Bremerhavener Firma verarbeitet und vermarktet überschüssige Biestmilch von Mutterkühen

Veracus schürft „gelbes Gold“

In der Bremerhavener Produktionsstätte von Veracus wird das Colostrum weiterverarbeitet.

Bremerhaven - Von Jörg Esser · Es ist ein Naturprodukt. Ein Spitzenerzeugnis, das Proteine, Vitamine, Antikörper, Mineralstoffe und Wachstumfaktoren liefert. Die Rede ist von Colostrum, Biestmilch genannt.

Das ist jene Muttermilch, die ein Kälbchen gleich nach der Geburt erhält. Aus dem „gelben Gold“ hat die Bremerhavener Firma Veracus ein Markenprodukt entwickelt.

Milchkühe geben in den ersten 24 Stunden im Schnitt 20 bis 25 Liter Colostrum ab, ein Kalb trinkt maximal drei Liter. Der große Rest wurde zumeist weggekippt oder an Schweine verfüttert, sagt Dr.  Wilfried Tiegs, Tierarzt und Veracus-Geschäftsführer. „Das ist reine Verschwendung eines hochinteressanten Stoffes.“ Die Idee, Colostrum weiterzu verarbeiten, brachte Landwirtssohn Tiegs aus Neuseeland mit, wo er einige Jahre praktizierte.

Seit Ende 2007 kauft die im Bremerhavener Innovationszentrum „Bio Nord“ ansässige Firma den Landwirten in der norddeutschen Tiefebene die überschüssige Biestmilch ab, die die Kühe nur in den ersten 24 Stunden nach Geburt des Kalbes produzieren. Die Biestmilch wird sofort nach dem Melken eingefroren, mit firmeneigenen Kühlfahrzeugen nach Bremerhaven kutschiert, dort untersucht, entfettet, in einer Grasberger Molkerei pasteurisiert und schließlich schonend gefriergetrocknet. So entsteht ein Colostrumpulver. Und das vermarktet Veracus als Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel. Pulver (auch in Kapseln) und Perlgranulat sind per Direktvertrieb und nach der „Initialphase“ ab sofort auch in Apotheken erhältlich. Das Konzept ist mit Mitteln der Europäischen Union und der Stadt Bremerhaven gefördert worden.

Colostrum unterstützt die körpereigene Immunabwehr, es hilft zur Grippevorbeugung laut wissenschaftlicher Studien besser als jede Impfung. „Biestmilch hat eine einzigartige Zusammenstellung“, sagt Tiegs, „diese Komposition der Natur macht Sinn.“ Veracus hat laut Tiegs ein komplett rückverfolgbares System geschaffen. Das heißt: Es ist bekannt, von welcher Kuh welches Colostrum stammt.

Derzeit arbeiten Tiegs und Co. mit etwa 250 Betrieben im „Milchgürtel rund um Bremen“ zusammen. Bis Ende des Jahres sollen es um die 1 000 sein. Gezahlt werde zwischen 1,30 und 1,50 Euro pro Liter, heißt es. Seit kurzem ist das aus Colostrum produzierte Pulver auch als Futtermittel zugelassen. Und das eröffnet weitere Marktchancen.

Colostrum „made in Germany“ weckt derweil längst Interesse im Ausland. Das deutsche Qualitätssiegel hat das US-Firmen auf den Plan gerufen. Es gibt Anfragen von norwegischen Fischfutterproduzenten, von belgischen Firmen sowie aus Kanada, sagt Tiegs.

Bei Veracus in Bremerhaven arbeiten derzeit sieben Mitarbeiter im Entwicklungsteam von Tiegs und seinem Marketingstrategen Dieter Rathjen. Veracus steht für „wahrhaftig“. Das soll die Firmenphilosophie widerspiegeln. „Unser Kerngeschäft ist es, Sachen in der Natur zu entdecken“, sagt Tiegs, „da wühlen wir wie Trüffelschweine.“

WWW.

veracus.com

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