„Um‘n Pudding“ mit Sabine Blumstengel in Arsten

Steinsetzer und Bauern

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Sabine Blumstengel vor der St.-Johannes-Kirche im Arster Dorfkern.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Der Ortsteil Arsten ist das alte Kirchdorf im Stadtteil Obervieland. Das ehemalige Dorf der Bauern und Steinsetzer ist heute ein buntgemixter Stadtteil. Mit Sabine Blumstengel gehen wir in Arsten „Um‘n Pudding“.

Über die Erdbeerbrücke gelangt man von der Östlichen Vorstadt aus über Weser und Werdersee nach Obervieland. Erst geht es durch den Ortsteil Habenhausen, der wegen seiner historischen Bedeutung für Bremens Unabhängigkeit, einen eigenen „Pudding“-Rundgang braucht. Dann erreicht man Arsten, Kattenesch und Kattenturm. Sie bilden ein Dreieck, dessen nördliche Spitze nach Huckelriede zeigt. Der westliche Schenkel grenzt an den Flughafen und der östliche wird vom Autobahnzubringer Arsten gebildet. Im Süden verläuft die A1. „Hier kennt jeder jeden“, sagt Blumstengel. Für die Identität des Stadtteils leiste der Verein „Arster Geschichte“ einen großen Beitrag. Früher habe man noch in der Schule gelernt, dass Arsten und Habenhausen die Heimat der Steinsetzer und Straßenbauer war. Im 19. Jahrhundert war das „Soomsteensetten“ ein Lehrberuf, und der 1888 gegründete Bremer Steinsetzer-Verein wurde zum Vorläufer der Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden. Bedeutende Straßenbaufirmen haben hier ihren Ursprung. In der Feldmark Arsten standen auf der Riederhöhe im Brüggefelde und am Arsterdamm gleich fünf Ziegeleien. Den alten Arster Dorfkern, im Südosten Obervielands, prägt die um 1250 erbaute romanische St.-Johannes-Kirche. Sie war bis Mitte des 20. Jahrhunderts die einzige in Obervieland. Im Süden Arstens liegt Ahlken. Aus der Ortsgeschichte lässt sich entnehmen, dass die beiden Namen möglicherweise aus dem Niederdeutschen „asten“, für „sich abquälen, mühen“ und „alken“ für „mit großer Anstrengung arbeiten“ stammen. Die Eindeichung der Siedlungen in Obervieland war mit Sicherheit ein Kraftakt. Ahlken verschmolz mit Arsten, aber seine Bauernschaft besteht bis heute. Neben den dörflichen Strukturen Alt-Arstens entstanden seit den 1960er Jahren immer neue Wohngebiete in Arsten und weiter westlich in Kattenturm. In Kattenturm wurde 1968 das Klinikum Links der Weser eingeweiht und war lange Bremens Zentralkrankenhaus. Vermehrt Probleme machten die anonymen Hochhaussiedlungen. Es wurde in den vergangenen Jahren viel investiert, um die Wohn- und Lebensqualität dieser Quartiere zu steigern.

In Obervieland ist Blumstengel aufgewachsen und hat sich als Familienmutter im Stadtteil engagiert. Sie kennt die Streitigkeiten zwischen Alt-Arstern und Alt-Habenhausern, stellt aber auch fest, dass sich die neuen Gebiete erfreulich positiv entwickeln. Dort, wo junge Familien hinzogen, haben die Neu-Arster für mehr soziale Infrastruktur gekämpft. „Hier gab es keinen Kindergarten und auch keinen Spielplatz“, erzählt Blumstengel. Entlang der ziegelroten Reihenhäuser in Arsten Süd-West geht es zum Heukämpendamm. „Wir haben es endlich geschafft, hier freitags einen Bauernmarkt auf den Platz zu bekommen“, freut sich Blumstengel.

Das offizielle Zentrum Obervielands liegt in Kattenturm. Der Ortsname leitet sich von einem der drei Wachtürmen ab, die 1309 wegen Grenzstreitigkeiten, unter anderem um den Besitz von Arsten, errichtet wurden. Der sogenannte „Kattenturm“ stand direkt vor der Ochtumbrücke, im heutigen beschaulichen Kattenesch. Er sicherte den Übergang der Landstraße nach Syke.

Für Blumstengel sind schönsten Stellen Arstens der Alker Wald und der Wadeacker See. Dem Stadtteil wünscht sie, dass am Sportplatz keine Windräder gebaut werden und einen lückenlosen Lärmschutz zur Autobahn. Mit wem Blumstengel mal „um’n Pudding“ gehen würde? – „Mit Pierce Brosnan würde ich gern über den Deich gehen und schnacken. Ich finde toll, dass er die Menschen akzeptiert, wie sie sind.“

Zahlen zu Arsten:

Gesamtfläche: 463,4 Hektar

Agrarfläche: 137,2 Hektar

Erholungsfläche: 20,4 Hektar

Gesamtbevölkerung: 9244

Frauen: 4413

Männer: 4831

Durchschnittsalter: 44 Jahre

Schüler: 1240

Einwohner pro Hektar: 19,5

Betriebe: 252

(Statistisches Landesamt 2013)

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