Gefängnis und Maßregelvollzug

Frau in Bremerhaven erstochen- Zehn Jahre Haft für Ex-Mann

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Der 44-jährige Angeklagte (Mitte) wurde zu sehn Jahren Haft verurteilt.

Bremen - Von Steffen Koller. „Sie haben die Wahl: Sie leben.“ Mit diesen Worten endet am Mittwoch der Prozess gegen einen 44-Jährigen aus Bremerhaven, der seine Ex-Frau (42) im März 2016 mit zwei Messerstichen getötet hat. Das Landgericht Bremen verurteilt den Mann wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von zehn Jahren, sieben davon muss der Mann in einer Entziehungsanstalt absitzen. Während der Angeklagte das Urteil ohne Regung aufnimmt, weinen Angehörige der Getöteten bitterlich.

Wut, Trauer, Hilflosigkeit: Als Beamte den Angeklagten aus dem Saal 231 des Bremer Landgerichts führen, scheinen die Emotionen greifbar. Die Schwester der Getöteten spricht mit stockender Stimme in eine TV-Kamera, wird kurz darauf unter Tränen von ihrer Anwältin in den Flur des Gebäudes geleitet. Andere der rund 40 Zuschauer halten sich an den Händen und sprechen einander Mut zu. Nur eine wirkt verloren. Übermannt von den Erinnerungen, die dieser Prozess immer wieder aufwühlt, steht die heute 18-jährige Tochter des Angeklagten in der Menschentraube. Hilflos schweift der Blick des zierlichen Mädchens über die Köpfe der Menschen. Ihr Vater ist auf dem Weg ins Gefängnis.

Tochter hielt ihre blutende Mutter fest im Arm

Es ist der Mann, der nicht nur die Mutter der jungen Frau getötet hat, als er im März zweimal mit einem Küchenmesser auf die 42-Jährige einstach und dann flüchtete. Es ist auch der Mann, der sie und ihre zum Tatzeitpunkt sieben Jahre alte Schwester mit der sterbenden Mutter alleine ließ. Während Blut aus der Lunge der Frau lief und die gelernte Dolmetscherin im Wohnzimmer des Mehrfamilienhauses um ihr Leben kämpfte, hielt die Tochter ihre Mutter fest im Arm. Drei Wochen später stellten die Ärzte den Tod des Opfers fest.

Nach Auffassung des Gerichts soll der Angeklagte nach einer durchzechten Nacht am Morgen des 13. März 2016 die gemeinsame Wohnung des geschiedenen Paares aufgesucht haben. Seine Frau, die, wie der Mann betont, trotz seines Alkohol- und Drogenkonsums zu ihm hielt, habe ihn trösten und dazu bewegen wollen, professionelle Hilfe anzunehmen. Kurz darauf folgten die tödlichen Stiche in die Brust der Frau, bei denen der Angeklagte „den Tod der Geschädigten billigend in Kauf nahm, um seine Wut abzureagieren“, heißt es in der Urteilsbegründung. Obwohl der Mann gewusst habe, dass seine Ex-Frau eine schwere Vorerkrankung der Lunge hatte, habe er sie liegenlassen, sei geflüchtet.

Erst zwei Monate vor der Tat aus dem Gefängnis entlassen

Erst als er vom Tod der 42-Jährigen erfuhr, stellte er sich der Polizei. Der Mann sagt bis zum Schluss, er habe „aus Versehen“ zugestochen. Doch das Gericht urteilt anders und bleibt über der Forderung der Staatsanwaltschaft von neuneinhalb Jahren – auch aufgrund eines Geständnisses, dass „eine Menge Fragen offen ließ“. Der Mann habe „unstreitig mit bedingtem Tötungsvorsatz“ gehandelt und das während einer laufenden Bewährung. Erst zwei Monate vor der Tat war er aus dem Gefängnis entlassen worden.

Mit einem Appell wendet sich die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel abschließend an den Angeklagten: „Sie haben so vielen Menschen Leid zugefügt. Seien Sie sich dessen bewusst. Wenn Sie aufgeben wollen, denken Sie daran. Sie haben die Wahl. Sie leben.“ Besonders für die siebenjährige Tochter sei der Verlust der Mutter bis heute unbegreiflich. Oft frage sie: „Wo ist Mama hin?“

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