„Um’n Pudding“ mit Rainer Heuer in Huchting

Kirche ohne Dorfkrug

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Hier war einst das Zentrum Huchtings: Rainer Heuer vor der St.-Georg-Kirche in Kirchhuchting.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Das Wahrzeichen Huchtings ist eindeutig die St.-Georg-Kirche“, erzählt Rainer Heuer, „auch wenn sich ein neues Zentrum gebildet hat.“ Mit Heuer gehen wir in Huchting „Um’n Pudding“.

Huchting liegt an Bremens Grenze zu Stuhr und Delmenhorst. Der Stadtteil besteht aus den Ortsteilen Mittelshuchting nördlich der B 75, Kirchhuchting südlich der B 75, Sodenmatt ganz im Westen und Grolland, das im Osten direkt hinter der Airport-City beginnt. Hinter der Abfahrt „Kirchhuchting“ von der B 75 steht wie ein Wächter am Ortseingang der 1879 fertiggestellte 46 Meter hohe Turm der St.-Georg-Kirche. Das Gotteshaus im neugotischen Stil ersetzte die baufällige Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Gleich nebenan befinden sich Gemeindehaus, ein Marktplatz, Gefallenendenkmal, Friedhof, Schule und Dorfkrug. Heuer möchte das Ensemble gerne unter Schutz stellen lassen. Der alte Dorfkrug steht seit Jahren leer. „Jetzt trifft man sich im Roland-Center zum Schnacken“, erzählt Heuer. Weitere „Wahrzeichen“ des Stadtteils sind für ihn der Sodenmattsee, der „Park Links der Weser“ und das Restaurant „Grollander Krug“.

Heuers Familie hat ein Baugeschäft, das der Ingenieur seit 44 Jahren und in dritter Generation führt. Als Kind hat er noch das dörfliche Huchting erlebt. „In den Zuggräben konnte man Fische mit dem Wasserglas fangen“, erzählt er. Als Lehrling habe er mit die Kirchenfenster ausgebessert, später die Kegelbahn im Dorfkrug erneuert – und sein Opa setzte das Fundament für das Ehrendenkmal vorm Gemeindehaus. Das verbindet.

Huchting war über Jahrhunderte vor allem landwirtschaftlich geprägt. Seit dem 14. Jahrhundert, zu Hochzeiten der Hanse, stand Huchting unter dem Einfluss des Rates von Bremen. Von 1817 bis 1945 wurde es als Bremer Landgemeinde vom Landherrnamt betreut. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Huchting eingemeindet. Von 1955 bis 1970 entstanden in Mittelshuchting und im Ortsteil Sodenmatt zahlreiche Geschosswohnungsbauten des sozialen Wohnungsbaus. Fünf moderne Kirchen kamen hinzu, drei allein von Architekt Carsten Schröck. Die Bonhoeffer-Kirche und die St.-Lukas-Kirche faszinieren durch ihre Drahtseilnetz-Architektur. Mit dem 1972 in Kirchhuchting erbauten Roland-Center entstanden bis heute rund 30000 Quadratmeter Verkaufsfläche mit etwa 100 Fachgeschäften. „Nach dem Bau verschwanden viele kleine Fachgeschäfte“, erinnert sich Heuer.

Er hat den Eindruck, dass die Hauptstraße, die Kirchhuchtinger Landstraße, langsam „verslumt“. Die Wohnungen und Häuser ließen sich schlechter vermieten, und die sinkenden Mieten zögen immer mehr sozial Schwache oder Migranten an. Und dort, wo keiner mehr wohnen wolle, entstünden Pizzaläden und Spielhallen. Das, so Heuer, sei nicht gut und ein Grund für das Image-Problem Huchtings. Dabei habe Huchting viel Schönes zu bieten. „Der ,Park Links der Weser‘ ist eine Freude und das Sportzentrum mit Fußballplätzen und Leichtathletikbahn ebenso“, sagt Heuer. Die Vereine würden außerdem für ein gutes Netzwerk sorgen. Heuer wünscht sich mal wieder eine große Sportveranstaltung oder ein Zelt-Festival mit Live-Musik im Stadtteil.

Mit wem er gerne einmal um’n Pudding gehen würde? Mit dem früheren Mercedes-Chef Edzard Reuter. Vielleicht zum Ende des Hohenhorster Weges, an die Varreler Bäke oder zum Gedenkstein neben der St.-Georg-Kirche. Ihn würde er gerne nach Fotos und Dokumenten zu seiner Verwandtschaft in Huchting fragen, denn Heuers Hobby ist die Archivierung und Veröffentlichung der Stadtteilgeschichte. Sein aktueller Fotokalender zeigt unter anderem berühmte Konfirmanden der 800 Jahre alten St.-Georgs-Gemeinde. Denn viele Prominente kommen aus Huchting. Und über die schreibt Heuer gerade ein Buch.

Stadtteil Huchting in Zahlen:

Gesamtfläche: 1372,8 ha

Agrarfläche: 458,5 ha

Erholungsfläche: 126,3 ha

Gesamtbevölkerung: 29269, Männer: 14051, Frauen: 15218

Durchschnittsalter: 44,9 Jahre Einwohner pro Hektar: 21,5

Schüler: 3316,

Betriebe: 709

(Quelle: Statistisches Landesamt 2010–14)

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