„Und tschüss“

Letzte Auflage der „Musikschau der Nationen“ in Bremen

Bläser vom Zentralorchester des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation unter Leitung von Sergey Durygin intonierten natürlich auch „Moskau“ von „Dschinghis Khan“. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Aus. Schluss. Vorbei: Mit der 53. Auflage der „Musikschau der Nationen“ endet ein Stück Bremer Kulturgeschichte. Zur Premiere der endgültig letzten Show kamen mehr als 2100 Besucher in die Stadthalle (ÖVB-Arena) und sahen einen Auftritt, der wehmütig stimmte, aber tolle Unterhaltung bot.

„The Final Countdown“ – passender hätten die Organisatoren das Eingangsstück zur letzten Aufführung der „Musikschau der Nationen“ kaum wählen können. Das „Große Finale“ ist gekommen und eine Ära geht somit zu Ende.

53 Jahre lang strömten mehr als 1,7 Millionen Zuschauer zur größten Indoor-Blasmusikveranstaltung Europas und machten die Show damit zu dem, was sie heute ist: „Ein beeindruckendes Zeichen der Völkerverständigung“, wie Isa Nolle, Bremer Landesgeschäftsführerin des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, betont.

Um Töne ging es mehr als ein halbes Jahrhundert und auch beim Finale treffen die Musiker die selbigen mit einer Präzision, die einen erstaunen lässt.

Ein einsamer Schlagzeuger sitzt fast verloren auf der großen Fläche der ÖVB-Arena, ganz einsam schlägt er das Becken an. Das Licht gedimmt, scheint es fast so, als würde die Halle „Und tschüss“ sagen und die Trompeter, Trommler, Klarinettenspieler und Posaunisten ein letztes „Lebe wohl“ ins Innere der Metallkonstruktion hauchen.

Doch für Abschiedsschmerz ist wenig Platz. Einen Moment später versammeln sich mehr als 70 Musiker, laufen von einer Ecke zur nächsten und stimmen im Takt des musikalischen Leiters Lutz Bammler das „Große Finale“ an. Mehr als zwei Stunden entführen die Teilnehmer aus acht Nationen das Publikum auf eine Reise der Kulturen – mal modern interpretiert, mal traditionell, mal ausgeflippt und grell. Doch alle mit dem Anspruch, die letzte Premiere zu einer ganz besonderen werden zu lassen. 

Anmutig starten die Finnen ihr Programm, das von Nordlichtern auf einer großen Leinwand begleitet wird. Nebel steigt auf und mystische Klänge erfüllen den Saal, als kurze Zeit später Schlachtrufe über die Ränge hallen und schneeweiße Anzüge auf und ab marschieren. Ist es für die Musiker aus dem hohen Norden eine Premiere, sind „The Owl Town Pipe and Drum Band“ aus Peine bereits „alte Bekannte“ bei der Musikschau, verrät Moderator Norbert Kuntze dem Publikum. Die Band, die sich der schottischen Musik verschrieben hat, überzeugt mit filigranen Trommelsolos, die immer wieder durch tiefe Basstöne unterbrochen werden, bevordie Dudelsäcke auch das Stimmungsbarometer in den Sitzreihen ordentlich nach oben treiben.

Das stimmungstechnische Fass zum Überlaufen bringen kurz darauf die Mexikaner, die so wild und animalisch die Bühne betreten, dass einem kurz der Atem stockt. Lautes Geschrei wird von unbändigen Tanzeinlagen begleitet, eine Opernstimme singt folkloristische Texte in die Menge, während die Tänzer ihren ausschweifenden Kopfschmuck so durch die Luft werfen, dass Metal-Fans neidisch werden könnten.

So unterschiedlich die einzelnen Aufführungen, so farben- und lebensfroh zeigt sich die Show seit 1965. Damals noch als „Militärmusikschau“ ins Leben gerufen, begeisterten in 53 Jahren mehr als 32.000 Musiker aus knapp 60 Nationen das Publikum – bei 270 Vorstellungen.

„Musikschau der Nationen“ in Bremen

„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller
„Musikschau der Nationen“ in Bremen © Mediengruppe Kreiszeitung / Koller

Doch alles scheint ein Ende zu finden. So auch diese Show, die mit einem einfachen, aber umso sympathischeren „Und tschüss“ auf immer von Bremens Bühnen verschwindet – also fast. Drei Termine stehen noch an. Am Sonnabend um 14.30 und 19.30 Uhr und am Sonntag 14.30 Uhr. Dann ist aber wirklich Schluss.

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