause von sieben Tagen eingelegt, in der die Verhütungssicherheit weiterbesteht und eine Entzugsblutung einsetzt. Der Pflasterwechsel sollte immer am gleichen Wochentag geschehen, die Uhrzeit spielt keine Rolle.
Das Verhütungspflaster hat ein höheres Thromboserisiko als vergleichbare Pillen.

Das Verhütungspflaster ist laut Pro Familia genauso zuverlässig wie die Pille.
Das Verhütungspflaster ist laut Pro Familia genauso zuverlässig wie die Pille. © Ulrich Perrey/ dpa

Sicherheit: Die Verhütungssicherheit des Pflasters entspricht der der Pille. Bei Frauen mit einem Körpergewicht von mehr als 90 Kilogramm wurde jedoch eine höhere Versagerrate beobachtet. Das Verhütungspflaster muss von Ärzt*innen verordnet werden.

Kosten: Die Kosten liegen bei etwa 40 bis 42 Euro für drei Monate.

Verhütungskappen

Verhütungskappen, auch Portiokappen, bedecken den Gebärmutterhals und verhindern so, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Die Verhütungskappe sollte zusammen mit einem Verhütungsgel benutzt werden. Sie muss einige Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden, damit sie sich am Gebärmutterhals festsaugen kann. Die Verfügbarkeit von Verhütungskappen ändert sich immer mal wieder. Derzeit ist in Deutschland nur ein Produkt erhältlich.

Sicherheit: Eine eindeutige Aussage über die Verhütungssicherheit der Methode ist nicht möglich. In klinischen Studien wurden 86,5 Prozent aller Frauen innerhalb von sechs Monaten nicht schwanger. Eingerechnet waren jedoch auch Frauen, die das Verhütungsmittel nicht regelmäßig oder richtig angewandt hatten. Bei richtiger und sachgemäßer Anwendung liegt die Sicherheit wahrscheinlich deutlich höher. Wichtig ist, dass sie die individuell richtige Größe hat.

Kosten: Die Kosten liegen bei etwa 50 Euro. Hinzu kommen mögliche Kosten für Anpassung, Kontrolluntersuchung und das Verhütungsgel.

Verhütungsgels

Verhütungsgels- und Cremes sollten immer zusammen mit einer Barrieremethode (Diaphragma oder Verhütungskappe) benutzt werden. Heute sind spermienhemmende Gele auf Milchsäurebasis am verbreitetsten. Die ansäuernde Wirkung fördert die natürliche Vaginalflora und schützt daher zusätzlich vor Infektionen.

Sicherheit: Verhütungsgels und -cremes allein angewendet sind als Verhütungsmittel nicht wirksam. Verhütungscremes auf Basis von Milchsäure sind nicht rezeptpflichtig und können problemlos in der Apotheke gekauft oder im Internet bestellt werden.

Kosten: Sie kosten acht bis zehn Euro pro 60 Gramm Tube. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare