Deutsches Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven zeigt Sonderausstellung zum Thema „Nordlandreise“

Urlaub im Kielwasser des Kaisers

Ein Nordlandreiseplakat aus Kaisers Zeiten – im Jahr 1913 für den Norddeutschen Lloyd gestaltet von Otto Amtsberg.

Bremen - Von Thomas KuzajBREMERHAVEN · Zu Kaisers Zeiten waren sie die Krönung der touristischen Welt – zumindest aus deutscher Sicht. Kaiser Wilhelm II. liebte Nordlandfahrten, und wer es sich erlauben konnte (oder meinte, das tun zu müssen), der reiste wie der Kaiser. Jetzt zeigt das Deutsche Schiffahrtsmuseum eine Ausstellung zum Thema.

Titel der Schau: „Nordlandreise – Die Geschichte einer touristischen Entdeckung“. Es handelt sich um eine Wanderausstellung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums, das die Geschichte des deutschen Norwegentourismus ausführlich nachzeichnen möchte.

Und da gibt es viele Verbindungen zu Bremen. Wenn Kaiser Wilhelm II. im Sommer mit seiner weißen Yacht „Hohenzollern“ Norwegens Fjorde erkundete, dann folgten ihm nicht allein Höflinge, Hofberichterstatter und Künstler. Es folgte ihm eben auch wohlhabende deutsche Touristen aus Bürgertum und Adel, die mal einen Blick auf den Urlaubskaiser werfen wollten. Einmal den Kaiser sehen, ihn vielleicht gar treffen – das waren die Urlaubssehnsüchte jener Tage.

Und hier kam – neben anderen – der Norddeutsche Lloyd (NDL) ins Spiel, sprich: ins Geschäft. Der NDL bot sommerliche Kreuzfahrten ins kaiserliche Feriengebiet an – Urlaub im Kielwasser des Kaisers. Der hielt sich zwischen 1898 und 1914 alljährlich wochenlang in Norwegen auf. Dass ihm so viele deutsche Touristen nachfolgten, schmeichelte dem Kaiser natürlich.

Den Kaiser führte „die Faszination der grandiosen Landschaft ebenso wie seine mythisch verklärte Verehrung für die nordische Kultur mit ihren Göttern, Sagen und Tugenden der Nordmänner“ in die Ferne, heißt es bei den Ausstellungsmachern. „Am meisten liebte er den Sogne fjord, wo er tatkräftig den Ausbau einer touristischen Infrastruktur förderte. Hotels, die er besuchte, gibt es dort heute noch, und auch die Skulpturen mit Darstellungen von nordischen Sagenfiguren, die er nach seinen Vorstellungen hatte anfertigen lassen.“ Die „Nordlandreise“-Ausstellung vereint Landschaftsgemälde der Romantik und deutsche Marinemalerei, historische Fotografien und Filme, Reiseplakate namhafter Grafiker und Schiffsmodelle – sowie Inszenierungen mit Reiseutensilien, Souvenirs und Kunstgewerbeartikeln.

Kuratorin der Schau ist Dr. Sonja Kinzler. Als Schirmherr tritt Morten Paulsen auf, der Generalkonsul des Königreichs Norwegen in Hamburg.

Schließlich schlägt die Ausstellung auch den Bogen in die Gegenwart. Die Reisen zu Kaisers Zeiten gelten als „Initialzündung des deutschen Norwegentourismus“. Die Nordlandrouten, oft auf den historischen Postschiff linien, zählen zu den Klassikern des Kreuzfahrtgeschäfts. Die Ausstellung thematisiert auch die „Kraft-durch-Freude“-Fahrten in der Zeit des Nationalsozialismus. Zu den Exponaten aus dem eigenen Bestand des Deutschen Schiffahrtsmuseums gehört ein Modell des KdF-Schiffs „Wilhelm Gustloff“.

In die Gegenwart führen Aspekte wie der in den 70er und 80er Jahren einsetzende Alternativtourismus nach Norwegen – und die Betrachtung der modernen Fährverbindungen zwischen Kiel und Oslo. Die Ausstellung gibt Antworten auf die Frage, wie der Tourismus das Bild Norwegens in Deutschland prägte.

· Das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven zeigt die Ausstellung „Nordlandreise“ bis zum 1. Mai 2011. In der Wintersaison öffnet das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

WWW.

nordlandreise.info

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