Bremer Astronauten-Ausstellung lässt Besucher Schwerelosigkeit erleben

„Up to Space“ im Universum

Mit der „Greenscreen“ zur ISS „gebeamt“ werden – die Physikerin Dr. Kerstin Haller vom Universum zeigt, wie es geht.
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Mit der „Greenscreen“ zur ISS „gebeamt“ werden – die Physikerin Dr. Kerstin Haller vom Universum zeigt, wie es geht.

Bremen – Wonach riecht das Weltall? Nach Walnuss und den Bremsbelägen seines Motorrads, so jedenfalls hat der Astronaut Alexander Gerst den Geruch beschrieben. Der Sinneseindruck zählt zu den Ergebnissen eines Außenbordeinsatzes an der Internationalen Raumstation (ISS). Nachzuerleben ist er jetzt – allerdings ohne Schwerelosigkeit – im Bremer Wissenschaftscenter Universum.

Die Riechstation ist Teil der neuen Ausstellung „Up to Space – Raumfahrt im Universum“. Sie beginnt am Dienstag, 27. Oktober, und dauert bis zum 1. September 2021.

Auf 550 Quadratmetern vermischt sie sinnliches Erleben, wissenschaftliche Erkenntnis und pure Experimentierfreude. Sich einmal (wenigstens ein bisschen) wie ein Astronaut fühlen – im Universum (der Name ist hier buchstäblich Programm) ist das nun möglich.

Astronauten-Ausstellung am Raumfahrtstandort Bremen

Eine Astronauten-Ausstellung am Raumfahrtstandort Bremen – das lag eigentlich nahe, es lag förmlich in der Luft. Und mit der Berufung des Universum-Geschäftsführers Herbert Münder in den wissenschaftlichen Beirat des renommierten Pariser Musée de l’Air et de l’Espace kam dann richtig Schwung in die Sache. Münders Kooperationsanfrage stieß in Paris auf offene Ohren. Ergebnis der Kooperation ist – eben – die neue Ausstellung. Die hier präsentierten Objekte sind Leihgaben der Franzosen sowie der europäischen Weltraumorganisation Esa, des Raumfahrers Gerst und des Sammlers Tasillo Römisch.

Wie wird man Astronaut? Nicht so ohne Weiteres, das wird schon zu Beginn der Ausstellung deutlich. Etliche Fähig- und Fertigkeiten sind gefragt. Logisches Denkvermögen schadet nicht, ein Grundverständnis für physikalisch-technische Dinge auch nicht – schließlich muss ja auch mal etwas repariert werden am Raumschiff.

Aber Technik allein genügt nicht. Auch Sprachtalent und „interkulturelles Bewusstsein“ sind gefragt – schließlich geht es darum, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen auf einem sehr engen Raum unter sehr speziellen Bedingungen zusammenzuarbeiten und zusammenzuleben. Die Ausstellung führt dies an verschiedenen interaktiven Stationen vor Augen.

40 Originalobjekte und Augmented Reality im Bremer Universum

Apropos – neben 40 Originalobjekten vereint „Up to Space“ 30 interaktive Exponate, zehn Multimedia-Stationen und 15 Filme. Die für das Universum extra programmierte Augmented-Reality-App „App2Space“ erlaubt an neun Stationen Realitäts-Erweiterungen via Smartphone – etwa, um die ISS von innen zu erkunden.

Die „Schwindelröhre“ – hier mit Schüler Erik (10) – zeigt, wie im All der Gleichgewichtssinn irritiert wird.

Überhaupt, die ISS – in einem „Greenscreen“-Raum können Besucher sich in der Ausstellung auf die ISS „beamen“ lassen. Wieder und wieder werden wissenschaftliche Zusammenhänge mit Experimenten begreifbar gemacht. Besucher können Raketen starten lassen (Rückstoßprinzip!), ein Gesteinsfragment vom Mond berühren (kam als Teil eines Meteoriten zur Erde) und bei per Simulation reduzierter Schwerkraft mit VR-Brille gleichsam auf dem Mond umherwandern. Virtuell erlebt – und doch ein bisschen echt.

Das klingt fast unbeschwert und leicht, doch so ist die Arbeit auf dem Mond nun doch nicht. Die Bedingungen dort sind ja nicht gerade menschenfreundlich. Und dennoch ist der Mond wieder das Ziel des Menschen; das Servicemodul für das Nasa-Raumschiff „Orion“ baut Airbus in Bremen.

Reduzierte Schwerkraft im Bremer Univerum erleben

Sich auf dem Mond – oder überhaupt im All – zu bewegen, ist aber eben nicht leicht. Mit der Simulationsanlage für reduzierte Schwerkraft – wie in der Ausstellung zu erleben – trainieren Astronauten, mit den veränderten Bedingungen umzugehen. Überhaupt müssen sie sehr sportlich sein, auch darauf geht „Up to Space“ ausführlich ein. So ein Raumanzug macht einen Menschen ja nicht beweglicher. Vieles wirkt schwerer. Deutlich wird dies zuweilen an Kleinigkeiten. Mit Raumhandschuh im Vakuum nach einer Kugel greifen – puh, das kostet überraschend viel Kraft!

„Up to Space“ findet zwischen all der Wissensvermittlung wieder und wieder auch Raum für Unterhaltung – und für Raumfahrt-Devotionalien. Dazu zählt ein „Captain-Future“-T-Shirt, das Alexander Gerst im Juli 2018 trug, als er sich von der ISS aus per Live-Schaltung in einem Konzert der Band „Kraftwerk“ meldete. Ein T-Shirt, das schon im All war – faszinierend. Ob es dort auch den Geruch von Walnuss und Bremsbelägen angenommen hat, lässt sich in der Ausstellung allerdings nicht feststellen. „Captain Future“ ruht in einer Vitrine.

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