„Um’n Pudding“ im Stadtteil Mitte mit Ursula Stümper

„Wir sind kein Museum“

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Ursula Stümper liebt die Altstadt und will sie lebendig halten.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Die Innenstadt mit Kunsthalle, Wall, Schnoor, Marktplatz, Schlachte, Einkaufsstraßen und Bahnhof zieht Hunderttausende von Touristen an – und muss doch um ihren Erhalt kämpfen. Mit Ursula Stümper gehen wir in Bremen-Mitte „Um’n Pudding“.

Die engen Gassen des Schnoors sind sein Markenzeichen und faszinieren Butenbremer, aber auch die Bremer selbst. In der Straße Marterburg hat Stümper ihren Laden „Afro-Asiatica“ mit einer Galerie und ihre Wohnung. „Ein Geschäft im Haus ist Pflicht, um hier wohnen zu dürfen“, sagt Stümper, die den Laden für exotisches Kunsthandwerk 1972 von ihren Vorgängern übernahm. Etwa 32 Quadratmeter hat die Wohnung im Obergeschoss. Bad und Toilette befinden sich im Erdgeschoss, hinter dem Verkaufsraum. Zu der historischen Immobilie ist die Wahlbremerin durch Zufall gekommen. Ende der 60er- Jahre sei sie im Schnoor in einem arabischen Restaurant gewesen – dem ersten, in dem es damals schon Lamm mit Knoblauch gab, fügt sie hinzu. Sie sei mit dem Seemann und Schriftsteller Hein Bruns und seiner Frau vom Nachbartisch ins Gespräch gekommen.

Als Bruns erfuhr, dass Stümper sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsah, nahm er sie kurzerhand mit und stellte sie noch am selben Abend den Kaufleuten vor, deren Laden sie drei Jahre später übernahm. „Der Schnoor war und ist ein Dorf“, sagt Stümper, „ich lebe hier sehr, sehr gerne. Es gibt Gemeinschaft, Nachbarschaft und man hilft sich gegenseitig.“

Der Schnoor ist Teil des Ortsteils Altstadt, der zusammen mit der Bahnhofsvorstadt und dem Ostertor den Stadtteil Mitte bildet. Das Gängeviertel Schnoor ist das letzte in der Altstadt erhaltene Quartier mit einer zusammenhängenden Bebauung aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Bis zum 19. Jahrhundert floss noch die Balge durch den Schnoor in die Weser. Das Viertel beherbergte Schiffer und Flussfischer.

Die Altstadt verkörpert Bremens Geschichte. Roland, Dom, Rathaus, Kirchen und Kloster bergen so viel Spannendes und Wissenswertes, dass auch viele Bremer sich von Zeit zu Zeit eine Stadtführung gönnen. Man erfährt, dass die Schlachte einst Bremens erster befestigter Hafen war, dass das Faulenquartier mit der gotischen Stephani-Kirche, der Volkshochschule und der Jugendherberge vor dem Zweiten Weltkrieg noch ähnlich eng bebaut war wie der Schnoor oder dass das Ostertor mit Kunsthalle und Theater bei den Bremern zum Viertel gerechnet wird.

Für Stümper ist die Ecke mit dem größten Verschönerungspotenzial die Obernstraße. „Dort gibt es keine Cafés, Bänke und Bäume“, sagt sie. Die schönsten Ecken seien Schnoor, Marktplatz, Böttcherstraße und Weser. Aber auch hier sieht sie Handlungsbedarf: Die Sehenswürdigkeiten müssten besser ausgeschildert und an die Hauptwege angegliedert werden. , betont die Ladenbesitzerin, „wir müssen auch verkaufen, um zu überleben.“ Die Kaufkraft der Leute sei in den vergangenen Jahrzehnten spürbar gesunken, vor allem müssten mehr junge Menschen angesprochen werden. Gleichzeitig dürften die Mieten nicht so hoch werden, dass sie mit den Einnahmen der kleinen Geschäfte und Galerien unbezahlbar würden, findet Stümper. „Wer bummelt, bleibt auch ein paar Stunden.“ Deshalb machte es knapper oder extrem teurer Parkraum schwer, die Innenstadt lebendig zu halten.

Mit wem Stümper gerne einmal um’n Pudding gehen würde? „Mit unserem neuen Bürgermeister Carsten Sieling. Es ginge durch den Schnoor, um zu zeigen, dass diese Touristenattraktion kein Selbstläufer ist, sondern von der Politik geschützt und unterstützt werden muss.“ Als außergewöhnliche Veranstaltung könnte sich die weitgereiste Geschäftsfrau ein riesiges Innenstadt-Fest vorstellen, auf dem Flüchtlinge Kulinarisches, Kunst und Kultur ihrer Heimat vorstellen.

Zahlen des Stadtteils Mitte:

Gesamtfläche: 323,5 Hektar;

Agrarfläche: 0 Hektar;

Erholungsfläche: 28,1 Hektar;

Gesamtbevölkerung: 17507;

Männer: 9229, Frauen: 8278;

Durchschnittsalter: 41,7 Jahre;

Einwohner pro Hektar: 55,5;

Schüler: 747;

Betriebe: 3772;

(Quelle: Statistisches Landesamt 2010–2014).

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