Unwissenheit verschreckt Jugend

„Pflege Connection macht Schule“ klärt auf

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Klaus Ziranek (v.l.) enttarnt Bakterien auf seiner Hand mittels Kunstlicht. Pamela Barber hat die Mittel, um Hygiene herzustellen, parat: Gummihandschuhe und Desinfektionsspray. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Profi-Blick auf die Hand: Klaus Ziranek hält diese unter eine spezielle Schwarzlichtbirne. Bakterien und Viren werden unter dem Kunstlicht als gelbe Punkte sichtbar. Das Gerät hilft bei der Ausbildung von Pflegern. „Im Alltag desinfiziert man sich jeden Tag hundertmal“, sagt seine Berufskollegin Pamela Barber. Da sei dann keine Schwarzlichtlampe mehr notwendig.

Beide sind im zweiten Lehrjahr in der Ausbildung zum Altenpfleger und haben bereits andere Ausbildungen hinter sich. Für sie ist Pflege ein Traumberuf. Im Rahmen des Projekts „Pflege Connection macht Schule“, das am Dienstag im Haus Schütting seine Ergebnisse präsentierte, halfen die beiden Azubis als Botschafter, junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern. Das einjährige Projekt unter der Federführung der Gesundheitswirtschaft Nordwest wurde mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bremer Wirtschaftsressorts unterstützt. Elf Auszubildende klärten über die Realität im Pflegebereich auf.

In diesem Bereich könnten 2030 bis zu 600.000 Fachkräfte fehlen. „Die Absolventen suchen sich ihre Arbeitgeber aus. Wenn sich bei mir jemand bewirbt, hat der noch vier weitere Stellen in der Hinterhand“, sagt Stefan Block, Geschäftsführer im Bereich Ambulante Pflege beim Arbeiter-Samariter-Bund Bremen.

„Viele glauben, man sei da noch schlechter bezahlt als Friseurinnen“

Hauptsächlich sei fehlendes Wissen der Grund dafür, warum viele Jugendliche den Pflegebereich mieden, sagt Projektleiterin Sarah Regelien vom Verein Gesundheitswirtschaft Nordwest. „Viele glauben, man sei da noch schlechter bezahlt als Friseurinnen und man könne von diesem Job nicht leben.“ Die Gehälter seien mittlerweile sehr hoch. Auch Block weist daraufhin: Pfleger verdienen mehr als viele Handwerker. Schon im ersten Lehrjahr gäbe es 1 040 Euro. Der Job sei auch durch die gerechtfertigte kritische Berichterstattung über schlechte Arbeitsbedingungen in ein schlechtes Licht geraten, sagt Regelien.

Falsch sei die Annahme, in der Pflege würde man den ganzen Tag nur Patienten waschen. „Die Leute sind überrascht, wie vielseitig die Arbeit ist. Pflegekräfte nehmen auch Blut ab oder messen den Blutzuckerspiegel. Das sind viele verantwortungsvolle Aufgaben“, sagt Regelien. Insgesamt wurden gut 1 000 junge Menschen auf Messen und in Schulen erreicht.

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