„Intimer Kenner der Raumfahrt“

Unendliche Weiten: Astronaut Thomas Reiter beim Unternehmerforum

+
Raumfahrer, beurlaubter Brigadegeneral der Luftwaffe und Esa-Koordinator: Das Unternehmerforum hatte sich mit Thomas Reiter einen wahren Experten zum Thema Weltraumforschung ins Haus geholt.

Bremen - Unendliche Weiten – unendliche Möglichkeiten? Seit Jahrzehnten erforscht der Mensch das Weltall und ist damit noch lange nicht am Ende. Dr. Thomas Reiter (61), Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), ist einer von ihnen. Am Dienstag war der erste Deutsche, der einen Weltraum-ausstieg wagte, zu Gast beim 32. Unternehmerforum im Bremer Park Hotel.

Schläuche, Boxen, Kabel, dazwischen schmale Gänge und Labore – ein Blick in eine Raumstation aus dem Jahr 2006 mag für den Laien nach Chaos aussehen. Nach Durcheinander und wenig Ordnung. Doch dort, wo auch Thomas Reiter einst war, habe alles seinen Platz, versichert der 61-Jährige am Dienstagnachmittag vor mehreren hundert Gästen. Er ist Hauptredner zum Thema „Zukunftsmarkt Weltraum – Die Chancen der Raumfahrt für den Industriestandort Deutschland“ und ein „hervorragender Repräsentant der Raumfahrt“, kündigt ihn Lutz Oelsner, Präsident der Unternehmensverbände Bremen, an. Von Conelius Neumann-Redlin (ebenfalls Unternehmensverbände) wird Reiter als „intimer Kenner“ von alledem genannt, was „Raumfahrt ausmacht“. Und ja, Reiter ist Kenner durch und durch. Schließlich hat er insgesamt mehr als 350 Tage im All verbracht.

In seinem Vortrag „Die Internationale Raumstation (ISS) – Sprungbrett für Exploration und New Space Economy“ wird deutlich, welchen Stellenwert die Erkundung des Weltraums für den Menschen auf der Erde hat – und haben wird. Vieles, so Reiter, sei den meisten Menschen im Alltag gar nicht (mehr) bewusst. Er nennt Themen wie Telekommunikation, Navigation, aber auch Wetteraufzeichnungen. Und doch stecke noch so viel mehr in den unendlichen Weiten des Alls.

Seit Beginn der Raumfahrtzeit wurden, so Reiter, etwa 8000 Satelliten in den Weltraum befördert – in den kommenden fünf Jahren könnten weitere 50.000 bis 60.000 starten. Allein in Bremen beschäftigt die Raumfahrtbranche etwa 12.000 Angestellte in rund 140 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von geschätzten vier Milliarden Euro. Hinzukommen mehr als 20 wissenschaftliche Institute. Es sind Zahlen, die verdeutlichen: Das ist der Markt der Zukunft.

Reine Zahlen auf der einen, konkrete Projekte auf der anderen Seite zeigten, wie vielseitig der Weltraum sei und welche Möglichkeiten er biete, so Reiter. Ob Medizintechnik, Materialforschung, Verbrennungsvorgänge oder Zeitmessung mittels Atomuhren – die Palette der Forschungsthemen scheint schier unendlich. 70 Prozent der Zeit auf einer Raumstation würde für ebenjene Forschung aufgewandt, 30 Prozent, „um den Laden am Laufen zu halten“, sagt der ehemalige Jet-Pilot. Mittlerweile werde im All an Behandlungen gegen Osteoporose und Immunschwächen, am Einsatz von Künstlicher Intelligenz und an Verbundstoffen gearbeitet, die unter Erdbedingungen zerstört werden würden. Hinzu kommen laut Reiter Rohdaten, „die jede Vorstellungskraft sprengen“.

Auch wenn sich heute bereits zahlreiche Unternehmen und Start-ups dem Thema All verschrieben haben, gebe es dennoch Lücken, was die Forschung betreffe. Insbesondere der Mond, den der ehemalige Brigadegeneral der Luftwaffe als „Sprungbrett zur Erforschung des Sonnensystems“ bezeichnet, sei bislang stiefmütterlich behandelt worden – jedenfalls auf europäischer Ebene. Dies müsse sich ändern, hier müsse nachjustiert werden, fordert Thomas Reiter und fügt an: „Der Mond ist der Planet der Zukunftsforschung.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trotz Heimpleite: Frankfurt zieht in K.o.-Runde ein

Trotz Heimpleite: Frankfurt zieht in K.o.-Runde ein

US-Sanktionen gegen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

US-Sanktionen gegen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

Wir sind die Generation Sandwich, na und?

Wir sind die Generation Sandwich, na und?

Weihnachtsgeschenke gekonnt loswerden

Weihnachtsgeschenke gekonnt loswerden

Meistgelesene Artikel

Nach Abschiebung von Miri: Polizisten fürchten Druck aus dem Clan-Milieu

Nach Abschiebung von Miri: Polizisten fürchten Druck aus dem Clan-Milieu

Eisbären-Babys in Bremerhaven: Valeska bringt Zwillinge zur Welt

Eisbären-Babys in Bremerhaven: Valeska bringt Zwillinge zur Welt

Brand in Bremerhaven: Während des Notrufs geht Wohnungstür zu Bruch

Brand in Bremerhaven: Während des Notrufs geht Wohnungstür zu Bruch

Die Seilbahn für Bremen ist beerdigt

Die Seilbahn für Bremen ist beerdigt

Kommentare