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Cinema Ostertor: Deutschlands ältestes Programmkino wird 50

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Cineastische Institution und unabhängiger Familienbetrieb – das Cinema Ostertor wird 50 Jahre alt. Im November 1969 öffnete das Kino mit dem Film „Chronik der Anna Magdalena Bach“.

Eine der Kugelschreiberzeichnungen, für die der Bremer Künstler Jub Mönster bekannt ist, ist die vielleicht schönste Darstellung dieses Kinos. Ins Blau des Nachtlebens an der Sielwallkreuzung getaucht, zeigt Mönster das Cinema Ostertor – oder besser: dessen Fassade. Eine leuchtende Fassade, hinter der sich Illusionswelten öffnen; in diesem Fall laut Aushang in Form der Filme „Shining“ und „Blues Brothers“. Nun steht ein Jubiläum an. Das Cinema Ostertor, 1969 am Ostertorsteinweg 105 als erstes Programmkino Deutschlands eröffnet, wird 50 Jahre alt.

Bremen - 1969, das waren bewegte Zeiten. Gert Settje war damals Chef des legendenumwobenen Musiklokals „Lila Eule“ (gleich um die Ecke in der Bernhardstraße). Jazz-Größen traten hier auf, diskutiert wurde hier ebenfalls – 1967 hatte Rudi Dutschke in der „Lila Eule“ eine Rede gehalten. „Mein Vater hat dort auch Filme gezeigt“, sagt Thomas Settje, der Sohn.

In der Nachbarschaft – eben: am Ostertorsteinweg 105 – gab es ein richtiges Kino, die „Kammer-Lichtspiele“. Sie liefen aber nicht mehr so gut. Gemeinsam mit Jürgen Behrends, Lore Bertuleit, Hero Burmeister, Robert Francke, Konrad Huchting und Manfred Lohrengel übernahm Settje die „Kammer-Lichtspiele“ und machte am 7. November 1969 das „Cinema Ostertor“ daraus. Ein Haus für politisch engagiertes Kino, für anspruchsvolle Filme. Ein unabhängiges Kino – und vor allem: ein Programmkino. „Es gab Din-A4-Blätter, auf denen die Programme standen“, sagt Thomas Settje.

Nun hatte Bremen ein Haus, in dem die französische Nouvelle Vague ebenso eine Heimat hatte wie das aufkommende Neue Deutsche Kino. Schon die Eröffnungsvorstellung war geradezu programmatisch – gezeigt wurde die „Chronik der Anna Magdalena Bach“, ein deutsch-italienischer Spielfilm des französischen Regisseurs Jean-Marie Straub von 1968. „Ein herrlich sperriges Werk“, sagt Thomas Settje. „Da waren wenige Leute im Kino. Die meisten standen im Foyer und haben etwas getrunken.“

1973 folgte der nächste entscheidende Schritt: Gert Settje gründete mit Reinhold Garske das Bremer Kommunalkino, das anschließend 20 Jahre lang im Cinema Ostertor zu Hause war. 1993 zog das Kommunalkino dann in eigene Räume. Im Cinema Ostertor freute und freut man sich derweil über regelmäßige Anerkennung, die sich in der Verleihung von Bundesfilmprogramm- und Kinoprogrammpreisen ausdrückt. Fast 50 dürften es inzwischen insgesamt sein, sagt Thomas Settje.

Thomas Settje an der Kinokasse. Die Bonbongläser genießen Kult-Status unter Film-Fans.

Er betreibt das 120-Plätze-Haus heute gemeinsam mit seiner Schwester Andrea Settje – ein cineastischer Familienbetrieb; als Ort für Filmkunst und gehobene Unterhaltung eine Bremer Institution. Und – nach einem Intermezzo bei den Bremer Filmkunsttheatern vor ein paar Jahren – wieder (und weiter) ein unabhängiges Kino.

Die Institution Cinema Ostertor, sie taucht auch im Roman „Neue Vahr Süd“ des Bremer Schriftstellers und Musikers Sven Regener auf. Die Wohngemeinschaft des Protagonisten haust über dem Kino. Bei den Dreharbeiten zur Verfilmung des Romans verwandelten die Fernsehleute die Cinema-Fassade 2010, bis sie wieder aussah wie Anfang der 80er Jahre. Da wurde das Kino zur Kulisse.

Zurück in die Gegenwart. 50 Jahre „Cinema im Ostertor“ (so der offizielle Name heute) – das wird jetzt gefeiert, und zwar mit einem besonderen Programm am Donnerstag, 7. November. Zu sehen gibt’s dann „2040 – Wir retten die Welt“ (15.15 Uhr), einen Dokumentarfilm über den argentinischen Komponisten Astor Piazzolla (17 Uhr), die Tragikomödie „Smuggling Hendrix“ (18.45 Uhr, Regisseur Marios Piperides wird erwartet) und die dänische Komödie „Happy Ending – 70 ist das neue 70“ (20.45 Uhr).

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