„Sirius“ hat das brachliegende Kaffee-HAG-Areal aus seinem Dornröschenschlaf geweckt

Ein Urwald voller Geheimnisse

Der markante HAG-Turm ist das weithin sichtbare Wahrzeichen des historischen Fabrikgeländes in den alten Hafenrevieren.

Bremen - Von Jörg Esser · Der prägnante Turm mit den drei goldenen Buchstaben ist weithin sichtbar. Ein Wahrzeichen der Hansestadt. Ein stummer Zeuge der Architekturgeschichte.

Der HAG-Turm und das ehemalige Areal rund um die Kaffeefabrik in den alten Hafenrevieren wird zu neuem Leben erweckt. Behutsam restauriert. Schritt für Schritt. Gebäude für Gebäude.

Die „Sirius Facilities GmbH“, die das Areal im Auftrag der Eigentümerin, der niederländischen Marba HAG B.V., verwaltet, hat das gut drei Jahrzehnte brachliegende Gelände im Juni 2007 übernommen und aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Und letztlich auch vor dem Abriss bewahrt. In den nächsten drei bis fünf Jahren soll hier der „Businesspark Hagstraße“ entstehen – ein modernes „Zentrum der Kreativwirtschaft“ mit Büros, Restaurants, mit einem Campus.

Über den windigen Dächern des HAG-Areals: Heiko Genath und Christina Seghorn.

„Das war hier ein Urwald“, sagt Heiko Ge nath, Regionalmanager des Unternehmens, das bundesweit Industriebrachen zu „innovativen Business-Parks“ umgestaltet. „Alles war zugebrettert, zugenagelt“, fährt er fort. Stahl- und Kupferrohre waren aus den Wänden gerissen worden. Das Areal, auf dem einst die koffeinfreie Weltmarke „Kaffee HAG“ und der Plantagentrank „Kaba“ produziert wurden, war eine Hochburg von Graffiti-Sprayern. Ihre Werke werden beim Rundgang durch die historischen Backsteingebäude überall sichtbar. Echte Kunstwerke sind darunter.

„Hinter jeder Tür stecken neue Geheimnisse“, erzählt Christina Seghorn, die immer wieder mit potenziellen Investoren ihre Runden dreht und dabei „Geschichte atmet“. Etwa 20 Gebäude prägen den frühindustriellen Charme des riesigen Areals mit rund 65 000 Quadratmetern vermietbarer Bruttogeschossfläche. „Sirius“ hat einige Millionen Euro in das „spannende Projekt“ (Genath) gesteckt. Weitere werden folgen.

Zehn Prozent der Flächen sind bislang vermietet. Die Bremer „Lloyd Caffee GmbH“ hat am Fabrikenufer Rösterei, Verkaufsshop und Kaffeehaus eingerichtet. Echt bremisch. Zudem hat das Aus- und Fortbildungsunternehmen „Euro Schulen“ rund 1 150 Quadratmeter als Schulungsfläche angemietet.

Unverwechselbar: die vier Palmen als „Kaba“-Symbol.

Anfang des 20. Jahrhunderts hat der bekannte Architekt Hugo Wagner die Fabrikgebäude entworfen – im Auftrag von Kaffeekaufmann Ludwig Roselius. Das Kaffee-HAG-Werk gilt als eine der ersten automatisierten Fabriken Deutschlands sowie mit seiner Konstruktion und Architektur als für Europa wegweisender Eisenbetonbau. Walter Gropius lobte die „visionäre Einzigartigkeit“. Das Ensemble steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Landeskonservator Prof. Georg Skalecki spricht von einem „historisch wertvollen Gebäudekomplex“. Dessen Erhalt sei ein Beispiel für einen Sinneswandel in ganz Bremen. „Leichtfertiges Wegwerfen kultureller Objekte ist nicht mehr möglich.“ Für Skalecki ist Abriss ohnehin Schwachsinn. „Millionenwerte dürfen nicht auf die Bauschuttdeponie gefahren werden.“ „Sirius“-Manager Heiko Genath sagt, der historische Wert des HAG-Komplexes sei ein „Alleinstellungsmerkmal“. Und das sei für die Vermarktung unschätzbar wichtig. Ein Slogan lautet: „Fabrikschlote zu Lichtskulpturen“.

Ein Schmuckstück ist der 1914/15 ausgestattete Marmorsaal. Dort waren früher eine Kaffee-Probierstube und eine Direktionskantine untergebracht. Auch der Marmorsaal wird revitalisiert – und zu einem Festsaal umgebaut.

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