Preise für Baumaterial explodieren

Unkalkulierbares Risiko für Bremer Handwerker

Ein Dachstuhl mit Gerüst.
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Ein Dachstuhl wird ausgebaut: Hohe Baustoffpreise und Lieferengpässe bremsen das Handwerk in Bremen aus.

Hohe Baustoffpreise und Lieferengpässe bremsen das Handwerk in Bremen aus. Trotz voller Auftragsbücher und robuster Konjunktur droht in einigen Branchen Kurzarbeit.

Bremen – „Preise für Baumaterial explodieren“, „Baubranche geht das Material aus“ – die Schlagzeilen klingen dramatisch. Auch die Handwerksammer Bremen konstatiert eine schlechte Versorgungslage und Lieferengpässe.

Präses Thomas Kurzke fürchtet, dass der Materialmangel und die hohen Baustoffpreise die gute Handwerkskonjunktur ausbremsen. „Die Situation ist wirklich grotesk“, sagt Matthias Winter, Obermeister der Tischler-Innung Bremen. „Auf der einen Seite haben wir satt Aufträge, auf der anderen Seite können wir diese wegen des Materialmangels nicht abarbeiten.“ Die ersten Tischlereien überlegten, trotz voller Auftragsbücher Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken.

Die Baustoffpreise schnellen seit Herbst mit rasantem Tempo in die Höhe. Und das trifft vor allem die Bau- und Ausbaugewerke – Maurer, Tischler, Maler, Zimmerer, Dachdecker und auch Metallbauer. Die Holzpreise sind um 20 bis 25 Prozent gestiegen, die Preise für Mineralölerzeugnisse um 15 Prozent, die für Betonstahl um 30 Prozent. Oliver Brandt, Pressesprecher der Handwerkskammer Bremen, hat noch zwei „Extrembeispiele“ parat. Demnach haben die Preise für kunstharzbasierte Farb- und Lackprodukte um mehr als 60 Prozent angezogen und die für Metallbeschläge um mehr als 50 Prozent. Grobspan- oder OSB-Platten seien am Markt kaum noch zu bekommen, ergänzt Winter. Selbst bei Spanplatten und den überteuerten Beschlägen sei die Liefersituation äußerst angespannt. Präses Kurzke, selbstständiger Malermeister, berichtet, dass Lieferanten in diesem Jahr schon zum zweiten Mal die Preise erhöht haben. „Normalerweise werden die Preise einmal pro Jahr erhöht.“

Keine OSB-Platten mehr am Markt

Die Gründe für die Preisexplosionen seien vielschichtig, heißt es. Der erste Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 habe die Lieferkette eingerissen. Und beispielsweise auf dem Holzmarkt kommen diverse Faktoren hinzu. So hat der Borkenkäfer sich durch diverse Wälder gefressen. Die Folge: Schadholz kommt auf dem Markt und reduziert das Angebot. Zudem gibt es laut Tischler-Obermeister Winter eine enorme Nachfrage aus den USA, weil nach Handelskonflikten mit Kanada aus der Trump-Ära es aus dem Nachschub vom Nachbarn hakt. So kauften die Amerikaner jetzt in Europa ein und „zahlen astronomisch hohe Preise“. Und auch die chinesische Wirtschaft habe einen „enormen Hunger auf Holz aus Europa“.

Das alles führt häufig zu langen Bauverzögerungen. „Und das muss kommuniziert werden“, sagt Brandt. „Wer einen Bau oder Ausbau plant, sollte auf jeden Fall frühzeitig planen. Dass Handwerker kurzfristig Aufträge abarbeiten, ist in der derzeitigen Situation kaum noch möglich“, ergänzt Kurzke. Auch die Preisspirale dreht sich. Die Handwerker müssten die höheren Einkaufspreise für das Baumaterial weitergeben. Festpreise anzubieten, sei momentan für Handwerker oft ein unkalkulierbares Risiko. Kurzke weiter: „Wir sind alles andere als glücklich über die Lage, können aber nichts ändern.“

Festpreise sind unkalkulierbar

Und die Perspektiven? Die Situation mit den extremen Preissteigerungen bei den Baumaterialien werde sich noch verschärfen, sagt Brandt. Doch das Bremer Handwerk sei robust und gesund. Es werde keine strukturellen Probleme geben. Schließlich seien die Auftragsbücher gut gefüllt, weil viele Verbraucher Geld in die eigenen vier Wände steckten und wegen der niedrigen Zinsen auf dem Finanzmarkt „in Betongold investieren“.

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