Unaufdringlich süß 

Schokolade und Marmelade: Hermann Schepers entwickelt Stevia-Produkte

Die Regale stehen bereit: Hermann Schepers zeigt Marmeladen im Lager am Firmensitz in Walle. Der Bremer entwickelt Marmeladen und Schokolade mit Stevia statt Zucker. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Der ehemalige Kapitän Hermann Schepers erkundete die Einsatzmöglichkeiten des Süßungsmittels Stevia in Südamerika und China, bevor es in Europa bekannt wurde. Nach zweieinhalb Jahren Entwicklung präsentiert er jetzt stolz vier eigene Marmeladen und ebensoviele Schokoladen. Parellel dazu lässt er sich seit ein paar Jahren mit seinem Unternehmen „Stevialine“ Produkte für große Unternehmen, darunter namhafte Hersteller von Tee, einfallen.

Seine Vollmilchschokolade schmeckt nicht übertrieben süß und erzeugt ein enormes Sättigungsgefühl. Das hält den Konsum in Grenzen verglichen mit durchschnittlicher Vollmilchschokolade. Eine 80-Gramm-Tafel enthält 26 Gramm Ballaststoffe, zehn Gramm Kohlenhydrate, davon 8,8 Gramm Zucker aus der Milch und anderen Zutaten. „"Stevia-Blätter sind etwa 20-mal, der Extrakt bis zu 450-mal so süß wie Zucker. Um das Volumen auszufüllen, braucht man mehr von den anderen Zutaten“, erklärt Schepers. Auch entwickelt hat er Bitterschokolade mit oder ohne Orangenmandarinenstückchen sowie Vollmilchschokolade mit gerösteten Mandeln.

Dass Stevia Platz für andere Zutaten lässt, merkt man durchaus auch seiner Erdbeer-Himbeer-Marmelade an. Sie schmeckt mit 90 Prozent Fruchtanteil ausgesprochen natürlich und ist angenehm, aber in keiner Weise aufdringlich süß. 100 Gramm haben 90 Kalorien, weniger als die Hälfte vieler Konkurrenzprodukte. Weitere Sorten sind Süß-Sauerkirsch, Mango-Passionsfrucht und Roter Weinbergpfirsich.

Ein interessanter Ersatz für Zucker ist „Süßes Granulat“. Das weiße Pulver lässt sich genauso wie Zucker verwenden. Es ist praktisch frei von Kalorien, Kohlenhydraten und Fetten und besteht nahezu ausschließlich aus Ballaststoffen. Der Geschmack des Granulats liegt irgendwo zwischen Zucker und Süßstoff. „Es ist auch viel schonender für die Zähne“, sagt Schepers.

Schepers (50) vertreibt seine Produkte unter der neuen Handelsmarke „Oh! Lecker“. Für den Vertrieb seiner und weiterer Produkte hat er zudem die Firma „Made in Germany Food“ (MIGFO) gegründet. Die Fruchtaufstriche sind bereits zu haben, die Schokoladen folgen Ende November. Schepers will gleich drei Tonnen bereitstellen. Vollmilch und Zartbitter gibt es schon im Probierpack. Edeka und Rewe haben schon Schokoladen bestellt. Hinter den Produkten steckt viel Erfahrung und internationale Recherche.

Schepers, im Alter von 21 Jahren der jüngste Kapitän Deutschlands, ist in der Welt herumgekommen – und das merkt man ihm an. Stevia entdeckte er in Paraguay. „Ich bin dort 2007 zufällig über das Stevia-Süßungsmittel gestolpert. Dort spritzen die Menschen sich das sogar in den O-Saft, aber auch in den Kaffee“, sagt er. Dort kostete er auch erstmals die süß schmeckenden Stevia-Blätter. „Ich stellte bei meinen Recherchen fest, dass Stevia überall zugelassen ist, außer in Europa“, erzählt er weiter. Dort kam die Zulassung erst 2011.

Aber in der Zwischenzeit ist auch Schepers in der Angelegenheit international aktiv geworden. Um die optimalen Maschinen zur Verarbeitung von Stevia kennenzulernen, lebte er ein Jahr in China. „Das Land Japan ist bei der Stevia-Nutzung am weitesten. Die Qualität der Stevia-Produkte ist dort sehr hoch.“ Mittlerweile hat Schepers seinen eigenen Stevia-Anbau im sonnigen Spanien. Die Marmelade produziert eine benachbarte Manufaktur. Die Schokoladen entstehen in Löhne in Kooperation mit dem Familienbetrieb „Meybona“.

 Infos unter: migfo.de und oh-lecker.de.

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