Bremer Start-up fertigt Unikate

Urnen aus dem 3D-Drucker

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Jeanette Sunder von der Firma „Kristallbestattung“ bringt Erinnerungskristalle mit der Taschenlampe zum Leuchten.

Bremen - Von Vera Jansen. Selbstverwirklichung und Individualität bestimmen das Leben vieler Menschen, entsprechend einzigartig soll dann die Bestattung sein. Ein Bremer Start-up liefert dazu Urnen-Unikate aus dem 3D-Drucker. Gespeist wird die Maschine mit persönlichen Daten des Verstorbenen. Das kleine Unternehmen stellt sich auf der Kongressmesse „Leben und Tod“ vor, die am Freitag auf dem Bremer Messegelände begonnen hat.

Keine der weißen Urnen mit dunklem Holzdeckel gleicht der anderen, denn die Exemplare des Bremer Start-up-Unternehmens „Opal-Postforma“ sind allesamt Unikate aus dem 3D-Drucker. „Jede Urne ist individuell und bringt die Einzigartigkeit des Menschen hervor“, sagt Produktdesigner Peter Schwartz (32), der die Firma gemeinsam mit Betriebswirtin Karolina Kraus (26) gegründet hat. Für die aus abbaubarem Kunststoff bestehende Urne werden digitale Algorithmen mit Namen, Geburts- und Todesdaten des Verstorbenen genutzt. „So entstehen unterschiedliche Ausformungen des Gehäuses“, erläutert Schwartz. Der Trend zur Feuerbestattung mit Urnenbeisetzung erhöht auch die Nachfrage nach Urnen. Deswegen rechnen sich die beiden Jungunternehmer auch Marktchancen aus. „Es ist jedes Mal ein Unikat, die Kunden können die Urne selbst zusammenstellen“, sagt Kraus. Ab Juli soll sie am Markt eingeführt werden.

Karolina Kraus und Peter Schwartz vom Urnen-Hersteller „Opal“ stellen ihre 3D-Urnen auf der Messe „Leben und Tod“ im Bremer Messezentrum vor. Diese Urnen-Unikate werden aus einem biologisch abbaubaren Kunststoff mit 3D-Druckern produziert.

Mit ersten Bestattern sei bereits eine Zusammenarbeit vereinbart worden, über die dann ein Auftrag erfolgen kann. Der Preis für die Urne werde zwischen 700 und 800 Euro liegen, so Schwartz. Nach seinen Angaben gibt es noch einen weiteren deutschen Hersteller, der Urnen mit 3D-Druckern produziert.

Jeanette Sunder von der Firma „Kristallbestattung“ bringt auf der Messe Erinnerungskristalle mit der Taschenlampe zum Leuchten. In die gläsernen Formen wurde in einer Glashütte die Asche eines Verstorbenen eingearbeitet. Auf Wunsch können die Angehörigen der Herstellung beiwohnen.

60 Prozent der Toten werden eingeäschert

In Deutschland gibt es jährlich etwa 890.000 Tote. Mehr als 60 Prozent von ihnen werden eingeäschert. Es gebe die Entwicklung hin zur Feuerbestattung, so Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur und Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. Und es gebe einen Trend zu pflegefreien Grabanlagen. Nach einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Kuratoriums wollen 35 Prozent der Befragten eine Urnenbestattung auf dem Friedhof, 22 Prozent in einem Bestattungswald.

„Trauer braucht einen Ort und einen Raum. Den sehen wir präferenzmäßig auf dem Friedhof“, sagte Wirthmann. Die Friedhöfe müssten aber individueller werden und mehr Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Wirthmann gehört zu den Referenten auf der Fachmesse und spricht über den Wandel des Bestattungsverhaltens in Deutschland. Wettbewerb und Kostendruck machen demnach den Bestattern zu schaffen. „Der Markt lebte viele Jahrzehnte von der bürgerlichen Mitte“, sagt er. Deren Anteil ist aber von einst bis zu 85 Prozent auf etwa 70 Prozent geschrumpft. Wegen des zunehmenden Anteils von Angehörigen mit begrenzten Finanzen wachse der untere Bereich gewaltig. „Wir haben zwar mehr Bestattungen, aber es wird pro Auftrag weniger ausgegeben.“

Die reine Bestattung vom Eintritt des Todes bis zur Beerdigung kostet laut Wirthmann zwischen 2500 und 4000 Euro. Hinzu kämen Folgekosten wie Grabstelle, Grabstein, Grabpflege von 800 bis zu 8000 Euro.

dpa

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