Prozessende am Landgericht Bremen

Lebenslang für brutalen Mord an Nachbarin

Bremen  - Von Vera Jansen. Sie waren Nachbarn, trafen sich und tranken zusammen. Ein letztes Treffen endete für eine 66 Jahre alte Frau in Bremerhaven im Februar 2013 tödlich. Für seine brutale Tat sitzt der Nachbar im Gefängnis - nach dem neuen Urteil jetzt lebenslang.

„Die Tat des Angeklagten ist nicht als Totschlag, sondern als Mord zu werten“, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel am Donnerstag vor dem Bremer Landgericht. Das Gericht verurteilte den 49 Jahre alten Angeklagten wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Die Kammer erkannte in dem Revisionsverfahren zudem auf die besondere Schwere der Schuld. Damit ist ausgeschlossen, dass der Angeklagte nach 15 Jahren vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen werden kann. Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert, ohne ein Strafmaß zu nennen. Gegen das Urteil ist erneut Revision möglich.

In allen Einzelheiten schilderte Lätzel den Tatabend in der Wohnung des Opfers. „Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte mit direktem Tötungsvorsatz handelte.“ Allein die Tritte und Schläge gegen den Kopf bis zur Bewusstlosigkeit seines Opfers hätten tödlich sein können. Sein anschließendes Handeln, dass zu schwersten inneren Verletzungen geführt habe, sei „menschenverachtend“, sagte die Richterin. „Man kann von einem Ausweiden des Opfers sprechen.“ Als gelernter Fleischer und Schlachter habe er gewusst, dass das tödlich war. Dieses „äußerst brutale Vorgehen“ sei Mord aus niedrigen Beweggründen.

Der Angeklagte habe in unbändiger Wut gehandelt, sagte Lätzel. Den Grund konnte das Gericht nicht klären. Der 49-Jährige schwieg wie im ersten Prozess. Nach der Tat habe er im Badezimmer der Frau geduscht und sich das Blut abgewaschen, sagte Lätzel. Mit der angebrochenen Branntweinflasche sei er dann in seine Wohnung gegangen. Von dort meldete er sich beim Notruf und erklärte, er mache sich Sorgen um seine Nachbarin, weil er sie lange nicht gesehen hätte. Den Rettungskräften öffnete er noch die Haustür des Mietshauses und zeigte ihnen den Weg zur Wohnung.

Der Frau konnte nicht mehr geholfen werden. „Sie hat das Bewusstsein nicht wieder erlangt“, sagte die Richterin. Der 49-Jährige verfolgte die Urteilsbegründung ohne Regung. Unentwegt schaute er die Richterin an, verzog aber keine Miene. Die vier erwachsenen Kinder des Opfers saßen wie im ersten Prozess als Nebenkläger im Gericht. Zu ihnen blickte der Angeklagte nicht ein Mal.

Der Bundesgerichtshof hatte den Richterspruch vom 7. Februar 2014 aufgehoben, in dem der 49-Jährige wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt worden war. Geprüft werden sollten neben Mordmerkmalen auch die Frage der Schuldfähigkeit und eine etwaige Unterbringung in der Psychiatrie. Aus Sicht der Gutachterin liege keine krankhafte, seelische Störung und auch keine sonstige Abartigkeit vor, sagte Lätzel. „Der Angeklagte muss als voll schuldfähiger Täter angesehen werden.“ Es gebe keine Voraussetzungen für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. An den 49-Jährigen gerichtet sagte Lätzel zum Abschluss: „Bleiben sie doch ein Mensch.“
dpa

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