„Um‘n Pudding“ mit Volker Sieg in Findorff

Torfkähne und Wochenmarkt

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Volker Sieg an der historischen Jan-Reiners-Lok. In Fahrtrichtung liegen Kirche und Torfhafen.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Vor rund 200 Jahren brummte rund um Findorffs Torfhafen das Leben. Aus den umliegenden Mooren legten die Torfkähne an, Pferdefuhrwerke parkten hinter den anliegenden Gasthäusern, in denen sich die Torfhändler sich nach tagelanger Fahrt erfrischten. Mit Diakon Volker Sieg gehen wir in Findorff „um‘n Pudding“.

Sieg arbeitet an der Findorffer Geschichtswerkstatt und ist Diakon in der Martin-Luther-Gemeinde. Deren Kirche mit ihrem imposanten Turm befindet sich an der Kreuzung Hemmstraße/Eickedorfer Straße, dem quirligen Zentrum des Stadtteils. Das 1960/61 in nur 15Monaten erbaute Gotteshaus ist der größte Kirchenneubau in Bremen nach dem Zweiten Weltkrieg. Er steht auf dem ehemaligen Hafenbecken, gegenüber der historischen Jan-Reiners-Lok.

Findorff ist ein vergleichsweise kleiner Stadtteil, der auf der Nordseite des Hauptbahnhofs mit der Bürgerweide beginnt und weiter nördlich, mit dem Ortsteil Regensburger Straße, an Walle grenzt. Entlang von Bürgerpark und Stadtwald erstrecken sich das Weidedammviertel und das Kleingartengebiet „In den Hufen“. Zwischen Bürgerpark und Kirche lockt sonnabends Bremens größter Wochenmarkt. „Er hat über 100 Stände, man kann gemütlich sitzen, sich von den anliegenden Gastronomen Speisen bringen lassen oder nebenan am neuen Torfhafen im Biergarten sitzen“, sagt Sieg. Der neue Torfhafen an der Eickedorfer Straße, Ecke Bürgerweide, wurde erst vor etwa zehn Jahren errichtet. An ihm legen die Ausflugskähne nach Worpswede an.

Im 19. Jahrhundert brachten die behäbigen Torfkähne das beliebte Heizmaterial in die Stadt. Bis zu drei Tage dauerte die Fahrt aus dem Teufelsmoor über Wörpe, Wümme und Torfkanal. Zigtausend Schiffe befuhren Ende des 19. Jahrhunderts jedes Jahr diese Route. Es wundert also nicht, dass der Stadtteil seinen Namen nach dem „Moorkolonisator“ Jürgen Christian Findorff (1720–1792) erhielt. Der „Vater aller Moorbauern“ trieb die Besiedelung des Teufelsmoores voran: Flächen wurden trockengelegt und Dörfer gegründet. 1891 regte Johann Reiners aus dem niedersächsischen Lilienthal den Bau einer Moorbahn an. Die Stammstrecke der Schmalspurbahn von „Bremen Parkbahnhof“ nach Tarmstedt ging am 4. Oktober 1900 in Betrieb. Pferdefuhrwerke und Torfkähne verloren dadurch an Bedeutung.

Die Bahn bestimmt den Stadtteil noch heute. Er ist von Bahnstrecken und Güterbahnhof umrahmt. Trotzdem ist Findorff zu einem beliebten Wohnviertel geworden. „Der Bau des Weidedammviertels brachte eine Wende“, sagt Sieg, „ihm mussten allerdings die teils von alternativen Gruppen bewohnten Parzellen und Kaisenhäuser weichen.“ Intensive Umgestaltungsplanungen vor mehr als zehn Jahren hätten den Stadtteil aufgewertet. Obwohl von den vielen Ideen wegen begrenzter Mittel in erster Linie der Bau des neuen Torfhafens realisiert wurde, seien die Anwohner aktiv geblieben, sagt der Diakon.

Siegs liebste Ecken sind der Bürgerpark, die Parzellen und der Findorffmarkt, auch ohne Marktbetrieb. „Auf den ersten Blick mag der Platz, wenn er leer ist, hässlich wirken“, sagt der Diakon, „aber das alte Pflaster hat seinen Charme, nichts ist aufgehübscht.“ Was ihn in dem Stadtteil nervt, sind Neubauten, die sich nicht in das vorhandene Straßenbild einfügen und der zunehmende Eisenbahnlärm.

Mit wem er gern mal „um‘n Pudding“ gehen würde? „Mit Inspector Barnaby, dem britischen TV-Kommissar. Ich mag die Serie, die neben den Kriminalfällen das britische Leben zeigt, mit viel Landschaft und viel Humor.“ Auf einem Gang durch die Gemeinde und Findorffs Grün würde der Diakon dem Kommissar zeigen, was Findorff für schöne und lebendige Orte hat.

Zahlen Stadtteil Findorff:

Gesamtfläche: 427,7 Hektar

Agrarfläche: 1,9 Hektar

Erholungsfläche: 115,6 Hektar

Gesamtbevölkerung: 25 607 Männer: 12107

Frauen: 13 500

Durchschnittsalter: 44,5 Jahre

Einwohner pro Hektar: 63,8 Schüler: 2007

Betriebe: 747

(Statistisches Landesamt 2013)

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