5.500 Kita-Beschäftigte demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen

Ein Hauch von nichts

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Eine Demo mit phantasievollen Plakaten

Bremen - Rote Fahnen, rote Westen, rote Luftballons – rund 5 500 Erzieher und Sozialarbeitern aus Kindergärten und Kindertagesstätten in Bremen und Niedersachsen protestierten heute auf dem Bremer Marktplatz für bessere Arbeitsbedingungen.

Verdi-Chef Frank Bsirske gab den Streikenden Rückendeckung: „Ihr fordert Anerkennung – und das zu Recht“, rief er in die bunte Menge. Der Protestzug war vom Schlachthof durch die Stadt zum Marktplatz marschiert. Und es dauerte, bis die Menge komplett war. Die Protestplakate zeugten von Phantasie und zugleich von Verzweiflung. „Ich bin keine Basteltante, ich bin Bildungsbeauftrage“, hatte eine Frau auf ihr Plakat geschrieben. „Erzieherinnen sind wie Dessous – Spitzenqualität für einen Hauch von nichts“, stand auf dem Transparent einer Gruppe von Erzieherinnen. „Kinderschmutz – bezahlt wie Schmutz“, war zu lesen. Und: „Sollen wir so arbeiten, wie Ihr uns bezahlt“. Und: „Zufriedene Erzieher = glückliche Kinder“. Einige Botschaften formulierten Gesellschaftskritik: „Warum zahlen wir Menschen, denen wir unsere Kinder anvertrauen, viel weniger als jenen, denen wir unser Geld anvertrauen?“ Samba-Rhythmen unterstützten die lautstarken Forderungen. Und die Passanten zeigten durchaus Verständnis für die Erzieherinnen. „Die jungen Frauen dürfen sich nicht alles gefallen lassen. Sie sind wichtiger als unsere Politiker“, sagte eine Frau, die „längst Oma ist“.

Der Touristen-Kleinbus „Emma“ musste einen Umweg fahren. Der Weg über den Marktplatz war versperrt. Und für eine Gruppe von Touristen aus Fernost wurde die Demo zur Attraktion und zum Fotomotiv des Tages. Auch Cafés, Bäckereien und Baguetteläden machten ein schönes Zusatzgeschäft. Was soll‘s.

Der Frust über die Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung in den Jobs sitzt tief. Das wurde überdeutlich. Die Erzieherinnen sind kampfbereit. Und sie stehen entschlossen und geschlossen hinter den Forderungen. Heute war das Umland in der Stadt – Streikdelegationen aus den Landkreisen Cuxhaven, Stade, Diepholz, Nienburg, aus Scheeßel, aus Tarmstedt, Breddorf und Hepstedt im Kreis Rotenburg, aus Ostfriesland und dem Ammerland, aus Bremerhaven und Oldenburg. Es könne nicht sein, dass ein Facharbeiter in der Metallindustrie für den Umgang mit Maschinen doppelt so viel Geld bekomme wie eine Erzieherin für den Umgang mit Kindern, sagte Gewerkschaftsboss Bsirske. Verdi verlangt angesichts der gestiegenen Anforderungen eine höhere Einstufung der Sozial- und Erziehungsberufe. Seit einer Woche sind Erzieher und Sozialarbeiter im unbefristeten Erzwingungsstreik. Die Arbeitgeber fordern die Rückkehr an den Verhandlungstisch. je/dpa

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