Auf dem 52 Meter hohen Schlachthof-Schornstein dreht sich ein Windrad

Ein urbanes Pilotprojekt

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Umweltsentaor Joachim Lohse (l.) und SWB-Chef Torsten Köhne drücken auf den roten Knopf – und schon dreht sich die Windturbine auf dem Schlachthof-Schornstein.

Bremen - Von Jörg Esser. Für Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) ist es „neues Wahrzeichen für Findorff“. Torsten Köhne, Chef des Bremer Versorgers SWB, spricht von einem „Kunstwerk“.

Und im Schlachthof nennen sie das vertikalachsige Windrad, das sich seit gestern auf dem Schornstein des Kulturzentrums dreht, einfach nur „Quirl“. Wie auch immer: Projektleiter Ralf Manke hat einen „ästhetischen Akzent im Stadtbild“ gesetzt.

Der „Quirl“ ist Bremens erste urbane Windkraftanlage und den Angaben zufolge deutschlandweit das erste Windrad auf einem Ziegelschornstein. „Hier ist eine sichtbare Silhouette der Energiewende im Stadtbild entstanden“, formulierte es der Senator. Und weiter: „Es ist das sichtbarste Projekt, das bislang aus dem Klimafonds gefördert wurde.“

Mit der Idee, den 52 Meter hohe und 105 Jahre alten Industrieschornstein als Unterkonstruktion für ein Windrad zu nutzen, ist Ingenieur Manke („dynamo – urbane Windkraft“) vor zweieinhalb Jahren auf Matthias Otterstedt, Baubeauftragter des Kulturzentrums Schlachthof, zugekommen. Und damit er sozusagen offene Türen eingerannt. Die beiden bastelten und planten gemeinsam mit Statiker Eckard Wittler an einer passenden Konstruktion und einem entsprechenden Windanlagenmodell. Am Donnerstag ist der gut 500 Kilo schwere „Quirl“ per Kran installiert worden, nachdem zuvor ein Betongewicht in den Schornstein eingefädelt wurde. „Das hat das grazile Mauerwerk stabilisiert“, sagte Manke.

Der Projektleiter ist mehr als zufrieden. „Das hat alles perfekt geklappt.“ Und auch Otterstedt schwärmt: „Ein Wahrzeichen fossiler Verbrennung ist zum Leuchtturm des ökologischen Energiewandels geworden.“

Das urbane Turbine solle zudem als Pilotanlage dienen, um weitere Stadtwind-Projekte anzuschieben, heißt es. Die vom Umweltressort initiierte Bremer Umweltpartnerschaft finanziert den „Quirl“ aus dem netzwerkeigenen Klimafonds. Auch die SWB und der Schlachthof steuern Mittel bei. Die Gesamtkosten werden auf rund 35 000 Euro beziffert.

Geld lässt sich mit dem Windrad wohl kaum verdienen. Das Projekt sei „relativ weit weg von der Wirtschaftlichkeit“, sagt SWB-Chef Köhne. Aber das in diesem Falle zweitrangig. Rund 5 500 Kilowattstunden Strom produziert die Anlage, vermeidet dabei den Ausstoß von knapp fünf Tonnen Kohlendioxid.

Das Kulturzentrum Schlachthof steht nach eigenen Angaben seit seiner Gründung im Jahr 1981 für kreative Nutzungsideen. Wo einst heißes Wasser bereitet wurde, entstand ein Veranstaltungssaal. Die Kesselhalle, der alte Wasserturm, wurde ausgebaut. Eine Kneipe zog ins Gebäude. Der Schornstein wurde in die Umnutzung einbezogen, auf drei Ebenen wurden Öffnungen hineingeschnitten und durch eine Wendeltreppe mit dem Gebäudeinneren verbunden.

Und vor zehn Jahren wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des Kesselhallengebäudes installiert. Auf einer Fläche von 30 Quadratmetern werden seither pro Jahr etwa 2 500 Kilowattstunden Strom erzeugt. Solar- und Windanlage schaffen also künftig rund 8 000 Kilowattstunden. Und das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von zwei Vier-Personen-Haushalten, sagt Köhne.

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