Prozess um schwerverletzten Jungen 

Ein Unfall, viele Fragen

Der 27-jährige Angeklagte (Mitte) soll bei Rot über eine Ampel gefahren sein und dabei einen 13-jährigen Jungen erfasst und schwer verletzt haben. Vor dem Landgericht muss er sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Links sein Anwalt Martin Stucke. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Nachdem der Prozessauftakt gegen einen 27-Jährigen wegen versuchten Totschlags am Landgericht Bremen mit tumultartigen Szenen begonnen hatte (wir berichteten), trat das Gericht am Freitag in die Beweisaufnahme ein. Gleich fünf direkte Zeugen schilderten den schweren Unfall im Juni dieses Jahres, bei dem ein 13-jähriger Junge schwer verletzt wurde. Fahrer des Wagens soll der Angeklagte gewesen sein.

Er habe an der Kreuzung Julius-Brecht-Allee/Konrad-Adenauer-Allee bei Rotlicht der Ampel in den Mittagsstunden mit einem Opel Astra den Schüler erfasst, der bei Grün die Straße überquerte. So sieht es jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Der Junge flog dabei 15 Meter durch die Luft und erlitt schwerste Kopfverletzungen – nur eine Notoperation, bei der auch der Schädel des 13-Jährigen geöffnet werden musste, rettete sein Leben. Laut Staatsanwaltschaft stieg der Angeklagte aus dem Wagen, ging fast bis zum lebensgefährlich verletzten Kind, drehte um und fuhr im Auto davon. Die Anklagebehörde geht daher von versuchtem Totschlag aus.

„Dann flog der Junge durch die Luft"

Bis auf kleine Abweichungen zeichnen alle Augenzeugen ein ähnliches Bild vom Unfallhergang. Der Fahrer eines silberfarbenen Wagens, so die Ausführungen, sei „definitiv mit zu hoher Geschwindigkeit angeschossen“ gekommen, formuliert ein 59-Jähriger, der direkt an der Haltelinie wartete. „Dann flog der Junge durch die Luft. Ich war total schockiert.“ Ein anderer Mann (55), den die Erinnerungen noch immer stark zu schaffen machen, berichtet unter Tränen, der Fahrer habe „den Gang hochgerissen“. „Ich dachte noch: ,Oh Gott, ist der schnell‘ “. Wie schnell der Astra tatsächlich war, können die Zeugen nicht sagen – Schätzungen reichen von 50 bis 80 km/h. Vier von fünf erinnern, der Mann habe „definitiv“ Rot gehabt und kein Bremsmanöver vollzogen.

Ob es sich beim Fahrer um den 27-jährigen Angeklagten handelt, ist bisher nicht klar. Keiner der Zeugen erkennt den Angeklagten zweifelsfrei wieder. Übereinstimmend heißt es, der Fahrer habe „südländisch oder arabisch“ ausgesehen, sei „stämmig bis füllig“ gewesen und etwa 1,70 bis 1,80 Meter groß. Für die Staatsanwaltschaft ist es sicher, dass es der Angeklagte war, der sich vom Unfallort entfernte und so den Tod des Schülers billigend in Kauf nahm. Auf das Fahrzeug, bei dem es sich um einen Mietwagen handelte, hatten alle Angehörigen des Mannes Zugriff, so dass es für das Gericht insbesondere darauf ankommen wird zu beweisen, ob er tatsächlich der Fahrer war oder nicht. Das Auto wurde vier Tage nach dem Unfall im Zuge der Fahndung bei einem Import/Export-Unternehmen sichergestellt. Seitdem sitzt der 27-Jährige in Untersuchungshaft.

Dem Angeklagten, der sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußert, drohen bei einer Verurteilung mindestens fünf Jahre Haft. Am Mittwoch, 30. November, wird der Prozess fortgesetzt. Mit einem Urteil ist nach jetzigem Stand Ende Februar zu rechnen.

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