Musicaltheater-Prozess: Opfer sagt aus

„Und dann bin ich geflogen“

Bremen - Von Judith ChristiansenBREMEN · „Wie geht es Ihnen heute?“, fragte die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel gestern das Opfer, das vergangenes Jahr im Spätsommer über die Brüstung im Musical-theater geworfen wurde. „Nicht so besonders“, antwortete der Mann.

„Am Anfang konnte ich nicht alleine vor die Tür. Ich habe Menschenmassen und die Innenstadt gemieden“, fuhr er fort. Und: „Früher habe ich die Leute neutral gesehen. Heute habe ich eine gewisse Angst.“

Wegen der Tat sind zwei 24-jährige Männer vor dem Bremer Landgericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie sollen das Opfer am 30. August 2009 über die Brüstung im Bremer Musicaltheater geworfen haben, so dass der Mann 5,24 Meter in die Tiefe fiel. Dem Fall soll ein Streit vorausgegangen sein. Der Mann habe mehrere Faustschläge ins Gesicht bekommen und sich nicht wehren können, heißt es.

Das Opfer ist Nebenkläger in diesem Prozess und machte gestern seine Aussage: „Ich wurde angerempelt. Dann gab es eine Rangelei, und ich kriegte eine Flasche oder ein Glas an den Kopf. Dann ging es schon los. Ich bekam Faustschläge. Dann war ich am Geländer, die Schläge haben nicht aufgehört. Ich habe versucht, mich festzuhalten. Meine Hände wurden gelöst. Ich merkte, dass meine Beine gelöst wurden, dann bin ich übers Geländer geflogen. Nach dem Aufprall kann ich mich an nichts erinnern. Ich bin im Krankenhaus wieder aufgewacht.“ Wer seine Beine gelöst und ihn über die Brüstung geworfen habe, könne er allerdings nicht sagen. Zu dem Zeitpunkt sei er schon so weit über das Geländer geschoben gewesen, dass er das nicht habe sehen können, weil sein Blick nach oben gerichtet gewesen sei.

Er hat nach eigenen Angaben drei Brüche im Gesicht davongetragen, eine angerissene Halswirbelsäule, eine Hirnblutung, einen Trümmerbruch im Handgelenk, ein dickes Knie, eine Gehirnerschütterung sowie Schnitt- und Platzwunden. Noch heute könne er das Knie nicht voll belasten. Etwa zehn Tage hat der Mann im Krankenhaus gelegen. Noch heute befindet er sich in psychiatrischer Behandlung.

Am ersten Prozesstag ließ einer der Angeklagten über seinen Anwalt erklären, dass er sich an die eigentliche Tat nicht erinnern könne, sie weder zugeben noch abstreiten könne. Der andere Angeklagte, der zunächst nichts sagte, ließ gestern eine Erklärung abgeben: „Natürlich bedauert mein Mandant, dass der Nebenkläger unter den Geschehnissen vom 30. August noch leidet. Aber entschuldigen kann er sich nicht, weil er bestreitet, Täter oder Mittäter gewesen zu sein.“

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