Jürgen Moldenhauer und sein Objekt „Raum 7“

„Mein Kunst-Stück“: Verdichteter Draht

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„Raum 7“ heißt das Objekt, das der Bremer Künstler Jürgen Moldenhauer in unserer Serie präsentiert. Es ist ein wolkiges Gebilde aus geknicktem Draht.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Raum 7“ heißt Jürgen Moldenhauers Objekt, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das wolkige Gebilde aus unzählig oft geknicktem Draht, erhält bei jedem Auftritt einen neuen Namen.

Derzeit hängt „Raum 7“ an der Wand von Moldenhauers Atelier. Es besteht aus sechs zusammengefügten Segmenten. Jedes Segment besteht aus zehn Drähten. Jeder Draht misst einen Meter. Und jeder Meter wird etwa 20-mal geknickt. Durch die unzähligen Knicke bildet sich ein luftiger Körper mit zarten Verästelungen nach außen und kräftigen Verdichtungen dort, wo viele Segmente ineinander fassen. 

Unter dem Namen „Raum 3“ hing das Objekt freischwebend wie eine riesige Wolke im Raum. Es maß sechs Meter Länge, zwei Meter Breite und anderthalb Meter Höhe. Mehr als 1000 Meter Draht hatte Moldenhauer in 30 Einzelsegmenten zusammengefügt. Durch die Faltungen entstanden Verdichtungen. Diese faszinieren Moldenhauer besonders. „Aus gewissen Perspektiven konnte man in das große Objekt nur noch hinein, aber nicht mehr hindurchschauen“, erzählt er.

Mit Faltungen beschäftigt sich der Bremer Künstler seit mehr als 20 Jahren. Vor dem Draht bearbeitete er überwiegend Stahlbleche. Auf der Kantbank entstanden dabei anmutige Kunstwerke. An der Wand hängend, verändern sich, je nach Perspektive, deren Form und Licht. „Manch ein Betrachter glaubte schon, sie seien aus Papier“, sagt Moldenhauer.

Aus Resten wurde Kunst

Er begann mit Draht zu experimentieren, als er das Material aus der Firma eines Freundes erhielt. Aus den Resten wurde Kunst, und mittlerweile dominieren die Drahtprojekte Moldenhauers Schaffen. Außerdem macht er spannende Glas-Beton-Skulpturen. Das Glas wirkt wie eine Silikonfolie, die auf einem Miniaturgebirge aus Beton liegt. Das Glas ist durchscheinend, farbig oder überlappend. Zuerst wird in es in einem Tonkörper gebrannt. Später wird der Ton durch einen Betonkörper ersetzte. So erzeugt Moldenhauer eine fließende Oberfläche auf kantigem Grund.

Auf die Kunst kam Moldenhauer über sein Studium der Sozialarbeit. Dort lernte er kreative Arbeitsmethoden, die ihn auch in seiner Freizeit inspirierten und die er als Ausgleich nutzte. Zu seiner Werksammlung zählen auch Grafiken und Drucke. Finanziell abgesichert, arbeitet Moldenhauer nach Lust und Laune – außer vor Ausstellungen. Dann arbeitet er stringent durch. „Erst, wenn alle Werke aufgehängt sind, gibt es ein Gläschen Wein“, sagt er. Die positiven Herausforderungen des Künstlerlebens sieht der Wahl-Bremer im Gestalten selbst. Schwierig könne es werden, wenn man sich durch die Kunst stark öffne und dann auf Kritik stoße.

Beeindruckt von Bacon und Kreutzfeldt

Ob wir Kunst brauchen? – „Ich selbst brauche Kunst“, antwortet Moldenhauer. „Es ist für mich eine ganz große Bereicherung, Kunst zu erfahren und Kunst zu produzieren. Kunst ist das, was aus vielen Epochen erhalten geblieben ist. Ob man sie allerdings ganz allgemein braucht, weiß ich nicht.“

Zu den Künstlern, die für Moldenhauer besonders bedeutend sind, zählen der britische Maler Francis Bacon (1909 bis 1992) und der niedersächsische Maler und Bildhauer Hansjürgen Kreutzfeldt. Moldenhauer wohnte früher in der Nachbarschaft Kreutzfelds. „Er hat ganz tolle Sachen in der Nachkriegszeit gemacht, und ich konnte ihn in seinem Atelier dabei begleiten.“ An Bacon begeistern Moldenhauer dessen Darstellungen von menschlicher Physiognomie und seine verzerrten Porträts.

Wenn Moldenhauer jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge das Objekt „Jüdische Wanderschaft“ an eine Schule: „Um den Geschichts- und Kunstunterricht zu gestalten. Das Kunstwerk thematisiert, wie die Welt, aber auch die Juden selbst mit dem jüdischen Glauben umgehen.“

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