Varieté und Ringkampf

Verschwunden: Die Holz-Sporthalle auf der Bremer Bürgerweide

Bilder der Holzhalle in dem Buch „25 Jahre Stadthalle Bremen“ von 1989.
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Bilder der Holzhalle in dem Buch „25 Jahre Stadthalle Bremen“ von 1989.

Bremen – Sie war ein Werk der Amerikaner, schlicht, zweckmäßig und oft gut besucht – die große Holzhalle auf der Bürgerweide. Im August 1945 errichtet, diente sie den US-Besatzungstruppen als Sporthalle, bevor sie im März 1948 der Stadt übergeben wurde. Längst ist die gut 60 Meter lange und 30 Meter breite Halle verschwunden – und damit heute Thema in unserer gleichnamigen Serie.

Seit 1946 schon war die Holzhalle auch zum Schauplatz politischer Großveranstaltungen geworden. Erster Redner war der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher am 8. Oktober. „Eintritt frei“, hieß es in zeitgenössischen Zeitungsannoncen.

Mit der Gründung einer „Sporthallen-GmbH“ durch die Stadtgemeinde fächerte sich das Nutzungsspektrum weiter auf – zu Sport und Politik kam nun auch die leichte Muse. Das Varieté- und Revuetheater „Plaza“ öffnete in der Holz-Sporthalle. Und nicht etwa das Bremer „Astoria“. Das „Plaza“ kam aus Berlin. Bremen sollte für das Unternehmen zu einer Art Exporthafen für Glanznummern werden, die man von hier aus auf (lukrative) Auslandsreisen schicken wollte.

Revuemitarbeiter schläft mit Zigarette ein

Dutzende von Scheinwerfern und eine riesige Bühne hatten Platz in der Holzhalle, der die Amerikaner ja ein basketballtaugliches Format gegeben hatten. Die Bremer „Plaza“-Premiere wurde im September 1948 gefeiert. Doch das Berliner Varieté, es lief nicht in Bremen. Nach einigen Monaten war es pleite.

Dennoch blieben die Bretter, die die Welt bedeuten, in der aus Brettern gebauten Halle. Revue-Gastspiele und Operetten kamen nun; Varieté gab es nur noch zur Freimarktszeit, wenn die Bremer traditionell am lustigsten sind. Heiß ging es zuweilen beim Revuetheater zu, sehr heiß. Am 4. Februar 1951, so heißt es, schlief ein Revuemitarbeiter mit brennender Zigarette ein. Im Anbau der Holzhalle brach ein Feuer aus. Nicht lustig.

Schon am 27. Februar 1951 verbot Bremen Varieté- und Theateraufführungen in der Halle – wegen Brandgefahr, so die Begründung. Nun war in der Halle nur noch Platz für Politik und Sportwettkämpfe. Für Box- und Ringkämpfe etwa, aber auch für Handballspiele.

Der Traum von einer Stadthalle

Zunehmend wurden Stimmen laut, die die eingeschränkte Nutzung der großen Halle beklagten. Es waren Stimmen, die Politikern und Planern einen Traum einflüsterten, den Traum von einer Bremer Stadthalle. Mit Platz nicht nur für Sportler und Redner, sondern auch für Konzerte und Showprogramme, mit Platz für Messen und Ausstellungen. Was die Stadt da alles verdienen könnte! Schon allein durch die Vergnügungssteuer! Aber noch stand sie ja, die Holzhalle auf der Bürgerweide.

Die Stadthalle in der Zeit ihrer Eröffnung.

Im Dezember 1954 aber beschloss Bremen schon einmal, die „Sporthallen-GmbH“ aufzulösen. Ein privater Betreiber sollte sie bis zum Abriss bewirtschaften. Er fand sich in Person des einstigen Senators Andreas „Andree“ Bölken (1901 bis 1965), der die Halle 1955 für die „Bremer Messe- und Ausstellungsgesellschaft“ kaufte.

Machtkampf zwischen Boljahn und Bölken

In den Folgejahren entwickelte sich ein Wettlauf zwischen Bölken, der den Hallen-Abriss hinauszögern wollte, und SPD-Urgewalt Richard Boljahn (1912 bis 1992, höchst einflussreicher Gewerkschafter und SPD-Fraktionschef). Boljahn trieb das Stadthallen-Projekt voran, der große Traum sollte wahr werden. Beide scheuten sich nicht, ihre teils grob geführte Auseinandersetzung öffentlich auszutragen – Ringkampf mal anders. Bölken gab sich erst geschlagen, als eine Räumungsklage der Stadtgemeinde 1961 in zweiter Instanz bestätigt wurde. Im August 1961 verschwand die Holz-Sporthalle. Sie soll in Süddeutschland wieder aufgebaut worden sein. Bremen bekam seine Stadthalle – Eröffnung: 1964.

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